Was geschah… im Oktober 2020 | Gelesen und Geschaut

Wie es in einer Pandemie so ist, habe ich die meiste Zeit zu Hause lesend, schreibend oder Filme oder Serien schauend verbracht, weshalb euch deshalb nichts zur Rubrik „Erlebt“ berichten kann. Bin aber froh, ein paar schöne Treffen mit Freunden gehabt zu haben, so habe ich mit Freunden gekocht. Unsere geplante Fotosession ist leider ins Wasser gefallen, aber ein paar Bilder sind noch vorher entstanden, schön herbstlich mit Regenschirm.

Bücher:

The Expanse – Tiamats Zorn ist für mich einer der besten Bände der Reihe. Allgemein mag ich es, wie episch The Expanse ist und das sich die Handlung über einen langen Zeitraum streckt. Und das geht an den Figuren nicht einfach bei. So beginnt das Buch mit dem Tod von Chrisjen Avasarala und es bleibt nicht bei der einzigen Figur, von der wir uns leider verabschieden müssen. Die Darstellung des Untergrunds hat mir gefallen, ebenso wie das Weidersehen mit der Wissenschaftlerin Evi. Es gibt auch mehr zu der mysteriösen Intelligenz, die die Erschaffern des Protomolekuls vernichtet haben. Schade fand ich, wie schnell Duarte abgefrühstückt wurde. Ich bin ausgesprochen gespannt auf das Finale, wenn auch noch nicht ganz bereit für einen Abschied.

In seiner Biografie Ich bin Linus: Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war, erzählt er seine Geschichte, seinen Weg als trans Mann. Er zeigt, wie viele Steine die Gesellschaft trans Menschen in den Weg legen, wie viel Hass ihm entgegen geworfen wurde,  was mich beim Lesen sehr erschrocken und mitgenommen hat und wie schmerzhaft es ist, wenn man nicht die Person sein kann, die man eigentlich ist. Etwas, das man als cis Frau oder Mann nicht nachempfinden kann. Ich habe viel aus dem Buch gelernt und mit genommen, wie verstärkt auf meine Sprache zu achten.

Ich habe eine Faszination für die Goldenen Zwanziger Jahre und als Johanna von Unter Freunden das Buch „Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals“ Zelda und F. Scott Fritzgerald vorgestellt hat, wusste ich: Das Buch brauche ich! Es gibt einem einen guten Einblick in das Leben der beiden, das zeitweise an ein Hollywooddrehbuch erinnert. Man erhält aber auch einen Überblick über die damalige Zeit, Scotts Werke sowie zur damaligen Behandlung von psychischen Krankheiten (was mich jedes Mal aufs Neue schockiert), das hat mir gefallen, ebenso, dass sich sowohl Scott als auch Zelda gewidmet wird, da beide Schicksale miteinander stark geknüpft sind und sie sich gegenseitig in den Abgrund gezogen haben. Was ich bisher nicht wusste – das Scott wortwörtliche Passagen aus Zeldas Tagebuch und ihren Briefen genommen hat.

Das Mädchen mit den Perlenohrringen ist eines dieser Bücher, in der eigentlich nicht viel passiert, aber irgendwie dann doch. Eine Geschichte um das Bild des niederländischen Künstler Vermeer. Es geht um die junge Frau Griet, die bei dem Malers Vermeer beginnt zu arbeiten, erst unten im Haushalt, dann soll sie ihn vermehrt beim Malen unterstützen, bis sie ihm eines Tages selbst Porträt stehen soll… Ich habe das Buch sehr gemocht, die Seiten flossen dahin und ich kann mir meine Begeisterung gar nicht ganz erklären. Ich mochte den Schreibstil, die Zwischentöne, die Spannung zwischen Griet und dem Maler …

Dante und Aristoteles entdecken die Geheimnisse des Universums ist ein wunderschönes Jugendbuch, ein einzigartiges Jugendbuch mit einem ungewöhnlichen Schreibstil über die Freundschaft zweier Jungen, über das Erwachsenwerden, Liebe und das Finden von sich selbst. Mehr kann ich zu dem Buch nicht sagen, außer „Lesen!“

Filme:

Victoria ist ein deutscher Film, der lange auf meiner Watchlist auf Netflix war. Er hat verstärkt einen Dokumentarfilmcharakter, in zeitweise wackeligen Bildern wird gezeigt, wie die Spanierin Victoria vier Berliner Jungs kennenlernt und in eine kriminale Tat verwickelt wird. So authentisch es auch ist, so fällt er von einer klassischen Filmdramaturgie weg, worauf man sich einlassen muss. Dennoch eine interessante deutsche Produktion.

Einmal habe ich es ins Kino geschafft, und zwar zu Never Rarely Sometimes Always, in dem es um die 17-jährige Autumn geht, die ungewollt schwanger ist. Da sie sich aber nicht ihren Eltern anvertrauen kann und eine Abtreibung in Pennsylvania für Minderjährige nur mit der Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten möglich ist, reist sie mit ihrer Cousine Skylar nach New York in eine Abtreibungsklinik. Damit ist es ein wichtiger Film zu einem hochaktuellen Thema, das sensibel angegangen wird, mich berührt hat und noch lange nach dem Schauen beschäftigt. Mehr dazu hier in meiner Rezension.

Urheberrecht: Focus Features

Oktober war es für mich auch Zeit für ein paar Rewatches. So Portrait einer jungen Frau in Flammen einer der sinnlichsten Liebesgeschichten, die auch beim zweiten Schauen ihre Emotionen verbreitet hat. Liebe diesen Film! Ebenso habe ich einfach ein Herz für Midnight in Paris. Bei dem mir dieses Mal auf gefallen ist, wie anstrengend und unsympathisch Gils Frau Inez ist. Ansonsten aber eine charmante, nostalgische und witzige Reise in die Goldenen Zwanziger. Aktuell habe ich bis Dezember Disney Plus und das musste ich dazu ausnutzen, um mir noch einmal Star Wars 4 Eine neue Hoffnung anzusehen. Erst hatte ich überlegt, mir sämtliche Teile von 1-9 anzuschauen, dann dachte ich mir, dass ich mich nur wieder aufregen würde, und bleibe daher bei der Original-Trilogie, die ich im November weiterschauen werde.

Serien:

Babylon Staffel 3

Es geht zurück in die Goldenen Zwanziger (ja, ihr merkt wohl in diesem Beitrag meine Faszination :D) und man spürt zunehmend die Gefahr von Rechts, der sich vermehrt auch Gideon stellen muss, hatte er sich doch die Augen davor geschlossen. Er hat mit Oberst Wendt kämpfen, sein ehemaliger Zimmernachbar wird als politischer Journalist von den Nazis verfolgt und da ist noch sein Junge, der der Hitler Jugend beitritt. Daneben gibt es eine mysteriöse Mordserie um eine Filmproduktion und Mafiabosse und neben Plots um Lotte (deren Entwicklung mir nicht alle gefallen haben), aber Liv Lisa Fries ist einfach fantastisch, ebenso wie Fritzi Haberlandt als Elisabeth, die nur eine kleine Rolle hat, wenn sie da ist, aber fantastisch ist und für eine meiner Lieblingsszenen der Staffel gesorgt hat. Insgesamt eine top Produktion aus Deutschland.

In The Bold Type Staffel 1 arbeiten drei Frauen bei einer Zeitschrift. Von der Beschreibung eigentlich keine eine Serie, zu der ich greife würde. Doch da sie mir mehrmals empfohlen wurden, dachte ich, schaue ich mir einfach mal die erste Folge an und daraus wurden es dann direkt mehrere. Ich liebe diese Serie! Und ich bin so glücklich darüber, dass es langsam einen Wandel in der Serien- und Filmwelt gibt. Während Blairs und Serenas Freundschaft in Gossip Girl durch Neid und Konkurrenzkampf geprägt waren, steht hier eine Freundschaft dreier junger Frauen im Fokus, die sich unterstützen. Frauenpower! Dazu gibt es eine Chefin, die nicht schikaniert, sondern ihnen hilft und fair ist. Die Serie greift aktuelle Themen auf – MeToo, Brustkrebs, Hetze in Social Media – und das auf eine sensible Art und Weise, ohne das die Serie zu sehr zu einem Drama wird. Sie ist witzig, erfrischend und emotional.

Zitat des Monats:

„Irgendetwas passierte in mir, als ich in das weite Universum blickte. Durch dieses Teleskop war die Welt näher und größer, als ich sie mir je vorgestellt hatte. Alles war so schön und überwältigend und – ich weiß nicht – es machte mir bewusst, dass etwas in mir von Bedeutung war.“

Gebloggt:

Der erste Shitstorm: Zeit für Selbstreflektion
Niemals Selten Manchmal Immer | Filmrezension

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1 Kommentare

  1. Oh Victoria fand ich großartig!

    Du hast es noch ins Kino geschafft? Ich vor dem Lockdown leider nicht mehr, war das letzte Mal Mitte September. Niemals selten manchmal immer hatte ich auch im Kopf gehabt, aber dann leider nicht mehr geschafft.

    Babylon Berlin ist echt gut. Auch wenn die Krimihandlung manchmal etwas auf Groschenroman-Niveau ist, ich finde es erstaunlich, wie sie es geschafft haben, diese Zeit zum Leben zu erwecken. Das schaffen nicht mal viele US-Produktionen.

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