Meine Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse

Erst wollte ich euch von meinem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse in meinem Monatsrückblick erzählen, schließlich ich war nur einen Tag dort, da kann es doch nicht viel zu berichten geben? Falsch gedacht. Schon der eine Tag war voller Eindrücke und schönen Erlebnissen.

Wie im Jahr davor ging es am Sonntag auf die Buchmesse – zum Glück. Denn wie ich auf Social Media mitbekommen habe, hatte man so viel Platz in Halle 3 wie Hühner bei der Bodenhaltung. Gut besucht war es dennoch, allerdings nicht in dem Ausmaß wie am Tag zuvor. Daher war es auch möglich, zu stöbern, wobei ich sagen muss, dass meistens die gleichen Bücher wie in den Läden ausgestellt werden, weswegen ich mich lieber bei kleinen Verlagen und Selfpublishern aufhalte, um auf mir bisher unbekannte Titel zu stoßen, von denen ich in ein Foto knipse.

Beim Durchschauen des Programms ist mir aufgefallen, wie wenig Aktuelles ich lese. Von Jojo Moyes kenne ich nur „Ein ganzes halbes Jahr“ und nach einem Werk von Sebastian Fitzek, Bianca Iosivoni und Laura Kneidl habe ich bisher nicht gegriffen, obwohl ich zu allen schon viel Positives gehört habe. Bei der Fülle an Büchern ist es schwer, auf dem neusten Stand zu sein, außer man inhaliert sie.

 

 

Autorenveranstaltungen auf der Messe

Wie oben berichtet, gab es keine Person, zu der ich unbedingt musste, weswegen ich meine beste Freundin dazu überredet habe, dieses Mal Autorenveranstaltungen zu besuchen, in denen sich übers Schreiben und alles, was dazu gehört unterhalten wird. Da wir am anderen Ende des Messegeländes aus dem Bus herausgelassen wurden, waren wir zu „Von der Idee zum Roman. Magie allein reicht nicht – erfolgreich Fantasy schreiben und vermarkten“ ein bisschen zu spät und mussten uns zu den zahlreichen Menschen, die außenherum standen, gesellen. Mira Valentin und Sam Feuerbach gaben Tipps, z.B. zu der Gestaltung von Welten und Protagonisten. Dort habe ich Yvonne vom Blog Seitenglück und ihre Schwester Nadine vom Blog Bildermagie getroffen. Es war schön, sich einmal in echt zu sehen und kurz zu quatschen.

Spannend fand ich das von Valentin angesprochene „Role Bracking“. Jeder von ihnen hat zwei Sätze vorgestellt, die ihnen jede*r Lektor*in im Verlag gestrichen hätte. Sie haben quasi dazu appelliert, sich nicht nach Schreibratgebern zu halten, weil dann jeder gleich schreiben würde. Stattdessen sollte man lieber seinen eigenen Stil finden und das „Role Bracking“ mit der richtigen Menge einsetzen, appellierten die AutorInnen. Einer Anfängerin – wie mir –  hat das gefreut zu hören, weil ich gerade dabei bin, meinen Schreibstil zu verbessern und mir das gezeigt hat, dass man nicht jede Anmerkung übernehmen muss und dass es Sätze gibt, die man selbst so und nicht anders haben möchte. Vom Selfpublishing habe beide aufgrund der Freiheit, die sie dadurch haben, geschwärmt. Nur die günstige Variante unter 1000 Euro? Das Geld muss man erst einmal eintreiben und wie groß ist Wahrscheinlichkeit, die Investition wieder herauszubekommen? Aber bis dahin es ist bei mir eh noch ein langer Weg.

Genre schreiben: Fantasy

Die drei Selfpublisherinnen Katrina Lähn (Ruby: Gabe des Glücks), Phillippa Penn (Invalidum – Gefährliche Perfektion) und Mira Valentin (Die Lichtsplitter-Saga, Enyador-Saga) wurden von Moderator Thorsten Simon, Pressechef der Self-Publishing-Plattform BoD – Books on Demand unter anderem zu ihrem Vorgehen bei der Gestaltung ihrer Welten und ihrer Recherchearbeit, ihrer Schreibroutine und was für sie ein gelungenes Cover ausmacht, befragt. Das Ergebnis war ein interessantes Gespräch und die halbe Stunde ging viel zu schnell um. Unabhängig voneinander haben meine beste Freundin und ich Phillippa Penns Debütroman notiert, eine (Jugend-)Dystopie, in einer scheinbar perfekten Welt, in der die Gene jedes Babys verändert werden. Ich habe eine Schwäche für Dystopien und die Grundidee klingt ansprechend und aktuell.

Teilweise musste ich grinsen, wenn gemeint wurde, dass sie nicht wüssten, woher ihre Ideen kommen und dass die Figuren machen, was sie wollen – ich glaube, jede Person, die selbst Geschichten verfasst, kennt das nur zu gut. Beim Schreiben lässt Mira Valentin keine Blockaden zu und wartet nicht auf ihr Verschwinden. Ein Ansatz, denn ich im November ausprobieren sollte. Ich habe durch das Interview Lust auf Fantasy bekommen, vielleicht kommt irgendwann eine passende Idee und vielleicht möchte jemand von euch mit mir zusammen schreiben? „Die Lichtsplitter Saga“ hat Valentin mit Autor Erik Kellen geschrieben, ohne dass sie sich bisher je persönlich begegnet sind.

Lesung von Bernhard Hennen zu „Der träumende Krieger: Die Chroniken von Azuhr 3“

Eine Lesung wollten wir auf der Buchmesse mitnehmen. Zwar haben wir bisher keinen Teil der Reihe gelesen, jedoch sind wir schon häufiger an dem ersten Band mit seinen blauen Seiten vorbei gegangen und haben überlegt, ihn uns zu kaufen. Im Nachhinein stellte es sich als unbedeutend heraus, die Bücher zu kennen. Hennen war in Plauderlaune und erzählte von einem Fehler, der ihm passiert sei. Bei „Der träumende Krieger“ wollte er den Bogen zum ersten Band ziehen und hat deswegen die Stimmung aus dem Prolog im Neuen aufgegriffen. Eine super Idee fand er, bis ihm auffiel, wie selten es vorkommt, dass jemand den Prolog des ersten Buchs liest und 24 Stunden später den vom Dritten. Daher nutze er Veranstaltungen wie die auf der Messe, um beide nacheinander vorzulesen, damit uns Besucher*innen wenigstens sein Geniestreich auffällt. Die restliche Zeit plauderte er über eine Fantasy-Krimi-Idee, in denen Nekromantie möglich ist und die Toten noch Rechnungen offen haben. Gleichzeitig witzig und faszinierend fand ich die Tatsache, dass er die Erschaffung einer Welt beim Wort nimmt und mit einem Freund, der Geologe ist, Plattenkonstruktionen und selbst Wetterkarten erstellt.

Autogramm und Bücherkauf

 

buchmesse 17

Beim Stöbern sind wir auf eine Autorgrammstunde gestoßen, bei der kaum Menschen waren Eine der Autorinnen war Lin Rina. An ihr Werk „Staubchronik“ hatte ich schon öfter überlegt, da der Klappentext Stichworte erhält, die mich sofort anspringen: London, 18. Jahrhundert und Bücher. Und da wir die Möglichkeit hatten, es signieren zu lassen, haben wir uns beide eins geholt und ich freue es mich schon sehr darauf es anzufangen. Ausnahmsweise werde ich ein Buch mit Samthandschuhen anfassen. Direkt in der Nähe davon war der Stand von Thalia mit Büchern von Selfpublishern. Hier wurden die Ausstellungsstücke verschenkt. Meine beste Freundin hatte sich für das bereits oben erwähnte „Invalidum – Gefährliche Perfektion“ entschieden, während meine Wahl auf „Das Buch deines Lebens“ von der Autorin Jule Pieper fiel, von dem ich bisher noch nichts gehört habe,  jedoch klangen die ersten Seiten unterhaltsam:

„Ich husche direkt ins Bad, um mir den Anblick der Küche zu ersparen, doch auch hier: Chaos. Auf dem Boden und im Waschbecken liegen mehr Make-up Krümel und blonde, lange Haare denn je. Ich hasse Schminke… Katjas Parfum hängt noch immer in der Luft und sorgt dafür, dass ich kaum atmen kann. Ich beginne den Tag mit Husten und Halsschmerzen. Danke, geliebte Mitbewohnerin.“ (S. 9).

Fazit

Lohnt sich der Besuch einer Buchmesse? Auf jeden Fall. Und das sag ich trotz Müdigkeit und Kopfschmerzen auf einer Rückfahrt, die sich durch die Masse an Verkehr und dem wunderbar verregneten Wetter gezogen hat. Es war eine anstrengende und gleichzeitig schöne Erfahrung, bei der ich viel mitgenommen habe. Vielleicht werde ich mich nächstes Jahr akkreditieren lassen, damit ich auch an den Pressetagen auf die Messe kann, nur ob das so eine gute Idee ist, wenn ich nach einem Tag schon erledigt bin?

Wart ihr auf der Buchmesse und wie hat es euch gefallen? Was waren eure Highlights?
Habt ihr die Bücher der AutorInnen Vorort gelesen oder ging es euch da wie mir?

10 Kommentare

  1. Liebe Nadine,
    danke für deinen tollen Messebericht, den fand ich richtig gut strukturiert und ich konnte gut nachvollziehen, was dir an der Messe so gefallen hat. Ich wünsche deiner besten Freundin hoffentlich viel Spaß beim Lesen von Invalidum und dir bei der Staubchronik, das Buch steht nämlich auch noch auf meiner Leseliste.
    Viele Grüße
    Yvonne 🙂

    • Das freut mich 🙂 Ach, bei Staubchronik finde ich es zurzeit so schade, dass kaum zum Lesen komme, weil ich die ersten Kapitel so gut fand, aber zurzeit so im Schreiben stecke haha das sind mal echte Probleme 😀

  2. Es freut mich, dass du so einen tollen Tag hattest, wir haben uns ja auch schon in Whatsapp darüber unterhalten. Ich bin immer noch etwas traurig, dass es bei mir nicht geklappt hat, aber bei uns wäre es dann wsl auf den Samstag hinausgelaufen und nach dem was ich da so online gelesen habe, bin ich irgendwie fast froh, dass wir dieses Jahr dann doch nicht hin sind, da der Andrang ja der Horror gewesen sein muss. Die Vorträge zum Thema schreiben klingen allesamt sehr interessant und ich wusste gar nicht, dass man beim Self Publishing erstmal so in Vorleistung gehen muss, denn 1000 € ist schon ein Wort. Das hat nicht jeder Mal einfach so zur Hand und dann baut sich ja auch eine Menge Druck auf, dass man das wieder reinholt, um keine Miesen zu machen. Ist schon heftig.

    Ich bin schon sehr gespannt auf dein Fazit zu den Staubchroniken und was die Aktualität von Büchern anbelangt geht es mir ja ähnlich wie du. Klar lese ich immer mal was Neues, wie jetzt den neuesten Thriller von Karen M. McManus, aber die Mehrheit der Bücher die ich lese sind dann doch schon etwas älter, finde ich aber auch nicht schlimm. Bücher haben kein Verfallsdatum und deshalb finde ich es schade, wenn auch auf Sozialen Netzwerken oder Blogs nur neue Bücher gehypt werden und Aufmerksamkeit erhalten. Das ist so ein Sinnbild unserer Gesellschaft, wo alles immer neu, toll und dem aktuellen Trend entsprechend sein muss. Dabei haben auch Bücher, die 2-3 Jahre alt sind oder sogar noch älter ebenfalls noch soziale relevanz und spiegeln oft aktuelle Probleme wieder.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar und die Glückwünsche, habe mich sehr gefreut darüber Nadine <3.
    Du wirst das aber auch im SEO Programm nie komplett Grün bekommen, denn das ist bei Blogtexten, die noch lesbar sein sollen unmöglich. Man muss das Keywort ja auch natürlich einbauen, sodass der Text leserlich bleibt.

    Danke für dein Feedback zu meinem Schreibstil, ich glaube man selbst kann das auch schwer einschätzen, wei der nun von anderen aufgenommen wird und persönlich hat man ja immer was zu meckern und denkt sich, dass man das oder jenes besser machen könnte. Da hilft ein Blick von außen immer sehr.

    • Dankeschön für das liebe Kompliment Nadine. Ich glaube aber, dass das normal ist. Ich habe auch so Phasen da schreiben sich Rezensionen von ganz alleine, dann gibt es wiederrum mal Momente, da komme ich nicht voran. Da mache ich den Pc dann einfach zu und setzte mich am nächsten Tag noch mal dran.

      Grotesk ist die Serie jetzt nicht, schon ernst und anspruchsvoll, aber die fröliche Musik bildet da halt einen erschreckenden Kontrast und sorgt dafür, dass noch mehr schockiert. Ich hoffe ja, dass das bei dir mit dem Channel noch klappt und du die Serie dann ganz entspannt anschauen kannst. Sie ist nämlich echt toll.

  3. Liebe Nadine,

    ein schöner Messebericht. Sei froh, dass du nicht am Samstag da warst. 😀 Den Punkt mit dem „Role Bracking“ finde ich sehr interessant. Darüber, dass wir alle gleich schrieben, wenn wir Ratgebern Folge leisten würden, habe ich noch nie nachgedacht. Ein toller Aspekt!

  4. Hallo Nadine,

    da hast du aber wirklich spannende Veranstaltungen besucht! Und danke, dass du die Infos an uns weitergibst – da habe ich heute wieder eine Menge gelernt 🙂
    Animant Crumbs Staubchronik steht übrigens auch noch in meinem Regal. Ich bin schon sehr gespannt!

    Liebe Grüße
    Marie

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