His Darkest Materials: Lyras Welt & Wesen

Der November steht auf meinem Blog passend zum Serienstart, ganz unter der Buchwelt von His Darkest Materials. Worum es dort geht, könnt ihr bei meinem vergangenen Beitrag nachlesen.

Bei der Erschaffung der Welt vom „Goldenen Kompass“ hat Autor Philip Pullman (pseudo-) wissenschaftliche Erklärungen mit magischen Erscheinungen vermischt. Religiöse Ansätze streut die Kirche hinein, die in Lyras Welt eine hohe Stelle einnimmt. Während sich Panserbjørne, sprechende gepanzerte Eisbären und Hexen leicht magischen Wesen zuordnen lassen, sieht es bei anderen Aspekten schwieriger aus. Erscheinungen wie die Daemonen, Tiere, die zu einer bestimmten Person gehören und ein Teil von ihr sind, wirken auf dem ersten Blick magisch, sie werden allerdings theologisch aufgeladen. Der mysteriöse Staub und die Entstehung von Parallelwelten lassen sich in alle drei Dimensionen einordnen. Darum drehen sich die Beiträge in den kommenden Wochen. Heute werden einige Phänomene nur angerissen, da sie aufgesplittet werden mussten, damit der Beitrag keine Romanlänge annimmt. Der Fokus liegt auf den verschiedenen Wesen und Erscheinungen in Lyras Welt. Bei einer thematischen Auseinandersetzung mit einem Buch ist es unweigerlich, gewisse Aspekte vorwegzunehmen, diese werde ich allerdings für die Nicht-Buchleser*innen kennzeichnen. Bei den erwähnten Spoilern handelt es sich lediglich um das Vorwegnehmen von gewissen Aspekten, Plot-Twist werden nicht thematisiert.

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Daemonen: Die Verkörperung des Inneren Selbst

Zu Beginn des ersten Bandes wird es als ganz natürlich angenommen, dass zu jedem Menschen unabdinglich ein Tier gehört und es folgt keine Erläuterung. Als Leser*in erfährt man nach und nach etwas über sie. Beispielsweise das die Daemonen bei Kindern ihre Gestalt nach dem belieben wechseln können, während dies bei Erwachsenen nicht mehr möglich ist. Diener haben üblicherweise eine Hündin und welche Eigenschaften spricht man Hunden zu? Treue. Und was sollte ein Diener sein? Treu. Hier zeigt sich ein erstes Charakteristikum der Daemonen: Sie spiegeln die Persönlichkeit bzw. einen Teil der Persönlichkeit des Menschen wider. So hat Lord Astriel, Lyras Onkel, eine Schneeleopardin – elegant, würdevoll, einschüchternd, während die mysteriöse Mrs. Coulter einen listigen, bösartigen Affen von beeindruckender Schönheit besitzt. Noch eine Sache zu Daemonen, eine Frau wird niemals einen weiblichen Daemonen haben und ein Mann niemals einen männlichen.

In der Welt von Lyra ist es unvorstellbar, dass Menschen keinen Daemon besitzen, weswegen die Gerüchte, dass die verschleppten Kinder im Norden von ihrem Daemon getrennt werden, auf Angst und Schrecken stößt. Auf ihrer Reise entdeckt Lyra einen kleinen Jungen. Spoiler Anfang. Dieser kauert, mit einem getrockneten Fisch an sein Herz gedrückt, in einem Schuppen. Das einzige, was er von sich äußert ist: „Habt ihr Rogger gefunden?“ Er kann an nichts anderes als an seinen Daemonen denken und als Lyra ihn mit nimmt, verstirbt er kurz darauf. Ohne seinen Daemonen ist es für einen Menschen nicht möglich zu existieren. Spoiler Ende. Deswegen ist Lyra bei ihrer ersten Begegnung mit Will im zweiten Band „Das Magische Messer“ erschrocken. Will stammt aus „unserer Welt“ und hat dementsprechend keinen Begleiter. Lyra bemerkt, dass er anders als die abgeschnittenen Kinder und kommt zu der Schlussfolgerung: Will hat einen Daemon, nur ist er in ihm drin:

„Du hast auch einen Daemon“, sagte sie entschieden. „In dir drin.“ Er wusste nicht, was er sagen sollte. „Ganz bestimmt“. Fuhr sie fort, „sonst wärst du kein Mensch. […] Auch wenn du es nicht weißt, du hast einen Daemon ´ganz bestimmt. Du hast uns zuerst ganz schön erschreckt, als wärst du ein Nachtmahr oder so was. Aber dann haben wir gemerkt, dass du ganz anders bist.“ „Wir?“ „Ich und Pantalaimon. Wir. Dein Daemon ist ja nicht von dir getrennt, er ist du, ein Teil von dir. Ihr seid Teile voneinander. Gibt es so etwas in deiner Welt denn nicht? Sind dort alle wie du, mit einem versteckten Daemon?“ (Band 2, S. 34)

Spoiler Anfang. Erst, als Will ein Teil von sich, seinen Daemon, zurücklassen muss, um mit Lyra ins Land der Tote zu kommen, merkt er, dass Lyra mit ihrer Schlussfolgerung Recht hatte. Für beide ist es schmerzhaft, sie fühlen sich unvollständig und das ändert sich erst mit dem Wiedersehen. Spoiler Ende.

Am Ende des dritten Bandes lernt die Wissenschaftlerin Mary, die aus Wills Welt stammt, ihren Daemon zu sehen, dafür muss sie sich in einen einem bestimmten Zustand versetzten: „Sie musste ihre normales Sehen beibehalten und gleichzeitig in das trane-ähnliche Tagträumen gleiten, in dem sie die Schatten sehen konnte. So wie man die Blickrichtung beider Augen parallel zueinander laufen lässt, um ein dreidimensionales Bild in den Zufallspunktbildern zu erkennen“ (Band 3, S. 576). In diesem Zustand ist ihr möglich, ihren Vogel, eine Alpendohle mit schwarzem Gefieder, roten Beine und einem gelben Schnabel und auch die Daemonen der Menschen um sich herum zu können.

Wie oben in der Einleitung geschrieben, hängen die Erscheinungen des inneres Selbst mit dem Staub und der wiederum mit der theologischen Auslegung der Kirche zusammen, doch das ist ein Aspekt für ein anderes Mal.

Hexen

Wie in den meisten Fantasy Geschichten werden auch die Hexen in His Darkest Materials steinalt, 40 Jahre sind für sie keine lange Zeit (vgl. Buch 1, S. 185). Sie bevorzugen ein ungebundenes Leben, abgeschnitten von den Menschen in Wäldern und die Tundra (vgl. Buch 1, S. 187). Für die Regelungen ihrer Angelegenheiten haben sie ein Konsulat (Ebd.). Das besondere an ihnen ist, dass sie anders als die Menschen über eine große Entfernung von ihrem Daemon getrennt sein können. Statt auf Besen fliegen sie auf Wolkenkiefern: „Sie ritt ihren Wolkenkiefernzweig, als wäre es ein feuriges Pferd, das sie knapp einen Meter vor Lyras staunenden Augen zügelte“ (vgl. Buch 1, S. 339). Eine für die Geschichte wichtige Person ist die lappländische Hexe Serafina Pekkala, auf die ich in einem späteren Zeitpunkt näher drauf eingehen werde.

Panserbjørne

Panserbjørne sind gepanzerte Bären, eine Art Eisbär (vgl. Buch 1, S. 124). Sie können sprechen und leben im hohen Norden. Sie haben Hände wie Menschen, mit denen sie  besonders gut schmieden können. Dafür benutzen sie ein ganz besonderes Eisen, das sie zu großen Platten und Schildern verarbeiten und mit denen sie sich Panzern. Die Rüstung für einen Panserbjørne ist, das, was für einen Menschen ihr Daemon ist. Panserbjørne haben keinen, und einen zu besitzen, ist der größte Wunsch von Iofur Raknison, dem König von Svalbard und ein Usurpator. Gegen die Sitten der Bären lässt er sich einen Palast aus imponiertem Marmor bauen (vgl. Buch 1, S. 35). Panserbjørne halten ihr Wort – und das lernt Lyra bei ihrer Begegnung mit dem abtrünnigen Iorek Byinison, der ein guter Freund von ihr wird.

Alethiometer

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Den Abschluss bildet ein ganz besonderer Gegenstand, den Lyra im ersten Band vom Rektor des Jordan College erhält. Dieser ähnelt einem Kompass oder einer Armbanduhr und hat eine dicke Scheibe aus Messing und Kristall (vgl. Buch 1, S. 85). Wie eine Uhr hat das Alethiomether Zeiger, „die auf dem Zifferblatt in verschiedene Richtungen zeigten, nur, daß statt der Stunden oder Himmelsrichtungen verschiedene kleine Bilder zu sehen waren, gemalt mit außergewöhnlicher Präzision wie mit einem ganz feinen und dünnen Marderhaarpinsel auf Elfenbein“. An dieser Stelle würde ich euch liebend gern ein Bild zeigen, wie es im Film oder in der Serie aussieht, aber leider gibt es da etwas wie ein Urheberrecht.

Das Instrument wird ergänzt von kleinen Bildern – insgesamt sind es 36 Stück. Unter anderem sind ein Anker, einer Sanduhr, ein Messer und ein Schädel abgebildet (Buch 1, S. 92). Mit Rädchen an der Seite kann einer der Zeiger auf ein beliebiges Bild gerichtet werden, die mehrere Bedeutungen besitzen. Das Alethiometer sagt immer die Wahrheit, jedoch müssen dafür die Bedeutungen richtig erschlossen werden, die in einem Buch gesammelt wurden. Wie Fater Coram anmerkt: „Es funktioniert bestimmt, Lyra. Wir wissen nur nicht, ob wir es richtig lesen, denn das ist eine Kunst für sich.“ (S. 164). Lyra, die eins der sechs der hergestellten Alethiometer besitzt, gelingt es mühelos, was ihre besondere Rolle in der Geschichte zeigt. Spoiler Anfang. Ihre besondere Stellung in der Geschichte ermöglicht ihr, das Alethiometer zu lesen, mit dem Abschließen ihrer Aufgabe verschwindet ihre Fähigkeit, und sie muss es systematisch Erlernen und es zu ihrer Lebensaufgabe machen. Spoiler Ende.

Das war Teil 1 meiner Beitragsreihe zu His Darkest Materials, die als Einstieg fungieren sollte, um einige Aspekte später aufzugreifen. In der Buchreihe gibt es eine größere Dimension, unter der alles andere mit einander verknüpft ist. Die Rede ist von einer besonderen Art von Staub, nicht der Hausstaub, sondern eine andere Art, die das Alethiometer antreibt und sowohl mit den Daemonen als auch mit den Parallelwelten zusammenhängt. Ich hoffe, euch nächste Woche wieder begrüßen zu können, wenn es weiter hinein in die faszinierende Welt von His Darkest Materials geht.

 

6 Kommentare

  1. Ich finde das so toll, dass du dir so eine Mühe machst und das alles so ausführlich beleuchten willst! Da bekomme ich gleich noch viel mehr Lust, die Bücher noch mal zu lesen 🙂

    LG Maike

  2. Hallo Nadine,

    danke für deine Erklärungen. Ich habe bisher nur „Über den wilden Fluss“ gelesen und fand es als Stand-Alone-Buch schwierig alles richtig zu interpretieren, wenn man die Ursprungsreihe nicht gelesen hat.

    Liebe Grüße
    Tina

  3. Diese Buchreihe habe ich wirklich sehr, sehr geliebt! Die war unter anderem der Grund, warum ich so viele Jahre lang Nordlichter sehen wollte. 😉
    Ich bin jetzt echt mal auf die Serie gespannt… der Film vor einigen Jahren war ja irgendwie recht enttäuschend…

    • Wörter auf Reise

      Die Nordlichter möchte ich immer noch unbedingt einmal sehen!! Oh ja dieser Film… eine einzige Katastrophe, besonders dieses Ende.

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