Ein Fest der Fantasy: Die unendliche Geschichte | Rezension

Kennt ihr Bücher, bei denen ihr schon nach wenigen Seiten wusstest, dass ihr sie lieben werdet? So erging es mir mit Der unendlichen Geschichte. Schon in dem Moment, als der kleine, eher dickere Junge namens Bastian, der von seinen Mitschülern geärgert wird, in einem Laden das Buch mit dem Titel „Die unendliche Geschichte“ entdeckt, zu dem es ihn magisch anzieht und das er schließlich mit nimmt, um es auf dem Dachboden seiner Schule zu lesen, wusste ich: Es ist das richtige Buch für mich! Deswegen bin ich mir nicht sicher, ob ich den Beitrag wirklich als eine Rezension bezeichnen kann, vielmehr folgen lauter Gründe, warum das Buch für jede*r Liebhaber*in von Geschichten und Fantasy das perfekte Werk darstellt.

„Kurz um, es gibt so viele verschiedene Leidenschaften, wie es verschiedene Menschen gibt.
Für Bastian Balthasar Bux waren es die Bücher.“

Handlung: Die kindliche Kaiserin ist krank. Ein großes Nichts breitet sich in Phantásien aus. Das Land braucht Bastian. Er muss seine Welt verlassen, um eine andere und damit auch seine zu retten.

Punkt 1: Die Gestaltung

Schon die Gestaltung ist einzigartig. Der Teil, der in der realen Welt spielt, in der Bastian Die unendliche Geschichte findet, steht in roter Farbe. Also alles, was er während des Lesens macht oder denkt. Die Handlung im fantastischen Phantasien ist blau gedruckt. Weiter beginnt jedes Kapitel mit einer Zeichnung und einem großen, verschnörkelten Buchstaben des ersten Wortes. Dabei geht Michael Ende nach dem Alphabet vor. Das erste Kapitel beginnt somit mit dem A, das letzte mit dem Z. Das muss einer ihm erstmal nach machen.

Punkt 2: Das Buch im Buch

Die unendliche Geschichte gibt es zweimal, einmal das Exemplar, in dem wir lesen und einmal das, in dem Bastian liest. Während er sich immer tiefer in das Buch verstrickt und zwischen den Seiten verschwindet, tauchen auch wir selbst immer tiefer in die erschaffene Welt von Michael Ende hinab. In Phatasíen wird Bastian zu einer Figur der Geschichte, die von einem allwissenden Erzähler immer weiter geschrieben wird – sie kennt kein Ende. Die Geschichte wird lebendig und immer mehr verschwimmen Realität und Fantasy ineinander. Zeitweise möchte man Bastian selbst anbrüllen und seinen Lesesessel für einen Augenblick verlassen. Zum Schluss müssen wir wie Bastian lernen, dass irgendwann wieder die Realität nach uns ruft.

Punkt 3: Charakterentwicklung

Ich finde es etwas schade, dass ich das Buch nicht als Kind gelesen habe. Bastian wäre meine Identifikationsfigur gewesen, ein Kind, dass in der Schule geärgert wird und seinen Halt in Geschichten sucht und sich danach sehnt, beliebter, hübscher, talentierter, mutiger sowie größer zu sein. Ein Spiegelbild stellt für ihn Atréju dar, von dessen Abenteuer er liest. Als er nach Phantasien gelangt, wird er so, wie er gerne wäre. Über den Handlungsverlauf muss er wieder zu sich selbst finden und lernen, sich so zu akzeptieren wie er ist.

Punkt 4: Ideen sind grenzenlos

Verbindungen zur aktuellen politischen Lage, Bezüge zur Vergangenheit oder eine abgewandelte englische Geschichte wie in Das Lied von Eis und Feuer sucht man im Land Phantásien vergeblich. Hier lebt nicht ein magischer Realismus, sondern die grenzenlose Fantasie. Als Bastian das Land betritt, hat er die Möglichkeit, es nach seinem Wünschen frei zu gestalten. Er kann Wüsten und große Urwälder erschaffen, die sich abwechseln. Aus dem großen, voller Leben sprühenden Urwald wird nachts eine totbringende Wüste. Das was sich Bastian wünscht, passiert. Seine Geschichte, die zuhause belächelt wurden, werden wahr. Darüber hinaus bevölkern die wundersamsten Wesen Phantásien: von Glücksdrachen über Steinbeißer bis hin zu  Werwölfen sind alle möglichen vorhanden, bei dem einem das Fantasy Herz aufgeht.

Punkt 5: Geschichten sind grenzenlos

„Und das ist eine andere Geschichte, die zu einem späteren Zeitpunkt erzählt wird“

Immer und immer wieder wird dieser Satz im Buch verwendet, so dass ich teilweise schon die Augen verdrehen musste. Dennoch passt er wunderbar in die Geschichte und beschreibt sie perfekt. Aus jeder Idee, aus jedem Handlungsstrang, aus jeder noch so kleinen Nebenfigur entspringt eine weitere Geschichte und aus dieser viele weitere. Und ist das nicht gerade das faszinierende an Literatur, diese unendlichen Möglichkeiten? Möchte mir jemand die angerissen Geschichte aus Die unendliche Geschichte aufschreiben? Ich bin sehr neugierig, was dort genau passiert.

Habt ihr Die unendliche Geschichte gelesen und wie gefiel euch das Buch?
Was sind eure liebsten Kinderbücher?

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