Warum schauen wir Serien und Filme mehrmals?

Unzählige Serien und Filme, die auf mich warten und dennoch ist mir zurzeit mehr danach, zum wiederholten Mal Teen Wolf zuschauen. Ich kenne die Serie, die Figuren und alle Wendungen. Ich weiß, wer in der dritten Staffel die ritual Morde verübt. Überraschungen bleiben somit aus. Was der ein oder andere vielleicht als langweilig empfindet, begrüße ich aktuell. Sie entspannt mich, und ich liebe Dylan O’brien als Stiles, der mich immer wieder zum Lachen bringt oder mir in der emotionalen „Scott, you’re my brother“ – Szene der dritten Staffel Tränen in die Augen treibt. Ich fühle mit ihm und Scott mit. Ihre innige Freundschaft ist ein weiterer Grund für meinen Rewatch und allgemein die zwischenmenschlichen Beziehungen des Casts.

Teen Wolf ist aktuell meine Wohlfühl-Serie. Und das Phänomen ist bei mir nicht neu: Als Kind war es Schloss Einstein. Immer wieder sah ich mir die Wiederholungen an und freute mich auf ein Widersehen mit den Figuren. Später waren es Gossip Girl und Türkisch für Anfänger, die ich irgendwann mitsprechen konnte. Daneben ist der Anteil meiner Wiederholungstäter bei Filmen noch deutlich länger, zu denen ich immer wieder greife, obwohl auf meiner Netflix-Watchlist viele schon lange auf mich warten. Warum ist das so? Warum schauen wir Serien und Filme mehrmals? Darum wird es heute gehen.

Die Figuren

Insbesondere bei Serien oder Franchises verfolgt man Figuren über einen längeren Zeitraum, man fiebert mit ihnen mit, lernt sie lieben und hassen und ihre Beweggründe verstehen. Zeitweise werden sie zu „guten Freunden“. Bei Harry Potter bin ich wie das Trio von Buch zu Buch bzw. von Film zu Film älter geworden, habe mit ihnen sämtliche Hürden vom Erwachsenwerden durch gemacht.

Weint ihr bei Tod von geliebten Charakteren? Bei mir ist es schon öfter der Fall gewesen. Aber es ist doch fiktiv – kann man einwenden. Und dennoch, man schließt die Figuren in sein Herz und wünscht ihnen das Beste. Man baut zu ihnen eine Beziehung auf und hat das Gefühl, sie zu kennen. Dieses Phänomen wurde wissenschaftlich auch untersucht. Parasoziale Beziehungen lautet das Stichwort. Darüber erfahrt ihr mehr in Nicoles Beitrag, die sich durch ihr Studium näher mit dem Thema befasst hat. Ein sehr spannendes Thema und ich denke, dass die meisten dieses Phänomen schon erlebt haben. Ich werde euch den Beitrag zum Schluss verlinken, dann könnt ihr nachlesen, was es mit parasoziale Beziehung auf sich hat und welche Funktionen es erfüllt.

Bei mir liegt es gerade an Stiles, warum ich einen Rewatch von Teen Wolf mache. Ohne seinen Sarkasmus würde mir etwas fehlen. Und wie ich in der Einleitung geschrieben habe, ist ein weiterer Grund die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen den Charakteren, wie Scott und Melissa oder Stiles und sein Vater miteinander interagieren, ist herzerwärmend. Auf der anderen Seite machen auch Intrigen Spaß mit anzusehen oder weil Schauspieler eine besondere Dynamik haben.

Die Geschichte

Ein ganz offensichtlicher Grund: Wenn wir eine Geschichte nicht mögen würden, würden wir sie uns kein weiteres Mal ansehen. Mit irgendwelchen Aspekten hat sie uns gepackt, die ganz individuell nach eigenen Vorlieben und Präferenzen aussehen können. Gefühle werden erweckt, und da man Figuren und die Welt schon kennt, ist es oft ein Gefühl von „nach Hause zu kommen“ und mit diesem Punkt gehen viele weitere Aspekte einher.

Erholung

Die Erholung ist ein Aspekt, der mit „Nach Hause kommen“ zusammen geht. Wenn ich krank oder müde bin, greife ich nach Filmen oder Serien, die mir ein gutes Gefühl verleihen. In dem Zustand bin ich nicht aufnahmefähig für eine neue Handlung und neuen Figuren. Es macht nichts, wenn mir für ein paar Momente die Augen zufallen. Hier ist wieder Harry Potter einer meiner Kandidaten, wenn ich mit Grippe im Bett liege, es muss nur das Hedwig Theme starten und ich fühle mich schon ein kleines Stück besser.

Serien oder Filme können einen Rückzug bieten und bei Stress helfen. Vor Kurzem fühlte ich mich durch die Uni niedergeschlagen, eine Folge Teen Wolf und meine Stimmung stieg wieder. Mit Bekanntem fühlt man sich einfach wohl. Es ensteht so eine vertraute und entspannte Stimmung, da auch keine großen Überraschungen auf einen zu kommen. Man ist abgesichert. Zeitweise ist es auch einfach anstrengend, immer wieder neue Leute kennenzulernen – auch im fiktiven Kontext. Man greift somit nach Werken, bei denen man sicher ist, dass sie einen gut unterhalten werden.

Unterhaltungszweck

Bei neuen Filmen und Serien kann man nie sicher sein, ob es einem gefallen wird oder nicht. Bei bekannten Werken fällt die Sorge weg (wobei es auch sein kann, dass man sie beim zweiten Mal schauen schlechter findet). Man möchte einfach Spaß haben und deswegen habe ich schon oft nach Midnight in Paris, Nice Guys oder Kingsman – The Secret Service gegriffen. Die Filme sind witzig, machen Laune, egal bei welcher Wiederholung. Mad Max The Fury Road ist auch einer der Kandidaten, den ich wähle, wenn ich mich abends nicht konzentrieren kann und mir nach hervorragender Action ist. Manchmal bin ich auch in der Stimmung für melancholische Filme. Bei Wenn Träume fliegen lernen sitze ich jedes Mal mit Taschentüchern da. Zeitweise brauche ich auch einfach Unterhaltung beim Essen, da leisten mir häufig Rick und Morty Gesellschaft.

Gerade Filme schaue ich mir öfter an, wenn sie mich begeistert haben und ich sie grandios fand, wie zum Beispiel Sicario, der auch unangenehme Szenen enthält. Hier liegt es an der packenden Inszenierung von Denis Villeneuve und der Musik von Jóhann Jóhannsson (The Beast!) und dem Schauspiel aller Beteiligten. Neben der Geschichte ist die Optik ein Grund, fantastische Bilder, in denen man sich verliert, wie es beispielsweise bei Blade Runner und Blade Runner 2049. Im Serienbereich schaue ich mir immer wieder True Detective an, die einen von der Stimmung auch gerne mal runterzieht. Sie begeistert mich jedes Mal aufs Neue, die Atmosphäre zieht mich in ihren Bann und Matthew McConaughey und Woody Harrelson liefern ein fantastisches Schauspiel.

Urheberrecht: HBO UK

Neuer Blick

Bei der ersten Sichtung entgeht einem oft viel. Man kennt den Ausgang nicht und daher fallen einem viele Elemente nicht auf. Ich liebe es, beim mehrmaligen Schauen immer wieder etwas Neues zu entdecken. Bei Fight Club zum Beispiel: Es gibt so viele Anspielungen auf die Wendung, die mir vorher alle nicht aufgefallen sind. Und es macht Spaß diese jetzt zu bemerken und die Handlung im großen Ganzen zu sehen. Man nimmt kleine Gesten war, die auf ein Element später im Film hinweisen oder es gibt kleine Elemente, die erst durch das Kennen des Zusammenhangs Sinn ergeben. Manchmal versteht man auch erst alles bei einer zweiten Sichtung. Das war bei mir bei Memento der Fall, wo ich beim ersten Mal Schauen nicht durch die Handlung geblickt habe, weil sie rückwärts erzählt wird.

Ein neues Erlebnis können oft auch die Lieblingsfilme als Kind sein, auf die man jetzt mit mehr Lebenserfahrung blickt. Beispielsweise fällt die Psycho-Anspielung in Findet Nemo erst als Erwachsene auf. Hin und wieder kann es auch vorkommen, dass Filme bei einer Zweitsichtung besser oder schlechter werden. Vielleicht, weil man vorher nicht in der Stimmung war oder aber der schöne Abend mit Freunden ihn aufgewertet hat.

Nostalgie & Rituale

Ein weiterer Grund, Filme und Serien mehrmals zu sehen ist aus Nostalgie, weil wir gewisse Werke als Kind geliebt haben und sie daher immer wieder sehen können, darunter zählen bei mir Pixar-Filme, Harry Potter oder auch der erste Teil von Narnia, den ich mit meinen Eltern im Kino gesehen hatte und durch den ich zu Herr der Ringe gekommen bin. Zu Star Wars bin ich durch eine Freundin gekommen, mit der ich die Filme verbinde. Ich verknüpfe Filme oft mit Menschen, Gefühlen und Erinnerungen, die beim Schauen wieder hochkommen. So entstehen oft Guilty Pleasure. Beispielsweise der vierte Harry Potter Film war der erste Teil, den ich im Kino gesehen hatte mit meiner Parten Tante, weswegen ich ihn besser finde als die meisten.
Rituale tragen zum wiederholten Sichten bei, siehe Weihnachten. Wer hat da nicht Filme, die für ihn zu Weihnachten dazu gehören. Bei mir geht es nicht ohne Pippi und Michel, 3 Haselnüsse für Aschenprödel oder neu dazugekommen sind Zwei Weihnachtsmänner und Ist das Leben nicht schön?

Ein weiterer kleiner Aspekt zum Schluss: Die Reaktion von Freunde/ Familie auf Filme, die man sehr schätzt. Ich finde es immer wieder spannend, wie ihnen der Film gefällt. Bei Fight Club ist es das Beste, bei der Wendung den Gesichtsausdruck der anderen Person zu beobachten.

Hier kommt ihr zu Nicoles Beitrag zu parasozialen Beziehung, der sehr interessant geworden und unbedingt ein Blick wert ist.
Hier kommt ich ihr zu einem Beitrag von mir, indem das Erneute lesen von Büchern im Vordergrund stand.

Was sind eure Gründe, warum ihr Filme/ Serien wiederholt seht?

 

 

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