Leider nicht mein Humor – Hummeldumm und die Suche nach einem Adapter | alt. Rezension

Frau Dr. Barbara Kuhn: Guten Tag. Schön, dass sie sich noch einmal Zeit für mich genommen haben. Heute wollen wir über das Buch Hummeldumm des deutschen Autors Tommy Jaud sprechen. Wären Sie so lieb und würden den Inhalt für unsere Leser und Leserinnen in einem Satz zusammenfassen?

Nadine: Ein Haufen Idioten unternehmen eine Rundreise durch Namibia.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Und dieser Haufen Idioten erlebt dort abenteuerliche und witzige Sachen?

Nadine: Nein, der gute Matze, der Ich-Erzähler des Romans, ist die ganze Zeit damit beschäftigt einen Reiseadapter zu finden, da er den falschen eingepackt hat. Und weil er zudem vergessen hat das Geld für die neue Wohnung für seine Freundin und sich zu überweisen, muss er das noch dringend erledigen, bevor die Reservierung wegfällt. Doch leider will das die ganze Zeit über nicht funktionieren, mal überweist er nur fünf Euro, mal ist sein Bankberater mit Waffeln verkaufen beschäftigt.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Klingt doch nach einem netten „Running Gag“ oder nicht?

Nadine: Am Anfang vielleicht, aber nicht beim zehnten Mal. Außerdem basiert diese minimale Handlung auf der Blödheit des Protagonisten, der sich dermaßen dumm anstellt, statt einfach seiner Freundin die Situation zu erklären, ihr zu sagen, „Hey ich habe vergessen die Wohnung zu reservieren, dass muss ich noch erledigen“, denkt er sich lieber irgendeinen Mist aus, damit seine „männliche Ehre“ nicht beschmutzt wird. Damit lassen sich keine 300 Seiten tragen.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Sie scheinen mit Matze nicht warm geworden zu sein. Wie sieht es mit den anderen Charakteren aus?

Nadine: Ich hatte Mitleid mit seiner Freundin Sina. Wieso sie mit so einem Vollidioten zusammen ist, bleibt mir schleierhaft. Der Reiseleiter ist ganz nett, auch wenn ich sein „ne“ am Ende jedes Satzes nicht witzig fand. Ansonsten sind mir alle anderen Protagonisten unsympathisch gewesen und ich habe gehofft, solchen deutschen Urlaubern auf Reisen möglichst fern bleiben zu können.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Was hat sie ansonsten gestört?

Nadine: Die ganzen Dialekte! Das war mühselig zu lesen.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Aber sagten Sie mir nicht in unserem letzten Treffen, die Dialekte im Roman Milchgeld nicht als störend zu empfinden?

Nadine: Ja. Der Unterschied ist, dass es dort bei wenigen Stellen blieb, das war in Ordnung. Hier hingegen war dies ständig der Fall und noch dazu gab es verschiedene Dialekte, die noch dazu ähnlich klangen.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Na gut. Humor ist ja immer etwas Subjektives….

Nadine: Das stimmt. Wenn man es witzig findet, wenn Erdmännchen zertreten werden oder ein Mitte 30er Mann sich wie ein pubertierender Teenager verhält, der in das Zimmer einer Mitreisenden scheißt – klar, dann ist es der richtige Humor. Ich hingegen kann damit nichts anfangen. Es gab vielleicht drei Stellen, bei denen ich laut aufgelacht habe, was mir bei 300 Seiten etwas wenig ist. Mein Bekanntenkreis scheint diese Art von Humor zu feiern: „Das Buch ist ja so witzig“, wurde mir gesagt. Na gut, ich habe mich so unterhalten gefühlt, wie bei einem Mario Bath Auftritt.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Konnte Ihnen denn wenigstens das Ende zusagen?

Nadine: Am Ende hatten sich plötzlich alle wieder super lieb, alle waren eine große „Happy Family“. Das war unpassend und hat wirklich niemand gebraucht.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Wie es aussieht, konnten sie dem Buch nichts abgewinnen. Noch irgendwelche letzten Worte?

Nadine: Ich hätte meine kostbare Lebenszeit sinnvoller Nutzen können. Ach ja, und eine Busfahrt durch Namibia werde ich wohl niemals machen.

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5 Kommentare

  1. Eine Freundin hatte mir das Buch wärmstens ans Herz gelegt, ich konnte aber auch nichts damit anfangen und habe es abgebrochen, weil mir meine Zeit einfach zu wertvoll dafür war!
    LG
    Regina

  2. […] 2018 & 2019: Ein Blick nach vorne, ein Blick zurück und ein großes Dankeschön! Bücher, Bücher, Bücher! Was möchte ich 2019 lesen? Filmempfehlung: Der Junge muss an die frische Luft Filmgeschichte: Auf den Spuren der Brüder Lumière (Mein persönlicher Liebling aus dem Monat, auf den ich mich gefreut habe. Meine Begeisterung hat allerdings nur wenig Anklang gefunden, da sieht man, dass der eigene Geschmack sich nicht immer mit dem von anderen überschneidet) Leider nicht mein Humor – Hummeldumm und die Suche nach einem Adapter […]

  3. Ich finde es ist das schwächste Buch von Tommy Jaud. Aktuell befindet sich noch „Einen scheiß muss ich“ vom Autor auf meinem SUB. Aber aktuell habe ich nicht die Stimmung, um das Buch zu lesen.
    Ich finde der Humor ist speziell und dafür braucht man die passende Umgebung. Ich werde das Buch wohl mit in den nächsten Urlaub nehmen und bei der Reise nach Namibia an „Hummel Dumm“ und die nervende Bustour denken.
    LG Kerstin

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