Darstellung von Frauen im Film | Was soll das ?!

Filme stehen nicht im luftleeren Raum, sondern sind ein Produkt der Gesellschaft. Ihre Ansichten lagern sich in Produktionen wieder – zeitweise mehr, zeitweise weniger offensichtlich. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass man in alten Klassikern oft auf weniger Frauenfiguren antrifft und ihre Darstellung in der überwiegenden Anzahl der Fälle in Klischees mündet. Ich hatte kürzlich eine Blogger Freundin von mir, Nicole von Smalltownadventures, dazu bewegt, sich endlich einmal Sieben von David Fincher anzuschauen. Ihre erste Reaktion war eine Bemerkung zu der Frauenfigur. Hatte ich da was vergessen? Ja, denn die einzige Frauenfigur dient alleine dazu, Brad Pitts Figur zu einer Handlung zu bewegen. Wenn man dies außen vor lässt, ist es ein spannender und gut inszenierter Thriller. Dennoch bleibt der Wehrmutstropfen vorhanden. Und Sieben steht damit nicht alleine.

In Hinblick auf die Frauenfiguren sind einige Produktiven vergangener Jahre nicht gut gealtert. Beispielshaft sei da die durch den Dschungel schreiende Kate Capshaw in Indiana Jones zu nennen. Während ich darüber nur den Kopf schütteln kann, bin ich der Ansicht, dass man die Filme nicht losgelöst aus ihrer Zeit betrachten kann. Mein Aufregen ist größer, wenn in neuen Werken klischeehafte und negative Frauendarstellungen vorliegen. Nur wie sieht es mittlerweile aus, hat sich das Bild gewandelt, haben wir mehr starke Heldinnen, Frauen, die sich unterstützen, die nicht von einem Mann gerettet werden müssen?

Anmerkung: Dieser Beitrag wird sich auf die Inszenierung von Frauen fokussieren. Jedoch soll vorab gesagt sein, dass queere, schwarze, PoC und behinderte Menschen in Filmen unterbesetzt sind und ihre Darstellung leider immer noch Stereotype aufweisen.

Mehr Frauenfiguren, dennoch Stereotype und wenig Diversität

Es ist zwar eine Veränderung zu beobachten, die sich aber äußerst schleppend vollzieht. Die Studio der Sand Diego University aus dem Jahr 2020, bei der die 100 erfolgreichsten US-Filme des letzten Jahres untersucht wurden, ergab, dass weibliche Hauptrollen zunehmen: In 40 Prozent der erfolgreichsten Kinofilme gab es eine weibliche Hauptrolle. Allerdings: Es existieren weiterhin einige Stereotype und in Sachen Diversität sieht es schlecht aus. So waren laut der Studie 68 Prozent der Schauspielerinnen weiß.

Und während ich mich darüber freue, jährlich immer mehr Filme zu finden, in denen Frauen Regie führen, fällt der Anteil weiterhin deutlich geringer aus. Insbesondere in großen Blockbustern ist selten eine Regisseurin anzutreffen. Doch das ist ein anderes Thema, zudem ich schon einmal einen Blog-Beitrag geschrieben- und Filmen von Regisseurinnen vorgestellt habe (zu dem kommt ihr hier). Zurück zur Darstellung von Frauen in Filmen: Zur Bewertung der Inszenierung von weiblichen Figuren und des Vorhandenseins von Stereotypen, gibt aus den 80er Jahren den Bechdel Test von Alison Bechdel vor, der drei Fragen stellt:

  1. Sind im Film mindestens zwei weibliche Charaktere enthalten? (Wobei dieser Punkt nachträglich um die namentliche Erwähnung erweitert wurde)
  2. Sprechen diese miteinander? (Und nicht nur mit den männlichen Rollen)
  3. Sprechen die weiblichen Charaktere über etwas anderes als Männer?

Hierbei fallen die großen Franchisen wie die Original Star Wars Trilogie oder Herr der Ringe durch. Star Wars hat lediglich drei weibliche Frauenfiguren mit einem Namen und einem Sprecheranteil (Princess Leia, Aunt Beru und Mon Mothma), die in keinem der Filme mit einander ein Wort wechseln. Das Gleiche gilt bei Herr der Ringe für Arwen, Eowyn, und Galadriel. Weitere Produktionen, die Filmschoolrejects auflisten, sind: The Social Network, Harry Potter und die Heiligtürmer des Todes Teil 2, Avatar und Lola Rennt. Und wenn ich mir bei Letterbox anschaue, welche Filme ich mir so angeschaut habe, könnte ich die Liste um einige weitere ergänzen.

Filme mit Frauenfreundschaften muss man suchen

An dieser Stelle könnte die Kritik kommen, dass es Filme über Männerfreundschaften oder Sportarten gibt, in denen Frauen keine große Rolle spielen. Kann man da dann kritisieren, dass dort keine vorkommen? Ich persönlich habe damit keine Probleme und hatte dennoch z. B.  mit Moneyball – die Kunst zu Gewinnen und Ford vs. Ferrari großen Spaß. Moneyball dreht sich um Football und bei Ford vs. Ferrari steht die Freundschaft von Ken Miles (Christian Bale) und Carroll Shelby (Matt Damon) im Vordergrund. Mir ist es da lieber, wenn auf Frauenfiguren verzichtet wird, statt, dass es wie bei True Detective ist, und die einzige Frauenfigur Maggie Hart verhunzt wird (gut hier nach zu lesen). Dennoch, und das ist mein großer Kritikpunkt an dieser Stelle, überwiegen Filme mit einem rein männlichen Cast. Hingegen muss man nach Filmen, die eine Geschichte über Frauen erzählen oder in den es um eine Frauenfreundschaft geht, länger suchen muss.

Schlechte Frauenfiguren in Filmen aus den letzten Jahren

Gut aussehen und Lächeln – das war die Aufgabe von der talentierten Schauspielerin Margot Robbie in Once upon a time in Hollywood. Ihr Redeanteil ist fast nicht existent, dafür wurde Quentin Tarantino stark kritisiert. Bei der Betrachtung seiner Filmbiografie fällt auf, dass Frauen es schwer bei ihm haben. Wie eine Studie zeigt, gibt es nur wenige Frauenfiguren, sie kommen seltener zu Wort und Gewalt wird gegen ihnen ausgeübt.

„[I]n den zehn Tarantino-Filmen [sind[ insgesamt nur 36 Prozent der Rollen weiblich. Ihr Sprechanteil beträgt aber noch geringere 28 Prozent. Besonders deutlich wird das am Beispiel „Django Unchained“: 30,5 Prozent der Rollen sind weiblich, ihr Sprechanteil beträgt allerdings lediglich 7,6 Prozent“ (Nier 2019).

Gentlemen

Bei drei Produktionen aus dem Jahr 2020 sind mir insbesondere die schlechte Darstellung von Frauenfiguren aufgefallen. Zum einem wäre da Gentleman von Guy Ritchie. Es reicht nicht nur, dass Michelle Dockerys Figur blass daher kommt, nein, es muss auch zu sexueller Nötigung und fast zu einer Vergewaltigung kommen, die in letzter Minute von ihrem Ehemann in strahlender Rüstung verhindert wird, der anschließend Rache übt.

Tenet

Der neuste Christopher Nolan Film Tenet hat mich in einigen Punkten nicht begeistert, einer davon war der schlecht geschriebene Plot, die eindimensionalen Figuren. Hier vor allem Elizabeth Debicki Figur, die Frau des Bösewichts, von dem sie misshandelt wird. Ihre Aufgabe war, dass über sie der Protagonist an den Antagonist kommt. Diese Darstellung erwartet man vielleicht von einem alten James Bond Film aber gewiss nicht von einem Film aus dem Jahr 2020.

Der Fall Richard Jewell

Während es bei diesen Beispielen um fiktive Darstellung geht, ist es noch etwas ganz anderes, wenn reale Menschen in ein schlechtes Licht gestellt werden. Bei lebenden und gelebten Personen geht eine Verantwortung einher, der Clint Eastwood in seinem Film Der Fall Richard Jewell nicht nachkommt. Er erzählt die Geschichte von dem Wachmann Richard Jewell, der 1996 bei den Olympischen Spielen in Altanta auf eine Bombe aufmerksam gemacht- und bei der Evakuierung geholfen hat.

Erst wird er als Held gefeiert, dann wird er vom FBI als Täter gehandelt. Diese Information gelangt an die Presse und wie kann eine Journalistin an die Informationen kommen? Natürlich an Sex. Damit diskreditiert er die Journalistin Kathy Scruggs. Er stellt sie als unprofessionell da, als skrupellos und das sie lediglich erfolgreich durch ihre weibliche Reize ist. Damit bedient er das Stereotyp der für Informationen schlafenden Journalistin. Der ansonsten sich sehr an Fakten haltende Film, zeichnetet hier ein falsches Bild, der 2001 im Alter von 42 zu früh verstorbenen Journalistin, die sich nicht mehr gegen den Film währen kann.

Mehr Frauenfiguren durch Remakes?

In Hollywood existiert ein neuer Trend: erfolgreiche Filmreihen mit Frauen neu zu drehen. 2016 gab es die Neuverfilmung mit drei Frauen in Ghostbusters und 2018 Ocean’s 8 mit einem rein weiblichen Cast. Mein erster Gedanke dabei ist: Geld. „Wie bekommen wir viele Leute ins Kino? Lass mal bekannte Filme mit Frauen neu drehen.“ Ob die Produktion doch feministischer sind, als ich ihnen unterstelle, weiß ich nicht, da ich sie noch nicht gesehen habe (falls ihr sie kennt, teilt mir eure Einschätzung gerne in einem Kommentar mit).

Der Grund dafür ist, dass sie mich nicht interessieren. Für mich ist es kreativer Müll. Warum erzählt man keine Origin Story, warum kein Thriller mit einem weiblichen Ermittlerteam, warum widmet man sich geschichtlich nicht faszinierenden Frauen? Es gibt so viele Möglichkeiten und da braucht es für mich keine Remakes. Aus diesem Grund werde ich euch im nächsten Beitrag Filme und Serien aus den letzten Jahren mit guter Repräsentation vorstellen.

In welchen Filmen aus den letzten Jahren sind euch die Darstellung der Frauenfiguren negativ aufgestoßen?

 

 

2 Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Beitrag! Ich habe dazu auch mal eine Hausarbeit geschrieben und war bei der Recherche wirklich erschrocken, wie unausgewogen die Darstellung in Filmen immer noch ist. Ich habe auch gerade zum ersten mal Star Wars geschaut und da ist es mir sofort auch negativ aufgefallen 🙁
    Liebe Grüße
    Sarah

  2. Ich muss ja gestehen, dass deine Meinung zu „Tenet“ der Grund ist, wieso ich mir den jetzt nicht mal für 1,99 bei Prime geliehen habe :D. Meine Beste Freundin meinte auch, dass sie den echt nicht gut fand, da warte ich jetzt doch lieber, bis der ins Abo kommt oder bei den 99 Cent Deals dabei ist. Glabue nämlich, dass mich die Sachen, die du kritisiert auch sehr stören würden. Bei „Der Fall Richard Jewell“ haben wir dahingehend ja auch die gleiche Meinung. Ich finde das bei dem Film wie gesagt auch nochmal schwerwiegender, weil es um eine echte Person geht, deren Ruf so runiert wird. Natürlich sollte jedem bewusst sein, dass ein Film nie alle Fakten abbildet, aber Studien belegen, dass sie unsere Wahrnehmung beeinflussen und gerade wenn man sich mit historischeren Persönlichkeiten beschäftigt merkt man, wie viele Menschen da Darstellungen aus Filmen/Serien als Fakten verinnerlicht haben und diese munter reproduzieren. Hatte ich dich ja schon öfter in Sprachnachrichten mit genervt, aber Margaret Beaufort, Anne Boleyn oder Kathryn Howard sind da aus der Tudor-Zeit perfekte Beispiele, wo Filme, Bücher und Serien echt falsche Fakten verbreitet haben, die viele als Tatsachen abstempeln. Da schüttelt es mich immer, wenn ich sowas dann lese.

    Das mit den Reboots finde ich auch einen fragwürdigen Trend, wobei ich es da wiederrum auch lächerlich finde, wenn enige dann schon vor Kinostart zu einem Boykott aufrufen, weil es eben ein rein weiblicher Cast ist. Wirklich traurig, dass sowas 2021 noch passiert. Also „Ocean’s 8“ ist tatsächlich nicht wirklich feminisisch, ist halt eher ein Standard Heist-Film. Im Mittelfeld. Manche der Kritik finde ich da tatsächlich leicht übertrieben. Er ist wie gesagt kein Oscar-Meisterwerk, aber auch kein Totalausfall, klasssicher Fall von: kann man schauen, hat man aber auch nichts verpasst, wenn man ihn auslässt. Ich würde mir halt auch wünschen, dass man Origin Stories angeht, sich was eigenes überlegt oder sich historischen Persönlichkeiten zuwendet. Gerade bei „Fluch der Karibik“ verstehe ich jetzt den Gendertausch nicht, weil es gibt viele Piratinnen, die sich für einen Film angeboten hätten. Ich hätte tatsächlich Grace O’Malley interessant gefunden oder Anne Bonny und hier gibt es auch noch viele weitere interessante Beispiele.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Nadine,
    Oh ja genau das gleiche ist auch meine Meinung zu Radcliffe. Er meinte ja auch mal in einem Interview, dass er halt dank Harry Potter auch den Luxus hat das spielen zu können, was ihn interessiert und nicht darauf achten zu müssen, wie hoch die Gage ist. Das merkt man seiner Rollenauswahl definitiv auch an, weil er da doch viel ausprobiert und auch einige abgedrehte Sachen in der Filmbiografie hat.

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