Kluftingers erster Fall – eine andere Rezension

Frau Dr. Barbara Kuhn: Milchgeld ist der erste Fall des Allgäuer Kommissars Kluftinger. Über den Debutroman der beiden Autoren Volker Klüpfel und Michael Kobr möchte ich heute zusammen mit meinem Gast, der Nadine vom Blog „Wörter auf Reise“, sprechen. Guten Tag. Schön, dass Sie hier sind.

Nadine: Vielen Dank für die Einladung.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Gerne. Wie kam es dazu, dass sie sich dazu entschlossen haben, das Buch zu lesen? Mit seinen zehn Bänden ist die Reihe schon weit fortgeschritten, sie waren stetig auf der Spiegelbestellerliste wiederzufinden und für Erntedank sowie Laienspiel gab es jeweils auch einen Preis. Ist die Allgäuer Krimi Reihe vorher an Ihnen vorbei gegangen?

Nadine: Namentlich waren mir die Bücher bekannt. Allerdings hatte es mich nie gereizt, die Reihe anzufangen. Das änderte sich mit der Lesung der beiden Autoren auf der Buchmesse in Frankfurt, die ich auf Empfehlung meines Vaters besucht habe.

Frau Dr. Barbara: Dann muss diese ja wirklich gut gewesen sein.

Nadine: Ja. Die Autoren kamen sehr sympathisch rüber und die vorgelesenen Auszüge haben das gesamte Zelt zum Lachen gebracht, es war eine schöne Atmosphäre. Danach habe ich Lust auf die Bücher bekommen. So erging es auch meiner besten Freundin, die mit mir auf der Buchmesse war. Uns hat jetzt beide das Kluftinger Fieber gepackt.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Dann kommen wir jetzt zum ersten Fall, Milchgeld. Wie würden Sie den Inhalt in einem Satz zusammenfassen?

Nadine: Ein Kässpatzen liebender Kommissar aus Altrusried versucht einen Mord in seinem Heimatsort aufzudecken, der ihn in die Abgründe der Milchbranche führt.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Die Erwähnung der Kässpatzen, gehört das wirklich in eine Zusammenfassung des Romans?

Nadine: Definitiv! Schließlich beginnt das Buch damit, dass ein Anruf Kluftinger beim Essen seiner Kässpatzen stört. Sie müssen wissen, Montag ist sein Kässpatzen Tag, da kocht ihm seine Frau Erika immer sein Lieblingsessen. Außerdem verspeist er auf den 300 Seiten sie nicht weniger als vier Mal. Nach dem Lesen brauchte ich dann auch erstmal einen Teller des traditionellen Gerichts aus dem Allgäu.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Und der Fall selbst, war dieser spannend?

Nadine: Spannend wäre kein Adjektiv, dass ich für das Buch verwenden würde. Ich kenne mich mit der Milchbranche nicht aus, da war es interessant, einen Einblick zu erhalten. Die Auflösung kam für mich auch überraschend und es wurden stetig falsche Fährten gelegt. Es ist aber kein Krimi, der einen vor lauter Angst nachts wach hält. Stattdessen gibt es viel Situationskomik, wenn ausführlich beschrieben wird, wie Kluftinger sich mit seinem Döner bekleckert, beim Observieren das Trinken vergessen hat oder er voller Freude ein Essen mit seinen Nachbarn, den Langhammers, hat.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Also überwiegt in dem Buch der Humor?

Nadine: Ich finde schon, oft musste ich laut auflachen. Ich kann an dieser Stelle auch das Hörbuch empfehlen. Es wird von den Autoren selbst gelesen, die das Buch durch ihre Sprechweise noch um einiges witziger machen.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Ist Kommissar Kluftinger ein Sympathieträger?

Nadine: Nicht auf der klassischen Art und Weise. Er hat eine veraltete Denkweise, möchte bei den traditionellen Sachen bleiben und hält nichts von „Speisen aus anderen Ländern“ und mit der modernen Technik hat er auch nichts am Hut. Dadurch entstehen gerade die witzigen Momente: wenn Dr. Langhammer mit ihm Quiche kochen möchte, er sich über furchtbar touristische Urlaube aufregt (von denen man schon vom Wasser bis zur Liege schwitzt) oder sein Sohn „nonverbale Signale“ für die Bezeichnung von Gesten und der Mimik verwendet.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Zusammengefasst: Ist es die Mentalität des Protagonisten Kluftingers, die das Buch ausmacht?

Nadine: Ja, ich glaube das dort das Erfolgsrezept der Reihe liegt. Wobei der Fall auch mit überraschenden Wendungen daher kommt!

Frau Dr. Barbara Kuhn: Sie klingen ja sehr euphorisch. Was wären Punkte, die für andere negativ sein könnten?

Nadine: Genau das, was ich als positiv empfand: den Humor. Humor ist etwas Subjektives, von anderen könnte Kluftingers Art statt witzig eher als nervig empfunden werden. Ebenso wird teilweise im Dialekt geschrieben, vielleicht wäre dies ein weiterer Punkt.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Ihnen hat die Dialektschreibweise nicht gestört?

Nadine: Wäre es mehr gewesen, dann ja, so nein. Es passte zum Buch.

Frau Dr. Barbara Kuhn: Für sie steht es fest, dass sie auch die nachfolgenden Bände lesen werden?

Nadine: Definitiv!

Frau Dr. Barbara Kuhn: Vielen Dank für das Gespräch, vielleicht sehen wir uns zukünftig bei einem anderen Roman wieder.

Nadine: Vielleicht bei Kluftingers zweiten Fall?

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So, dass war mein kleines Experiment, eine Rezension in ein Interview zu verpacken. Was haltet ihr davon? Findet ihr es gut, oder sagt euch die klassische Variante mehr zu? Lasst mich eure Meinung gerne in den Kommentaren wissen, eure Nadine.

5 Kommentare

  1. Finde ich eine tolle Idee, denn wie du schon in der Überschrift schreibst: Es ist mal was anderes und ich hatte echt auch Spaß beim Lesen ;).

    Das Buch selbst wäre aber aus genau dem Grund den du ansprichst nichts für mich. Bin nicht so der Fan von diesen Krimis mit Dialekt, die dann auf dem Land spielen, vielleicht auch weil ich selbst in einem Dorf wohne und das dann nicht auch nicht in Buchfrom serviert brauche :D. Gerade die traditionellen Ansichten, die dann im Buch lustig sind, bekomem ich hier ja ständig mit und da würde ich eher genervt die Augen verdrehen.

    Dankeschön für das liebe Kompliment Nadine,
    Oh ja Grindelwalds Vergagenheit wurde mir auch zu knapp abgehandelt. Wie in der Rezension geschrieben, diese eine Szene die ja nur ein paar Minuten ging, war mir da wesentlich zu kurz. Klar kennt man die Geschichte grob durch Harry Potter, aber mir fehlen da die Details.

    Ich habe da auch gemischte Meinungen gelesen, gibt ja einige die den Wandel nachvollziehbar finden und mit der Liebe begründen. Aber in einen Augen passt das nicht unbedingt zu der Queenie die wir im ersten Teil kennengelernt haben, dass sie sich dann so schnell bekehren lässt.

    Haha ja genau das denke ich mir auch. Ich rege mich dann auf, wenn es Fakt ist, dass die Timeline hinten und vorne nicht passt. Aktuell wissen wir hier ja noch gar nichts. Vielleicht ist die Auflösung ja dann super und das ganze gejammere war umsonst :D.

    • Das freut mich zu hören! Es ist immer die eine Sache, es selber witzig zu finden, aber eine andere Sache, ob es beim Leser denn so rüber kommt 🙂

      Ja besonders weil ich das im siebten Teil schon so interessant fand, da fand ich es auch schade, dass es im Film nur so eine kleine Rolle zugeteilt wird. Nur dort konnte ich es noch verstehen, aber nicht bei einem Film namens „Grindelwalds Verbrechen“

      Ja das sehe ich auch so!!

      Genau, dauert ja nur noch zwei Jahre 😀

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