Meine Arbeit bei einer Lokalzeitung

Irgendwann in der Unterstufe hat sich in meinem Kopf die Idee gebildet, Journalistin zu werden. Schnell wurden Gegenstimmen laut: schlechte Bezahlung, maue Jobaussichten, mach lieber etwas Sicheres. Enttäuscht wurde der Gedanke in eine hintere Schublade gepackt, dort blieb er bis zum Abitur, als die Frage nach einem passenden Studiengang aufkam. Mit Germanistik wollte ich mir die Option offen halten und mich nicht direkt auf den Lehrerberuf festlegen. In den Semesterferien 2017 habe ich dann den Entschluss gefasst, ein Praktikum bei einer Lokalzeitung zu machen. Überraschenderweise war es nicht schwierig, einen Praktikumsplatz zu bekommen. Noch überraschter war ich, als mir nach drei Wochen angeboten wurde, als freie Mitarbeiterin anzufangen. Die Option nahm ich gerne an. Im März sind es mittlerweile schon fast zwei Jahre, die ich für die Zeitung schreibe. In dieser Zeit habe ich viel gelernt und bin, so klischeehaft es auch klingen mag, über mich hinaus gewachsen.

 Wie sieht die Arbeit bei einer Lokalzeitung aus?

Damit es mit dem Studium nicht zu stressig wird, arbeite ich meisten an zwei Wochenenden im Monat, die ich mir selbst aussuchen kann. Wenn in einem Monat Klausuren anstehen oder ich im Urlaub bin, kann ich so ausnahmsweise auch nur an einem Wochenende arbeiten gehen. Wahlweise donnerstags oder freitags, selten mittwochs, bekomme ich die E-Mail mit den anstehenden Terminen. Mal ist es nur ein Termin, mal ist mein komplettes Wochenende voll. Die Veranstaltungen decken ein breites Spektrum ab: Musikveranstaltungen wie Jazzkonzerte, Konzert vom örtlichen Musikverein, Spendenaktionen und verschiedene andere Events. Da es sich um eine Lokalzeitung handelt, stehen auch Oktober- und Schützenfeste auf dem Programm. Zudem besuchte ich einen Integrationstag und nahm an einem Kurs über das Räuchern von Forellen teil. Für eine Vegetarierin eine schöne Sache. Ich fahre also zu dem Termin hin, rede mit den Leuten und anschließend schreibe ich einen Artikel dazu. Klingt einfacher als es ist.

Die Sache mit dem Selbstbewusstsein

Als ich das erste Mal alleine zu einer Veranstaltung musste, war ich extrem nervös, habe mich stotternd vorgestellt. Ich hatte die Sorgen den*die Ansprechpartner*in nicht zu finden und keine Fragen stellen zu können. Das Selbstbewusstsein fehlte schlicht. Den Wunsch, Journalistin zu sein, haben, aber schüchtern zu sein? Ein klein bisschen unpassend. Wie man aber so schön sagt: Man wächst mit seinen Aufgaben. Mit der Zeit legte sich die Nervosität und ich ging sicherer an die Termine ran. Das hat etwas gedauert, weil jede Veranstaltung anders ist und man so schwer eine Routine entwickeln kann. Am einfachsten empfand ich Musikveranstaltung. Dort setze ich mich hinten ins Publikum, ließ die Atmosphäre auf mich wirken und nahm eine Beobachterperspektive ein.

Mittlerweile fallen mir auch die anderen Termine einfacher. Ich stelle die Fragen, die mir gerade im Kopf herumgeistern, schreibe mit, was erzählt wird und hake nach, wenn ich etwas nicht verstanden habe – denn wie soll ich über etwas schreiben, dass ich selbst nicht verstehe? Da darf man keine Scheu haben. Zudem müssen es auch die Leser*innen verstehen, denn es ist keine Fachzeitschrift.

Man lernt nie aus

Mein neu erlangtes Selbstbewusstsein habe ich oben beschrieben. Daneben entwickle ich meinen Schreibstil weiter, lerne mich besser auszudrücken und unter Druck zu arbeiten. Nur die Sache mit den Überschriften ist mir immer noch ein Mysterium. Oft stelle ich mir bei Terminen auch die Frage: Wie komme ich nur auf die erwünschten Zeilen? Irgendwie klappt es am Ende immer, man wurstelt sich seine Sätze zusammen und häufiger bin ich über meine Hieroglyphen gestolpert, musste anrufen und nachfragen. Bei manchen Terminen fließen die Sätze nur so von alleine, bei anderen Terminen dauert gefühlt jeder Satz fünf Minuten. Da ich in meiner Heimat unterwegs bin, lerne ich sie besser kennen und bin an Orten, die ich vorher nicht mal namentlich kannte und besuche Veranstaltungen, die ich privat wahrscheinlich nicht aufgesucht hätte. Durch das breite Spektrum erweitere ich meinen eigenen Wissenstand, erfahre etwas über Kunst, Natur und wie man Erkrankungen am Herzen am besten vorbeugt.

Die Sache mit dem Stress

Dies sind Gründe, warum ich auch die „Schattenseiten“ in Kauf nehme. Denn als Nebenjob kann ich das Schreiben für die Zeitung nicht bezeichnen, dafür kommt im Vergleich zur Arbeitsintensität und der Bezahlung nicht viel bei heraus. Es ist daher eher ein Sammeln von Erfahrungen. Ein oft stressiges Sammeln von Erfahrungen, wenn es sich nur schwer mit der Universität vereinbaren lässt. So, wenn ich mehrere Termine an einem Sonntag bekomme, abends aber wieder nach Wuppertal muss, weil ich am Montagsmorgen eine Pflichtveranstaltung um acht Uhr habe. Dann heißt es Nachtschicht. Ich weiß schon gar nicht mehr, wie oft ich meine Texte nachts gegen ein Uhr oder später versendet habe. Nach zwei Terminen, ständig neuen Eindrücken plus einer Autofahrt von eineinhalb bis zwei Stunden lässt irgendwann die Konzentration nach. Dann heißt es: Kaffee trinken und sich zusammenreißen. Als ich im Sommer durch die Hitze noch Kopfschmerzen dazu bekommen habe, ist es mir auch zwei Mal passiert, dass ich eine negative Rückmeldung bezüglich meiner Texte bekommen habe. Um das zu vermeiden, heißt es Konzentration.

Aller Anfang ist schwer

Ich bin also zur Veranstaltung, habe anschließend meinen Text geschrieben und dann öffne ich am nächsten Tag die Zeitung und denke: „Das ist ja viel weniger! Das ist ja ganz anders, als ich das geschrieben habe!“ Ja, dass kann passieren. Zeitweise wird mehr verändert, zeitweise weniger. Das kratzt dann gerne am Selbstbewusstsein: „War das wirklich so schlecht wie ich das geschrieben habe?“
Ärgerlich ist es, wenn nachher beim Ändern ein Fehler unterlaufen ist. Dieser Fehler springt mich beim Lesen an und ärgert mich immer tierisch, da über dem Artikel mein Name steht. „Jetzt fällt jeder Person dieser Fehler auf und die denken sich, dass die Nadine nicht schreiben kann!“, denke ich mir dann. Zum Glück hält es sich in der letzten Zeit in Grenzen. Nur da jeder Termin anders ist, ist auch jeder Text anders. Man muss schauen, wie man die Informationen zusammenbekommt und wo man den Schwerpunkt setzt.

Und in der Zukunft?

Eine wichtige Sache, die ich während meiner Arbeit bei einer Lokalzeitung gelernt habe, ist, dass ich es später hauptberuflich nicht machen möchte. Vielleicht ist der ein oder andere jetzt überrascht. Da schreibe ich die ganze Zeit von meiner Arbeit bei einer Lokalzeitung, um dann zu sagen, dass ich es später nicht machen möchte? Wieso mache ich das Ganze dann überhaupt? Weil ich so, wie oben erwähnt, Erfahrungen sammeln kann. Ich lerne stetig dazu und ob ich später in den Journalismus gehe, Lehrerin werde oder meinen Master in meinem anderen Studiengang der Erziehungswissenschaft anstrebe –die Erfahrungen werden mir in allen Fällen weiterhelfen. Warum ich aber nicht im Lokaljournalismus bleiben möchte, hat mehrere Gründe. Zum einem verdient man als freie Mitarbeiterin nicht viel, zum anderen gibt es auf lokaler Ebene viele Termine, die mich persönlich einfach nicht interessieren. Ein Oktoberfest zum Beispiel, damit kann ich nichts anfangen, ebenso wenig mit Schützenfesten und ähnlichen Veranstaltungen. Dennoch gehören sie dazu. Wenn Journalismus, dann Richtung politischen Journalismus oder Fachjournalismus im Bereich Erziehungswissenschaft oder Kultur – eine Sache, die ich ohne das Praktikum und meiner freien Mitarbeit nicht erfahren hätte.

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mein erster Zeitungstext

4 Kommentare

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