Hörbücher und ich

Lange Zugfahrten, der Kopf schlägt müde gegen die Scheibe, doch statt vorbeiziehende Häuser oder Bäume bilden sich draußen andere Bilder, Bilder von einer weiten, schneeweißen Landschaft in deren Mitte ein imposantes Schloss in die Höhe ragt. Statt Vögel fliegen Drachen am Fenster vorbei, Drachen mit spitzen Stacheln und welche, die das Rattern des Wagens mit einem Gesang übertönen, der wie „das Dröhnen einer riesigen Bronzeglocke“ erklingt.

Das ist die Macht der Vorstellungskraft, eingeflüstert von einer Stimme im Ohr, in der die Verzweiflung der Figuren herauszuhören ist und witzige Stellen um einiges unterhaltsamer sind. Mehr als einmal wurde ich schief angesehen, als ich mit den Känguru Chroniken durch die Stadt gelaufen bin und vor mich her grinsen musste. Hörbücher sind etwas Feines. Sie verschönern die langweilige Hausarbeit und ermöglichen es Geschichten zu genießen, trotz müder Augen nach einem langen Tag.

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Meine Kindheit und Hörbücher

Wenn ich krank war, liefen bei mir immer bekannte Geschichten, bei denen es nichts ausmachte, zwischen durch einzuschlafen. Zum Lesen oder Fernsehen war ich eh zu müde, da war es die beste Variante. Doch auch abgesehen davon hörte ich mir beim „Malen nach Zahlen“ oder anderen Aktivitäten Hörbücher an. Besonders hatten es mir die Bücher der deutschen Autorin Cornelia Funke angetan. Die Wilden Hühner liest sie selbst und trifft perfekt die einzelnen Mädchen der Bande. Gefühlt konnte ich sie auch irgendwann auswendig. Ebenso oft lief später bei mir Tintenblut, denn ich besaß lediglich den zweiten Band auf CD, bzw. auf Unmengen von CDs. Als ich vergangenes Jahr über die Frankfurter Buchmesse schlenderte, nahm ich plötzlich eine Stimme war, die mir irgendwo her bekannt vorkam. Ich blieb schließlich bei einer Lesung für Kinder zu Die Dracheneiter stehen und als ich so zuhörte, kam mir ein Bild vors Auge, ein Bild vom Feuerspucker Staubfinger: Es war Rainer Strecker, der den Figuren der Tintenwelt Leben eingehaucht hat. Er hat eine angenehme Stimme, der ich gerne zu höre und das ist Grundvoraussetzung für ein Hörbuch. Bei Tintenblut gibt es Zwischenmusik, die für mich zu der Geschichte gepasst hat und die mich noch mehr in die Welt der geschrieben Worte hinein zog.

Hörbücher und YouTube

Bevor YouTube seine Jagd gegen Urheberrechtsverletzungen begonnen hat, habe ich mir dort ein paar Hörbücher angehört, wie zum Beispiel Vampire Academy. Es ist wieder eine Reihe, die ich schon vorher kannte. Ein ReRead ist zeitaufwendig, beim Anhören einer bekannten Geschichte kann man Erinnerungen auffrischen und besonders auf Reisen habe ich gerne „alte Bekannte“ mit dabei, wie Maggie aus Tintenherz immer sagt. An Vampire Academy hat mich die Kürzung gestört, durch die wichtige Szenen weggefallen sind. Mittlerweile achte ich darauf und meide die gekürzte Version. Auf YouTube gab es früher auch Personen, die Bücher selbst eingesprochen haben und unter denen sich ein paar talentierte junge VorleserInnen mit nur wenigen Versprechern versteckten.

Spotify

Neben Musik gibt es einige Hörbücher auf Spotify – kostenlos – wenn auch in der kostenlosen Version mit Werbung. In der kostenpflichtigen Version fällt diese weg und man hat die Möglichkeit, sich die Hörbücher für unterwegs herunterzuladen. Spotify besitzt nun endlich wie Audible eine Sleeptimer Option, bei der die Geschichte nach einer ausgewählten Minutenanzahl von allein ausgeht. Lieblinge von Kai Meyers Bücher, wie ich, können sich freuen: Mittlerweile sind fast alle seiner Werke dort zu finden. Empfehlenswert ist Die Seiten der Welt. Lange stand die Reihe auf meiner Wunschliste, ohne das ich sie angefangen habe. Das habe ich geändert, als ich letztes Jahr zu meinem Praktikum eine lange Fahrtzeit hatte. Bei neuen Geschichten fördern Hörbücher die Konzentration, da hier Abschweifen schwieriger ist. Gleiten die Gedanken jedoch doch einmal ab, ist es möglich, zurückspulen. Anabelle hat zu Hörbüchern auf Spotify einen schönen Beitrag verfasst, vielleicht werdet ihr bei ihr fündig. Ich habe mir direkt Stolz und Vorurteil und Vox notiert.

Audible

Mein Audibe Abo nutze ich nach Bedarf, teilweise benötige ich nicht jeden Monat ein Hörbuch, weil ich zurzeit nichts höre oder weil zum Beispiel der fünfte Harry Potter Band fünftausend Stunden lang ist. Das Kündigen ist kein Problem und anschließend sind die Hörbücher immer noch in der Bibliothek verfügbar. Wie bei Spotify kann man sich die Erzählungen unterwegs anhören und es gibt meine geliebte Sleeptimer Funktion sowie die Möglichkeit, die Geschwindigkeit einzustellen. Dies ist mir bei Harry Potter zu trage gekommen, wenn ich keine Lust auf die ewig langen Erklärungen hatte, dann stelle ich gern eine Stufe schneller ein. Daneben sind einige Statistiken einsehbar, beispielsweise wie viel man gehört hat. Außerdem kann man Trophäen sammeln, in der ich für meine schlaflosen Nächte zumindest eine Auszeichnung erhalten habe.

 

 

Empfehlungen

Einige meiner Favoriten habe ich schon oben erwähnt, jetzt folgen zum Abschluss zwei weitere: Die Känguru Chroniken dürfen gefühlt auf keinem Beitrag zu Hörbüchern fehlen. Mark-Uwe Kling spricht das Känguru einfach witzig und das macht die Dialoge so unterhaltsam, da kann die eigene innere Stimme nicht mithalten. Weil die Bücher keine durchgängige Handlung besitzen, eignen sie sich gut zum Zwischendurch anhören. Nur wie oben angesprochen, aufpassen in der Öffentlichkeit, nicht, dass ihr Ärger wegen zu guter Laune bekommt.

David Tennant kennen einige von euch bestimmt von seiner Rolle als Barty Crouch Jr. im Film Harry Potter und der Feuerkelch. Nur ist der Brite nicht nur ein hervorragender Schauspieler, sondern auch Synchron/ Hörbuchsprecher. In meinem Monatsrückblick für den Monat September habe ich schon ausführlich davon gesprochen, wie wunderbar My Sister Lives On The Mantelpiece ist und ich werde nicht müde, es ein weiteres Mal zu erwähnen. Es geht um den zehnjährigen Jamie, der sich in der Schule mit dem muslimischen Mädchen Sunya anfreundet, obwohl sein Vater seit dem Anschlag, bei dem seine Tochter ums Leben gekommen ist, einen Hass auf muslimische Menschen hegt. Wer sein englisch verbessern möchte, sich bisher nicht an englische Hörbücher gewagt hat, sollte es mit My Sister Lives On The Mantelpiece probieren. Mein Englisch ist eher mittelmäßig, dennoch habe ich das Meiste verstanden. Dadurch, dass die berührende, humorvolle und traurige Geschichte aus der Sicht eines Kindes erzählt wird, ist die Sprache einfach gehalten und man kommt gut mit. Ein weiterer Pluspunkt: David Tennant als Sprecher und sein britischer Akzent!

Fazit

Wie ihr unweigerlich gemerkt habt, liebe ich Hörbücher. Sie sind eine schöne Ergänzung neben dem klassischen Buch, sie können die Englischkenntnisse verbessern und die Konzentration fördern. Ich nutze sie gerne zum Anhören bekannter Geschichten und zum Entdecken von Neuen. Auf Reisen habe ich immer eins dabei. Wie sieht es bei euch aus? Bevorzugt ihr die gebundene Form oder greift ihr auch zu Hörbüchern? Und wenn ja, welche sind eure Favoriten?

8 Kommentare

  1. Nico aus dem Buchwinkel

    Liebe Nadine,

    ich höre auch gerne Hörbücher, auf dem täglichen Weg zur Arbeit (Unterbrochen vom fest & flauschig Podcast) und besonders auf längeren Fahrten, zum Beispiel in den Urlaub. Zusammen mit meiner Freundin höre ich sicher einmal im Jahr die Känguru-Teile, die finde ich gelesen mindestens genauso gut wie du! 🙂
    Hörbücher, die ich aus diesem Jahr empfehlen kann, sind einmal „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski und „Herr Sonneborn geht nach Brüssel“ von Martin Sonneborn. Die sind beide inhaltlich toll und auch gut eingelesen.
    Mit Hörspielen kann ich aber gar nichts anfangen, du?

    Liebe Grüße,
    Nico

  2. Liebe Nadine,

    deine Begeisterung für Hörbücher springt mich ja regelrecht an 😀 Leider tue ich mich bisher noch recht schwer damit, da ich mich einfach nicht lange genug auf eine Stimme konzentrieren kann und meine Gedanken gern mal abschweifen, aber ich suche immer wieder nach neuen Geschichten, die mich vom Gegenteil überzeugen können. Deine Tipps werde ich dabei definitiv berücksichtigen – danke dafür 🙂

    Liebe Grüße
    Marie

  3. Hallo Nadine,

    ich bevorzuge Bücher und höre Hörbücher nur selten. Wenn, dann höre ich Hörspiele zum Einschlafen. Hörbücher kommen bei mir nur selten auf die Ohren. Wenn, dann höre ich sie bei Apple Music. 🙂

    Liebe Grüße
    René

  4. Liebe Nadine,
    das ist ja wirklich ein toller Blog Beitrag! 🙂
    Ich kann alles, was du so gesagt hast, absolut unterschreiben, dabei höre ich immer mit Audible. Da stört mich nur, dass man nur 1 E Book pro Monat ausleihen kann. Weil ich will mehr haben 😀 Es gibt ja gerade im englischsprachigen Bereich so viele Bücher aber natürlich auch bei Fantasy Bücher, die es noch nicht in der Bibliothek gibt, die ich nicht neu kaufen möchte und die ich trotzdem gerne lesen oder zumindest probieren möchte. Da sind Hörbücher auch perfekt. Ich habe das Buch dann gelesen bzw. gehört, muss mich nicht über 10-20 Euro Verlust ärgern, wenn ich es nicht mochte und es in den Bücherschrank stellen und wenn ich es großartig fand, kann ich es noch fürs Bücherregal kaufen. Was ich mit meiner Wohnsituation auch mag (Heimat in NRW, Wohnheim mit Uni in Bayern) ist es, beide Medien zu benutzen. Wenn ich in NRW bin, lese ich das Buch und merke mir, wo ich aufgehört habe. Im Zug nach Bayern und in Erlangen selbst höre ich das Buch weiter, damit ich es nicht hin und her schleppen muss. Oder wenn ich so viel unterwegs bin, dann kann ich weiter hören und am Abend trotzdem im Buch lesen, nur bin ich dann schon voran gekommen. 🙂

    Liebe Grüße
    Yvonne

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  7. Ich habe lange gebraucht, bis ich den Vorteil von Hörbüchern für mich entdeckt habe. Letztes Jahr habe ich aber doch damit begonnen und wirklich einige Hörbücher gehört. Besonders zum Auto fahren, fand ich das sehr angenehm. Jedoch nicht wirklich für zu Hause, da ich oft etwas dazu „machen“ musste um nicht einzuschlafen xD auch wenn ich Hörbücher durchaus spannend finde und viele Vorteile dahinter stecken, mag ich es doch am Liebsten ein Buch zu lesen und mir bewusst dafür Zeit zu nehmen!

    • Wörter auf Reise

      Schön, dass du jetzt auch Hörbücher für dich entdeckt hast, dass mit dem was machen dabei kenne ich. Mich trifft man auch nicht Hörbuch hörend sitzend in meinem Lesesessel wieder, Hörbücher sind für mich praktisch, wenn ich gerade nicht ein Buch in der Hand halten kann 🙂

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