Leben auf dem Dorf vs. in der Stadt | Kolumne

DorflebenDorfleben

20 Jahre meines Lebens habe ich auf einem Dorf verbracht. Lauter grüner Flächen, Wälder und weitere Dörfer wohin man sieht. Für mein Studium bin ich dann in eine Stadt gezogen, in der ich mittlerweile seit dreieinhalb Jahren lebe. Ich habe somit Vor- und Nachteile beider Seiten erlebt und habe noch einige Freunde, die in der Heimat geblieben sind. Als mir daher diese Woche Tweets in meine Twitter Timeline unter dem Hashtag #Dorfkinder gespült wurden, war ich zutiefst entsetzt. Die Kampagne von Julia Klöckner zu kritisieren ist die eine Sache, eine andere ist, zu pauschalisieren und Menschen zu beleidigen. So hieß es in einigen Tweets, dass Menschen auf dem Land alle alkoholsüchtige, sexistische, homophobe Nazis sind. Erschreckend fand ich, dass solche Stimmen auch von zertifizierten Accounts kamen. Mit der steigenden Anzahl an Follower*innen steigt die Verantwortung. Menschen im öffentlichen Leben haben eine Vorbildsfunktion und sollten diese nicht missbrauchen. Pauschalisierungen sind gefährlich, man kann nicht alle unter einem Kamm scherren, ebenso gehen schwarz-weiß Malereien nicht. Alle guten Menschen leben in der Stadt, alle schlechten auf dem Dorf? Das ist schlicht und einfach nicht wahr. Überall gibt es solche und solche Menschen und oft haben Dinge mehrere Seiten, wie auch das Leben auf dem Land. In diesem Beitrag möchte ich euch Vor- und Nachteile  vorstellen, die selbstverständlich auf persönlichen Erfahrungen beruhen und wo ich Handlungsbedarf seitens der Politik sehe.

Jeder kennt jeden vs. Anonymität

Auf den Dorf kennt man sich. Wenn man auch nicht mit jeder Person persönlich etwas zu tun hat, man weiß, wer in den Häusern im Umkreis wohnt und häufig auch, wer in den angrenzenden Dörfern. Das kann Vor- und Nachteile haben. In der Heimat bin ich von beiden Seiten von Verwandten umgeben. Hatte ich als Kind mal meinen Schlüssel vergessen, konnte ich nebenan bei meinen Großeltern klingeln. Wenn meine Eltern nicht da waren, wusste ich, zu wem ich gehe. Wenn ich den Bus verpasst habe oder nicht weg kam, weil kein Bus in mein Dorf fuhr, hat mein Opa mich abgeholt. Meine anderen Großeltern wohnen ebenfalls nicht weit weg und so konnte ich auch sie häufig besuchen.

Wenn man unterwegs spazieren geht, grüßt man sich. Auf der anderen Seite wird oft getratscht und aus eigenen Erfahrungen stimmt dieses Vorurteil. Ich könnte hier lauter Storys von Freunden einfügen. Was über sie teilwiese erzählt wurde, da kann man nur den Kopf schütteln. In der Stadt hingegen herrscht Anonymität. Wer jetzt neben an wohnt? Ich habe keine Ahnung und teilweise finde ich es schade, teilweise begrüße ich die Anonymität. In einer Stadt leben vielmehr Menschen auf einem Haufen, Mehrfamilienhäuser statt eigene kleine Häuser. Und nach meinem ganzen Theater zurzeit mit meinem Vermieter weiß ich, wie vorteilhaft es ist, die Herrin im eigenen Haus zu sein.

Natur vs. Graue Hausfronten

Ich liebe es, Fahrrad und Inliner zufahren und Spazieren zugehen. In meiner Kindheit haben wir einige Fahrradtouren unternommen und auch heute werden bei mir Glückshormone freigesetzt, wenn ich auf dem Fahrrad durch den Wald sause. Statt dem Grau der Stadt strahlt hier das Grün der Bäume (wenn sie nicht gerade vom Borkenkäfer befallen wurden). Natur ist für mich ein großer Pluspunkt für das Leben auf dem Land. Ein Spaziergang durch den Wald kann sehr befreiend sein. Als Kind habe ich draußen mit einer ehemaligen Freundin auf dem Bauernhof in Matsch und Dreck gespielt. Wenn es geschneit ist, sind wir mit Schlitten und Reifen die Wiese herunter rutscht. Das waren schöne Seiten meiner Kindheit.

Auto vs. Öffentliche Verkehrsmittel

Weniger schön hingegen war die Busfahrt von der Schule in der nächsten Stadt nach Hause. Eine Stunde Busfahrt durch sämtliche Dörfer und dann noch einmal Umsteigen, weil der Bus nicht in mein Dorf fuhr. Öffentliche Nahverkehr ist ein Problem auf dem Land. Oft wird gesagt, wie schlecht Autofahren für die Umwelt ist und das man mehr Bus und Bahn nehmen sollte, nur wie, wenn es nicht möglich ist? In Wuppertal habe ich kein Auto, ich bin immer mit dem ÖPNV unterwegs, aber auf dem Land? Hier fährt nichts. Hier sollte man statt mit mehr Steuern zu kommen, besser die Infrastruktur ausbauen. Die Park and Ride Parkplätze an den Bahnhöfen sind voll, der Wunsch ist da, nun muss die Politik endlich handeln.

Wie froh war ich da, als ich mit 18 ein Auto bekommen habe – Freiheit! Ich hatte zwar Glück, dass meine Mutter kein Problem hatte mich zu Freunden zu fahren und dennoch ist es etwas ganz anderes, nicht erst fragen zu müssen und nach der Schule nur noch 20 Minuten nach Hause zu brauchen. Auf einmal hatte ich so viel vom Tag! Nun konnte ich auch noch spät abends ins Kino fahren! Und Kino – da kommen wir zum nächsten Punkt.

Kulturelle Vielfallt

Programmkinos gab es bei mir in der Heimat nicht, dafür muss man nach Köln fahren. Im Cinestar und Cindeom in den Städten in der Nähe (30-40 Minuten Fahrt) konnte man die großen Blockbuster sehen, aber kleinere Filme? Fehlanzeige. Das beste in der Stadt ist daher für mich ohne Zweifel die Auswahl an Kinos. Potrait einer jungen Frau in Flammen hätte ich damals nicht ohne eine ewig lange Anfahrt sehen können. Die Kulturauswahl in der Stadt ist größer, wobei man hier anmerken muss, dass auch auf dem Land einiges getan wird. Dort gibt es kleinere Theater und die Dörfer versuchen mit Musikfesten, Weihnachtsmärkten und sonstigen Veranstaltungen den Menschen etwas zu bieten. Das führt mich zum nächsten Vorurteil: Die Sache mit den Dorffesten.

Alkoholkonsum auf dem Dorf

Oft las ich auf Twitter, dass Menschen auf dem Dorf nur Saufen würden und mit 14 ihre erste Alkoholvergiftung haben – erneut eine große Pauschalisierung. Das erste Bier habe ich mit 16 getrunken und es gab im Jahr genau zwei Feste, an denen ich mit Freunden mal ein wenig Alkohol konsumiert habe: Karneval und Pfingsten. Da hat mich meine Mutter auch nachts abgeholt, aber ansonsten? Tja, der fehlende Öffentliche Nahverkehr hat auch einen Vorteil: Ich musste fahren und somit ging trinken nicht. Ich habe daher kaum Alkohol in der Jugend getrunken. Anfang des Studiums kam das hingegen öfter mal vor, weil ich hier nicht fahren musste. Und ja, es gibt auf der anderen Seite auch Schützenfeste, wo Unmengen an Bier fließt, nur wie sieht es mit dem Oktoberfest aus? München ist glaub ich kein Dorf und mir kann niemand erzählen, dass alle Jugendliche in der Stadt brav keinen Alkohol zu sich nehmen.

Breitbandversorgung

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie lange es bei uns in der Gemeinde gedauert hat und es gibt immer noch einige Dörfer ohne Wlan, in denen man auch mit Datenvolum nicht weit kommt. Die versprochene Watt Zahl haben wir zuhause zwar nicht erreicht, dafür ist es jetzt zumindest so viel, dass wir ohne Probleme Streamen können, was früher ein Ding der Unmöglichkeit war.

Konservatives Dorf, Tolerante Stadt?

Die Dörfer sind von Nazis eingenommen! Diese Aussage konnte man einigen Tweets entnehmen. Demnach herrscht auf dem Land eine Invasion von Nazis und die Städte sind komplett frei von ihnen. Was für ein Bullshit. Ich bestreite nicht, dass es Stammtischparolen à la „Das wird man doch noch sagen dürfen“ gibt – doch davon ist die Stadt auch nicht frei. Dörfer sind vielleicht oft konservativer, nur von wem wird die CDU hauptsächlich gewählt? Von der älteren Bevölkerung. Und welche Bevölkerungsschicht ist zu einem großen Teil auf dem Land zu finden? Dass das Bevölkerungsbild in der Stadt diverser ist, liegt daran, dass das Land für viele nicht attraktiv ist, doch dazu unten mehr.

Ebenso sind nicht alle Menschen auf dem Dorf homophob. Ich kenne einige aus meinem Umfeld die offen homosexuell sind und die nicht in Angst vor einer Nazi Keule leben müssen. Arschlöcher gibt es überall, egal wo, egal in welcher Gesellschaftsschicht. Ein Pluspunkt für die Stadt ist allerdings das Angebot für queere Menschen, dass mit queeren Cafés und Partys größer ist. In diesem Aspekt gibt es auf dem Land Nachholbedarf.

Vegetarisch? Gibt´s auf dem Land nicht

Vegetarische und vegane Auswahl ist in der Stadt deutlich höher. In Wuppertal habe ich viele Möglichkeiten auch unterwegs vegan zu essen. Auf dem Land hingegen gestaltet es sich  schwieriger. Meine Großeltern hatten früher einen eigenen Bauernhof, haben selbst geschlachtet. Doch auf dem Land verändert sich das Verständnis ebenfalls. Es vollzieht sich vielleicht etwas langsamer, nur werde ich mittlerweile auch in Restaurants mit „klassisch deutscher Küche“ fündig bei vegetarischen Gerichten.

Das Land wird abgehangen?

Freibäder schließen, Ärzte gehen in die Rente und Nachfolger zu finden gestaltet sich als schwierig. Die Städte scheinen attraktiver zu sein und ziehen insbesondere junge Leute an. Die Politik darf nicht weiter das Land vergessen. Es bedarf einen Breitbandausbau, eine flächendeckende Gesundheitsversorgung und mehr bzw. überhaupt Öffentliche Verkehrsmittel. Wenn dies gegeben wäre, würden viel mehr Menschen dazu neigen, aufs Land zu ziehen, besonders da die Mietpreise in der Stadt ansteigen.

Zum Abschluss möchte ich sagen, wie schade ich es finde, dass scheinbar keine Diskussionskultur mehr möglich ist, vor allem nicht auf Social Media. Ich frage mich auch, wo das Ziel von Beleidigungen liegt. Es führt nur zu einer Abwehrhaltung, weil sich Menschen verständlicherweise angegriffen fühlen. Weiter trägt es zu einer Spaltung in der Gesellschaft bei, die niemanden hilft, am wenigsten ändert es etwas an den Problemen, die dadurch aus dem Blick geraten.

Wie sieht ihr es? Lasst mir gerne einen Kommentar dar, ich bin auf eure Meinung gespannt.

Hier kommt ihr zu meinem letzten Beitrag, wo ich euch Gründe zum Lesen der unendlichen Geschichte nenne.

14 Kommentare

  1. Du weißt ja wie ich denke, wir haben ja ausführlich via Sprachnachrichten gesprochen. Was ich auch heftig fand ist, dass man Menschen auf dem Dorf Intellekt und Intelligenz komplett abgesprochen hat, was auch total Blödsinn ist. Ich bin selbst eines dieser Dorfkinder und studiere im Master (laut all der Tweets ist das ja ein Ding der Unmöglichkeit) und kenne viele, die ebenfalls studieren, die erfolgreich ihre Ausbildung absolviert haben und Dinge generell hinterfragen – so wie das diejenigen, die in einer Stadt Leben, eben auch tun. Sowas hat ja nichts damit zu tun, wo man lebt. Wie du schon sagst: Menschen, die intolerant oder leider auch Hasserfüllt und rechts sind, gibt es überall. Pauschalisierungen sind da gefährlich, weil sie über die echten Probleme hinweg täuschen, nämlich die fehlende gesundheitliche Versorgung, das fehlende Internet, die schlechte Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die fehlenden kulturellen Angebote in einigen Ortschaften (wie Cafes, Kneipen, Kinos, Freibäder etc.) und manchmal fehlt ja sogar die Grundversorgung. Es gibt so viele Orte, wo man nicht einmal mehr einen Bäcker, Metzger oder einen kleinen Supermarkt hat und es für ältere Menschen sogar schwer wird Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen. Und es sind genau diese Dinge, das Gefühl, dass einen die Politik und die Gesellschaft vergessen haben, die dann ja zu vielen der angesprochenen Problemen führen und den Hass schüren. Wir haben ja richtige Dörfer, die aufgegeben wurden und das geht gar nicht.

    Zum Alkoholkonsum: Da soll mir echt mal einer erzählen, dass in den Städten weniger getrunken wird. Ist nicht so, dass ich nicht auch in der Stadt weggehe und dort sieht man immer Betrunkene. Da nehmen sich Stadt / Land definitiv gar nichts.

    Generell hat beides seine Vor- und Nachteile und viele Menschen leben ja vor allem deshalb auf dem Dorf, weil sie sich hohe Mieten nicht leisten können oder auf familiäre Unterstützung angewiesen sind – bspw für die Kinderbetreuung. So war das bei meiner Familie. Wir sind auf das Dorf gezogen, weil meine Oma auf mich aufpassen konnte, während meine Mum arbeiten war. Und ich fand gerade das als Kind super und habe viel Zeit mit meiner Oma verbracht und hatte genau wo du jemanden zu dem ich gehen konnte, wenn ich meinen Schlüssel vergessen hatte oder nicht wusste wo ich hin soll oder mich jemand holen musste, aber meine Eltern konnten nicht. Bis heute bin ich glücklich, dass die Verwandtschaft in der Nähe wohnt und man im Notfall jemanden hat, der sofort da ist. Dazu hat es natürlich auch Vorteile, dass man sich in der Stadt kennt. Vieles geht da schneller, auch wenn das natürlich oft mit getratsche verbunden ist. Das kenne ich ja auch :D. Aber ich halte mich da raus und versuche das locker zu sehen. Wenn man sonst nicht zu tun hat, dann sollen sie halt machen. Ich konzentriere mich auf mein Leben.

  2. Das ist ein wirklich toller Beitrag und als eine „Daheimgebliebene“ habe ich auch schon einen ganz ähnlichen Beitrag in den Entwürfen :’D Ich würde dirch darin auf jeden Fall verlinken, wenn ich darf?

    Ich kann das meiste, was du sagst, absolut genau so unterschreiben und war ebenfalls gänzlich entsetzt über diese Debatte. Einfach, weil ich seit 28 Jahren auf dem Land lebe und mich stets geweigert habe aus unserem Dörfchen zu ziehen. Warum? Weil ich es liebe. Und wäre unser Dorf so, wie es von einigen dargestellt wurde, würde ich es nicht lieben. Ein Dorf ist natürlich kleiner und das Landleben bietet Vor- und Nachteile. Die hast du ja alle (wie ich finde lückenlos) aufgezeigt. Ich kenne tatsächlich auch Dörfer, wo dieses Klischee schon gepasst hätte. Es gibt etwa 60 km entfernt ein Dorf (wo mein Ex lebt), wo tatsächlich fast nur Rechte wohnen und dieses Dorf ist auch wirklich dafür bekannt. Aber selbst in diesem Dorf gibt es „normale“ Menschen, denen eine Pauschalisierung wirklich unrecht tut.

    In dem Sinne: vielen Dank für diesen schönen und umfassenden Beitrag!

    Liebe Grüße
    Lisa von lieschenliest.de

  3. Ich musste mir die Tweets erst einmal ansehen und sehe nur Beschwerden über eine unsinnige Kampagne, absichtliche provokation für mehr Reichweite und die Trolls, denen zu viel aufmerksamkeit gegeben wird. Genau diese Klischees haben wir damals auf schülervz auf die Schippe genommen und jeden, der eine Seite wählt oder absichtlich einen Wohnort schlecht redet sollte schlichtweg ignoriert werden.

    Ich kenne Verwandte aus den Dörfern, wir sind eher in die Vorstadt gezogen. Es ist eine eigene Kultur und in Wirklichkeit sehe ich keine Unterschiede, die nicht aus staatlischen Gründen sind. Man lebt sein Leben zumindest entspannter, wenn man einfach den nächsten Hashtag durchforstet 🙂

  4. Nadine du bringst es auf den Punkt! Ich finde es klasse das du dich mit dem Thema auseinander gesetzt hast und deine eigene Meinung dazu geschrieben hast. Ich bin in der Stadt aufgewachsen aber habe auch mal 2 Jahre auf dem Land gelebt. Ich würde es auch wieder tun aber nur wenn ich ein eigenes Haus habe (da teile ich nämlich deine Gedanken/Erfahrungen). Ich sage auch immer, dass es überall schwarze Schafe gibt und man nicht pauschalisieren darf. Ich denke Leute die sich so verhalten und das schlecht reden, wissen oftmals gar nicht wirklich über was sie das sprechen. Das nenne ich armselig.

    Danke also für deine offenen Worte und den Vergleich! Übrigens gehe ich auch lieber gerne spazieren als mir die befahrende Straße vor der Tür anzuschauen. Da bin ich dankbar, dass wir nicht im Stadtkern sondern etwas außerhalb wohnen und viel Grün zur Auswahl haben.

    Viele Grüße Eileen von http://www.eileens-good-vibes.de

  5. Ich komme zwar nicht vom Dorf, aber aus einer Kleinstadt im Voralpenland. Daher kann ich sehr vielen, was du über das Dorfleben geschrieben hast, halt auch absolut nachvollziehen. Gerade das mit dem Auto oder das mit dem Internet (das ist bei uns bis heute leider nicht richtig gut). Letztlich hat eben alles so seine Vor- und Nachteile. Mich überrascht es immer, wie viele Vorurteile es dem Dorfleben gegenüber gibt. Mir kommt es so vor, als würden die immer besonders betont werden. Dabei hab ich auch so einiges über Städte im Kopf… 😉

    Oh ja, das mit Lisbeth war ja ein richtiger Erbschaftsstreit. Eine Tragödie, dass die sich anscheinend durchgesetzt haben. Ich war neugierig, gerade weil sie anfangs behauptet haben die Bücher würden noch auf den Skripten beruhen, die angeblich von Stieg Larsson angefangen worden waren… aber das war echter Quatsch und die Fortsetzungen schrecklich.

    Ich bin öfter in Bonn und muss mich auch mal in Belgien umschauen… da gibt’s sicher einige Ziele, die wir schnell und leicht erreichen könnten…

  6. Ich habe deinen Beitrag ja schon in meiner Linkliebe empfohlen, aber jetzt fürs #Bloggernetzwerk nehm ich mir auch mal die Zeit für einen Kommentar 😉

    Ich bin selbst auch auf dem Dorf aufgewachsen und kann einige von deinen Erfahrungen auch so erzählen. Nur der Alkohol, der war bei uns gefühlt tatsächlich mehr und stärker als bei den Stadtkindern. Dafür gab es keine anderen Drogen, was ich immer als Vorteil empfunden habe.

    Das Dorfleben hat viele Vorteile, gerade jetzt mit Kind vermisse ich manchmal die Weite und die großen Gärten, aber insgesamt fühle ich mich in der Anonymität doch um einiges wohler. Dabei wohne ich jetzt nur in der Vorstadt, aber selbst hier weiß ich nicht genau, wer meine Nachbarn sind. Super!

    LG Lexa

  7. Guten Morgen!

    Ich denke, es gibt kaum etwas Gefährlicheres als Pauschalisierung und Verallgemeinerung. Da hast du vollkommen recht. Das gilt sowohl für das Land- als auch das Stadtleben. Beides hat seine Vor- und Nachteile, das ist ganz klar.

    Ich habe auch jahrelang auf dem Dorf gewohnt, dann einige Jahre in einer etwas größeren Stadt in Spanien und mittlerweile lebe ich in einer Kleinstadt. Ich bin zwar mit 16 ausgezogen, daher habe ich viele Dinge in meiner Jugend nicht mehr erleben „müssen“, doch wie es ist, ohne wirkliches Internet aufzuwachsen … davon kann auch ich ein Lied singen. Oder der Nahverkehr – du liebe Güte! Das sind Dinge, von denen möchte man gar nicht wirklich reden. Auch heute erlebe ich es noch, dass die Datenverbindung meines Handys versagt, kaum dass ich aus der Kleinstadt rausfahre.

    Ich denke, die Vor- und Nachteile von Dorf und Stadt verschieben sich auch je nach Alter. Als Kind findest du es manchmal super, du kannst überall spielen. Was als Elternteil vermutlich auch nicht schlecht ist, auf dem Dorf ist weniger los, jeder kennt jeden, jeder hat irgendwie mit ein Auge auf dein Kind, so wie du auf die der anderen. Als Jugendlicher findet man es vermutlich eher ätzend. Nirgendwo kann man hin, Busse kommen nie, wenn man sie braucht und der Moped-Führerschein ist teuer. Und irgendwann als Erwachsener merkt man, dass es doch gar nicht so schlecht ist auf dem Land. Soweit meine Vermutung. 🙂

    Ein wirklich toller Beitrag.

    Liebste Grüße
    Wiebi

  8. Super Beitrag und ich kann allen Stimmen vor mir nur zu stimmen. Solche Pauschalisierungen sind einfach völlig hinrissig! Umso besser, dass du deine Platform hier nutzt, um das Thema divers und sehr persönlich zu betrachten. Mega gut!
    Alles liebe
    Marleen

    • Wörter auf Reise

      Danke für dein positives Feedback, hat mich sehr gefreut <3
      Gruß, Nadine

  9. Hey Nadine,

    Ein super Beitrag dazu, den ich so auch unterschreiben kann. Ich hab das ehrlich gesagt nicht ernst genommen. Für mich war das ein hashtag, wo eben genau das gesammelt wird, nämlich Klischees. Dass das nicht auf jeden zutrifft,habe ich zumindest für mich, immer vorausgesetzt, aber irgendwie kennt man zu jedem Klischee auch jemanden.
    Ich wohne in einer Kleinstadt und die Leute aus Hamburg sind manchmal sogar neidisch. Der Besuch am See kostet hier nur 1/3 des Eintrittspreises und auch die Getränkepreise in meiner kleinen Kaffdisco sind im Gegensatz zu Hamburg deutlich günstiger. Obwohl ich wiederum auch sagen muss, dass man vieles günstig in Hamburg machen kann. Jeden September bin ich auf einem kostenlosen kleinen Jive Konzert und auch die Apothekergartenführung in Planten un Blomen ist kostenlos.
    Ich bin ganz froh, dass ich an meinem Ort beide Welten verbinden kann. Ich fahre gerne nach Hamburg, aber da leben würde ich nicht wollen.

    LG, Moni
    #bloggernetzwerk

  10. Ein klasse Artikel! Pauschalisierungen sind falsch und gefährlich. Natürlich ist das Leben auf dem Dorf anders als in der Stadt, aber auch in der Stadt wohnen Idioten, die saufen und Unsinn anstellen. Ich wohne in keiner großen Stadt, aber ich merke den Unterschied wenn ich zu Tante und Onkel fahre, die mehr oder weniger aufm Dorf wohnen (ist zwar ein Ortsteil dieser Stadt, aber mehr für sich). Dort kennt jeder jeden, man hilft sich gegenseitig.
    Das ist hier weniger der Fall. Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus, in meinem Eingang sind wir nur drei Parteien, aber groß miteinander zu tun haben wir nicht. Das ist schade, es würde das Miteinander einfacher machen.

  11. Hey Nadine,
    dieser Beitrag stand schon so lange auf meiner Leseliste und shame on me, dass ichs jetzt erst im Rahmen des Bloggernetzwerks geschafft habe, ihn zu lesen. Er ist wunderbar wirklich.
    Ich persönliche bezeichne mich zwar gerne als Dorfkind, weil ich zwischen Düsseldorf und Wuppertal in einem – für mich – Dorf aufgewachsen bin, aber ich weiß auch, dass ich schon eher ein Stadtkind bin. Zumal ich Freundinnen habe, die vom Niederrhein kommen und da ist es wirklich Dorf. Aber das finde ich super und total interessant. Mir geht diese Pauschalisierung richtig auf den Zeiger.
    Du zeigst in deinem Beitrag einfach super Vor- und Nachteile der Lebensstile auf und dass das auch wunderbar als synthese funktioniert, wie es halt auch funktionieren sollte!
    Klar hat man auf dem Dorf nicht alle Vorteile, die die Stadt mit sich bringt, aber andersrum ist es genauso. Als mein Freund in einer Großstadt gewohnt hat, hatten wir keine Minute stille. Es war immer laut, Busse, Bahnen, Autos, gehupe, nachts betrunkene am Fenster. Zu Hause bei uns, wir wohnen beide einfach ländlicher, ist es soviel schöner. Aber ich mag auch die großen Kinos nicht missen. Als es nur am Ende von Düsseldorf ein großes Kino gab, hatten wir hier das Glück, ein kleines Kino zu haben, die auch immer die großen Filme hatten – aber eben so 5 Wochen mit Verzug. Als Kind völlig okay, als Jugendliche einfach nur nervig. Aber wir durften einfach nie alleine quer durch Düsseldorf.
    So lange Rede,kurzer Sinn: Toller Beitrag <3

    Liebe Grüße

    Andrea

    • Wörter auf Reise

      Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ja, was man unter Dorf versteht ist schon so Ansichtssache 😀 Kenne Bekannte für die sind 10.000 Einwohner Dorf und ich denke mir so neee 😀 und ja vor- und Nachteile gibt es überall. Ich liebe ja das Kulturelle Angebot in Städten, das mit dem auf dem Dorf einfach nicht gibt, mags auch nicht immer auf ein Auto angewiesen zu sein. Durch Corona bin ich allerdings froh bei meinen Eltern auf dem Dorf zu sein, mehr Platz und mehr Möglichkeiten was zu machen 🙂

Kommentar verfassen