Was geschah… im September 2019

Willkommen im neuen Monat! Ich hoffe, ihr hattet eine schöne Zeit. Der September war bei mir ein ereignisreicher Monat. Mein Umzug ist jetzt abgeschlossen und mit ihm hat sich meine Hoffnung auf eine ruhige Wohnung aufgelöst, da mir entfallen ist, dass das Küchenfenster der WG unter mir, sich unmittelbar hinter meinen Zimmer befindet. Doch da ich keinen Zeitumkehrer habe, widmen wir uns lieber den schönen Dingen zu, wie meinem Geburtstag, an dem mich meine Eltern in Wuppertal besucht haben. Wir sind gemütlich in der Stadt frühstücken gegangen, etwas, das ich stundenlang machen kann: Essen, Tee trinken und über alles mögliche quatschen.

An dem darauf folgenden Wochenende habe ich eine kleine Geburtstag/ Einweihungsparty veranstaltet. Den Abend haben wir gemütlich mit dem Gesellschaftsspiel Die Werwölfe von Düsterwald verbracht, bei dem die Werwölfe sich nachts ihr Opfer aussuchen: Am Tag diskutieren dann die Dorfbewohner darüber, wer eines der blutrünstigen Ungeheuer ist. Es ist immer witzig, wenn sich Leute leidenschaftlich verteidigen und sich an den Haaren herbei gezogene Argumente für andere überlegen. Das schöne daran ist, dass alle involviert sind und sich keine Gruppen bilden.

Meine Freunde kennen mich auch und so hat sich mein Harry Potter Merch vergrößert. Ich bin jetzt glückliche Besitzerin von Sirius Zauberstab und eines bisher noch namenlosen Nifflers.

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Gelesen

Mit Das trügerische Gedächtnis von Autorin Dr. Julia Shaw habe ich mein erstes Fachbuch beendet, das einem interessante Einblicke in die Funktionsweise der Bildung falscher Erinnerungen gegeben hat. Diese bilden sich schnell und das erschwert zum Beispiel die Arbeit der Polizei. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm und sie nutzt zur Veranschaulichung viele Beispiele, lediglich der Humor wirkte meiner Meinung nach an einigen Stellen aufgesetzt.

Bleibenden Eindruck hinterlassen hat bei mir auch Die Freiheit, frei zu sein von Hannah Arendt, von der ich mehr lesen wollte und da bildete das Essay einen guten Einstieg. Auf 42 Seiten rekonstruiert Arendt ausgehend von der Französischen Revolution, was unter Freiheit zu verstehen ist. Einen ansprechenden Text dazu findet ihr hier bei Eva-Maria Obermann.

Von der Expanse Reihe habe ich den zweiten Band, Calibans Krieg, beendet, bei dem mich die ständige Betonung von Bobbies Größe und Alex nerviger lang gezogener Sprechweise gestört hat. Davon abgesehen war es ein spaßiges Weltraumspektakel und ich freue mich auf den nächsten Teil.

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Gehört

Vom Sprecher David Tennant werde ich mir auf jeden Fall weitere Hörbücher holen, denn ich liebe seinen britischen Akzent und wie er My Sister Lives On The Mantelpiece gesprochen hat. Die berührende, humorvolle und traurige Geschichte wird aus der Sicht des zehnjährigen Jamie erzählt. Nachdem seine ältere Schwester bei einem Terroranschlag ums Leben gekommen ist, ist die Familie zerbrochen. Der Vater versucht seine Trauer im Alkohol zu ertrinken und die Mutter ist mit einem neuen Mann zusammen. Beide vernachlässigen ihren Sohn, der sich verzweifelt nach ihrer Aufmerksamkeit sehnt. In der neuen Schule hat Jamie Probleme mit seinen Mitschülern, lediglich das muslimische Mädchen Sunya hilft ihm. Jamie ist hin und her gerissen, sich mit ihr anzufreunden und seinen Gewissenbissen wegen des Vaters, der immer sagt: „Muslime haben deine Schwester umgebracht!“. My Sister Lives On The Mantelpiece zeigt auf den Umgang mit Vorurteilen und die Bedeutung von Familie auf. Durch die kindliche Perspektive des Protagonisten war ich mir oft nicht sicher, ob ich lachen oder weinen sollte. Es ist eine Geschichte, die nachklingt.

Mit Harry Potter und der Halbblutprinz sowie Harry Potter und die Heiligtümer des Todes habe ich mir dieses Jahr alle Bände erneut angehört. Sie waren mein ständiger Begleiter, sei es unterwegs, beim Kochen oder beim Haushalt machen, weswegen ich ein klein wenig traurig war, als der Prolog einsetzte.

Gesehen

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Im September war ich zweimal im Kino. Beide Filme kann ich euch beide empfehlen. Zur Abwechslung handelt es sich weder um eine Buchempfehlungen, um ein Remake oder den zehnten Teil eines Franchise und allein das sollte belohnt werden.

Ready or Not (Kino) ist eine schräge Horrorkömodie, die mir unterhaltsame Stunden bereitet hat. Am Abend ihrer Hochzeit soll Grace (ganz toll: Newcomerin Samara Weaving) mit der Familie ihres Ehemanns ein Gesellschaftsspiel spielen, so besagt es die Tradition. Das harmlose Verstecken wandelt sich in Verstecken auf Leben und Tod, bei dem sich Grace als eine kämpferische Gegnerin erweist. Die Mischung aus Humor und Horror mochte ich schon bei Jordan Peels Filmen. Die tiefere Ebene fehlt hier zwar, doch darauf ist Ready or Not auch nicht ausgelegt: Er ist witzig, stellenweise sehr brutal und fließt eine Menge Blut – wirklich eine Menge Blut.
Schaurig, schöner Spaß in Splatter-Manier, dessen Ausgang bis zum Ende unklar ist“ – lautet Nicoles Meinung. Sie hat zu dem Film eine ausführliche Rezension verfasst, daher schaut gerne bei ihr vorbei, um mehr zu Ready or Not zu erfahren. Bis auf ihre Ansicht zu dem Schluss, kann ich ihr auch nur zustimmen.

Ruhiger geht es im Science-Fiction-Thriller Ad Astra (Kino) mit Brad Pitt und Tommy Lee Jones in den Hauptrollen zu. Die Erde wird von katastrophalen, elektromagnetischen Stürmen heimgesucht, mit denen Roys Vater in Verbindung gebracht wird. Dieser hat im Rahmen des Lima-Projekts in der Nähe des Neptuns nach intelligentem Leben geforscht. Jetzt macht sich sein Sohn auf die Suche nach ihm. Die Situation in der Zukunft wird zu Beginn des Films im nostalgischer Blade Runner Stil erklärt. Darüber hätte ich gerne mehr erfahren, doch im Kern der Geschichte steht die Vater-Sohn-Beziehung. Daneben geht es darum, wie weit man für seine Überzeugungen geht und um eine Auseinandersetzung auf einer einsamen Weltraummission mit sich selbst. Die Atmosphäre ist erdrückend und der niederländische Kameramann Hoyte van Hoytema  erschafft atemberaubende Bilder. Ad Astra weist Parallelen zu Apocalypse Now auf und eine Szene auf dem Mars erinnert an Mad Max: The Fury Road.

Coliette (Amazon) ist einer dieser kleinen Indie-Filme, die wenn überhaupt, nur in wenigen kleinen Kinos laufen. Dabei ist dies besonders bei dieser Produktion schade, denn davon würde ich gerne mehr auf der Leinwand sehen. Die Filmbiografie erzählt das Leben der französische Schriftstellerin, Varietékünstlerin und Journalistin Colette. Verkörpert wird sie bezaubernd von Keira Knightley. Sie passt perfekt in die Rolle und spielt mit einer Leichtigkeit und Anmut eine junge Frau, die selbstbewusst ist und sich nicht in eine Opferrolle drängen lässt. Es ist eine Emanzipationsgeschichte, in der Colette sich von ihrem Ehemann lossagt, der ihre Geschichten als die Seine verkauft und sie mehrmals betrügt. Dominic West als Ekelpaket ist auch fantastisch. Colettes Liebe zu Frauen wird größenteils ohne die gesellschaftlichen Probleme der damaligen Zeit erzählt, etwas, das ich als angenehm erfunden habe und besonders hat mich das Happy End glücklich gestimmt. Noch zu erwähnen ist die Ausstattung und die Kostüme, ich habe mich als Zuschauerin in das 18. und 19. Jahrhundert zurückgefühlt.

Urheberschaft: Lionsgate Films

In Green Book (Netflix) hat Regisseur Peter Farelly es geschafft, eine ernste Thematik in einen Wohlfühl-Film zu packen. Der eher ungebildete Tony Lip (Viggo Mortensen) soll auf der Konzerttournee des afroamerikanischen Musikers Don Shirley (Mahershala Ali) als Fahrer und persönlichen Assistenten fungieren. Auf ihrer Reise zeigt sich verstärkt der Rassismus der damaligen Zeit, zum Beispiel wenn Shirley in heruntergekommenen Hotels übernachten muss und nicht mit den Weißen in einem Restaurant essen darf. In Bezug auf seine Homosexualität zeigt sich eine doppelte Diskriminierung. Diese Dinge werden nicht heruntergespielt, dennoch liegt der Fokus auf die Freundschaft zweier ungleicher Männer (großartig gespielt), die voneinander lernen und sich gegenseitig helfen.

Einen Rewatch habe ich mit Padington (DVD) und 500 Days of Summer (DVD) gestartet. Letzteres von Beiden gehört zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Ich liebe die unchronologische Erzählung, den Schnitt und den Soundtrack. Wenn ihr bei Youtube 500 days of Summer (Expectations VS Reality) eingibt, kommt ihr zu meiner Lieblingsszene, die mir jedes Mal aufs Neue mit dem Einsetzen von Regina Spektors Hero eine Gänsehaut bereitet. Und wer kennt es nicht? Das Durchspielen eines Moments, der in der Realität komplett anders verläuft?

Gebloggt

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Habt ihr Colette schon gesehen?
Und würdet ihr auch mehr kleine Filme in den Kinos sehen?

Liest ihr gerne Fachbücher oder nicht? Wenn ja, habt ihr ein paar Empfehlungen für mich?

Falls sich jemand gewundert hat, dass der Beitrag heute morgen schon online war und dann plötzlich verschwunden ist: Ich wollte nur das Beitragsbild ändern und plötzlich war der ganze Text weg. Wie und warum, keine Ahnung. Ich hatte natürlich keine Absicherung, weswegen ich alles neu schreiben musste.

10 Kommentare

  1. Hallo Nadine,

    ich freue mich, dass Colette ihren Weg in deine Empfehlungen gefunden hat. Ein toller Film. Ich hatte danach große Lust auf die Bücher und hab leider festgestellt, dass kein Verlag die Chance ergriff und die Bücher nochmal auf den Markt gebracht hat. Hoffentlich ändert sich das irgendwann einmal. Oder ich muss ein paar Antiquariate unsicher machen. 😂

    Liebe Grüße 🙂

  2. Das war ja wirklich ein ereignisreicher Monat!
    Ich finde es auch so schade, dass Colette bei vielen Kinos im Programm fehlt. Ich würde den Film ja auch gerne sehen, dann muss ich wohl warten, bis der auf DVD raus ist oder irgendwann mal auf Netflix/Amazon verfügbar. 🙂
    Liebe Grüße 🙂

  3. Oh die beiden Filme habe ich leider verpasst. Vor allem bei Ready Or Not gab es ja eigentlich fast nur positive Kritiken, während Ad Astra anscheinend mehr polarisierte. Green Book hatte ich Anfang des Jahes im Kino gesehen und gehörte bisher immer noch zu meinen Highlights des Jahres!

  4. Danke für den Link auf meine Rezi <3. Auch dein Monat klingt richtig toll, da hattest du auch viele schöne Momente, freut mich vor allem dass du so einen schönen Geburtstag hattest. Das mit der Wohnung ist halt echt ärgerlich, ich verstehe dich da voll. Darfst dich da immer gerne via Whatsapp bei mir auskotzen, denn ich weiß, dass sowas auch einfach mal raus muss.

    Auf colette hast du mich ja neugierig geamcht. Den Film habe ich mir jetzt auch noch für den Herbst vorgenommen und bin schon gespannt. Keira ist ja eh ne tolle Schauspielerin und gerade in historischen Rollen mag ich sie auch sehr. Kennst du Die Herzogin mit ihr? Da ist sie auch so toll.

    Ansonsten hast du wieder mehr gelesen als ich, aber da ich nun endlich mit Two Can Keep A Secret loslegen konnte, bin ich auch wieder im Lesefieber. Die ersten 100 Seiten habe ich schon durch.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Nadine,
    Ich hoffe es, leider hat das ja jetzt mit dem Zeitplan nicht so ganz geklappt, aber wie gesagt vielleicht schreibe ich eine Arbeit auch in einem anderen Seminar. Muss mal gucken, wie es am Ende aussieht. Am Ende klappt es ja imer irgendwie. Danke für das Kompliment. Mittlerweile bin ich den Look auch gewöhnt und mag ihn.

    Oh ja das habe ich bei der Szene auch gemacht, ich hatte so gehofft, dass er sich das nicht gefallen lässt. Ich bin schon so gespannt was du zu Hidden Figures sagst, der geht definitiv auch in Richtung Green Book, weil er das Thema auch in einen Feelgood Film packt und wir die Freundschaft von drei Frauen sehen, halt nur ohne Road Trip :D.

  5. Hallo Nadine,

    da hattest du ja einen richtig spannenden und ereignisreichen Monat! 🙂
    Die Werwölfe vom Düsterwald spielten wir häufig auf unseren Stammtischtreffen vom Lehrstuhl. Ich mag das Spiel sehr, grade weil es zu der ein oder anderen witzigen Situation führt.

    Liebe Grüße 🙂

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