Gedankenchaos #1: Über die Bedeutung von Kultur für mich

Vor ein paar Tagen ist mir die Decke auf den Kopf gefallen. Ich konnte mein kleines WG Zimmer nicht mehr ertragen und habe mich kurzerhand entschlossen, doch wieder zu meinen Eltern zu fahren und nicht das Wochenende wie eigentlich geplant in Wuppertal zu verbringen. In diesem Moment habe ich mir die Frage gestellt, warum das so ist. Bisher hatte ich immer das Gefühl, dass ich gut mit mir selbst aus komme, nicht ständig Menschen um mich herum brauche. Wäre keine Pandemie und mir wäre meine Wohnung zu einengend, wäre ich an den Abend ins Kino gegangen, Samstag hätte ich die Ausstellung zu Grafik Design aus Paris aus den Goldenen Zwanzigern in Köln besucht – wahrscheinlich alleine, da meine Freunde meine Faszination für die Roaring Tweenties nicht teilen. Aber das hätte mir nichts ausgemacht, ich hätte mir ein schönes Wochenende mit mir selbst verbracht, hätte neue Energie getankt und wäre froh gewesen, den Sonntag alleine zum Schreiben zu nutzen.

Aber das ist aktuell nicht möglich und ich merke, wie die Pandemie auf meine Psyche drückt. Darein spielt, dass ich Online-Uni habe, zu Hause rum sitze, mir ein Alltag fehlt und ich dadurch ins Grübeln gerate. Und Ablenkung ist davon zurzeit auch schwierig, denn Ablenkung bietet mir Kultur. Ich verkrieche mich gerne in mein Zimmer, lese, schaue Serien und Filme, schreibe, nur muss ich irgendwann raus kommen. Wenn ich nur noch mich mit mir selbst beschäftige und zu Hause bin, gerate ich in Gedankenkarussell, aus dem ich nur schwer rauskomme. Ich benötige Urlaub vor mir selbst und das bietet mir Kultur. Für ein paar Stunden wird mein Handy auf Seite gelegt, meine Gedanken sind nicht bei mir selbst, sondern bei dem Film im dunklen Kinosaal, bei dem Theaterstück auf der Bühne, bei nspirierenden Bildern im Museum oder beim Feiern in der Menge auf einem Konzert vollständig weg.

Das ermöglicht mir, mich für ein paar Stunden nicht mit mir selbst zu beschäftigen. Es gibt euch eine Korrelation zwischen Stress und Kinobesuchen. Auch wenn viele den Kopf schütteln mögen, wenn ich viel um die Ohren habe, gehe ich vermehrt ins Kino, weil es mich runterbringt. Ich liebe auch dieses euphorische Gefühl, wenn man erschöpft und gleichzeitig voller Energie ein Konzert besucht, oder wenn einem ein Film, Theaterstück, eine Oper begeistert hat. Ich weiß noch, wie ich letztes Jahr in Carmen war und danach so glücklich war und die nächsten Tage von nichts anderem geschwärmt habe.

Für mich war das auch immer der größte Pluspunkt der Stadt, die Auswahl an kulturellen Angeboten innerhalb Wuppertals, aber auch gerade nach Köln mit der guten Anbiendung. Ich habe mich immer gerne geschaut, wo was angebunden wird. Auch wenn es schön ist, sich ein Interview eines Autors, einer Autorin vom Bett auszusehen, fehlt mir die Unmittelbarkeit, die Person vor sich zu sehen, die Atmosphäre, die Energie um einen herum. So stark ich Trübsal blasen kann, so kann ich mich für Kultur begeistern. Es inspiriert, lenkt die Aufmerksamkeit auf andere Dinge und anschließend freue ich mich danach darauf, die nächsten Tagen mein WG-Zimmer nicht zu verlassen und das Erlebte zu vereinbaren.

Ich bin mir nicht sicher, auf was das Ganze hier hinausläuft, deswegen auch die Überschrift Gedankenchaos. Es ist eine neue Blog-Kategorie von mir, wo ich das herausschreibe, was mir im Moment im Kopf herumgeistert. Was haltet ihr davon? Interessiert es euch oder nicht? Wie ihr merkt, für mich und mein eigenes Wohlbefinden ist Kultur sehr wichtig, ich könnte eher auf meinen Jahresurlaub verzichten, als  ein vollständiges Jahr auf Kino, Konzerte ect. zu verzichten. Wie ist es bei euch? Wie geht es euch in der Pandemie? Was vermisst ihr? Lasst es mich gerne in einem Kommentar wissen.

 

 

9 Kommentare

  1. Das Chaos kann ich verstehen. Ich lebe ja auch bewußt in der Stadt, weil sie mir alle Möglichkeiten bietet, um mich abzulenken. Kinos, Konzerte, Ausstellungen, etc. Wenn es das alles nicht gibt, fehlt mir etwas. Dann könnte ich tatsächlich auch irgendwo auf dem Land leben, was ich ja eigentlich nicht will. Im Moment bin ich jedenfalls noch ziemlich froh, dass München auch so viele Parks bietet, dass man immer mal raus kann. Auf Dauer – und vor allem jetzt im Winter – ist das dann aber vielleicht auch zu wenig.

  2. Ich finde Kultur unglaublich wichtig und dein Beitrag macht nur deutlich, welche wichtige Funktion sie in unser aller Leben einnimmt. In meinen Augen sind solche Einrichtungen systemrelevant – nicht nur weil sie Flucht aus der Realität darstellen, sondern weil in Film, Theater, Kunst usw. auch immer politische Botschaften stecken und gesellschaftliche Kritik geübt wird. Das ist unfassbar wichtig und es wäre schade, wenn solche Dinge wegfallen. Ich kann also echt nur hoffen, dass Kinos, Theater, Museen, Galerien bzw. die komplette Kultur- und Veranstaltungsbranche diese Zeit überleben. Gerade die kleinen Künstler haben es derzeit schwer und müssen ums Überleben kämpfen. Ich vermisse den öffentlichen Diskurs dazu, denn er wäre so wichtig. Ich finde es auch traurig, wenn Menschen angegriffen werden, nur weil sie öffentlich äußern das sie Konzerte, den Gang ins Kino oder ins Theater usw. vermissen. Jeder hat das Recht das auch mal zu artikulieren und sich das mal von der Seele zu reden und für viele ist das ja eine Möglichkeit runterzukommen, abzuschalten und sich etwas Gutes zu tun, dass sollte nicht überschätzt werden. Ich denke die Kommunikation darüber würde vielen helfen, weil man dann sieht dass man damit nicht allein ist und sowas immer hilft.

    Und für die Künstler ist es wie gesagt richtig schwer – dass da auch gar kein Diskurs stattfindet, finde ich sowieso extrem schlimm. Ich habe wie gesagt auch Menschen in meinem Freundeskreis die das direkt betrifft und den nun einiges an Einnahmen wegbrechen. Vor allem Solo-Selbstständige haben es gerade schwer, da hoffe ich das sich da noch was ändert.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Nadine,
    Du hast bei OC dann auch nicht viel verpasst, nach S2 war das qualitativ auch schwierig und somit nicht überraschend, dass die vierte Staffel dann auch die letzte war. Ich bin ja froh dass ich dadurch Adam Brody, Rachel Bilson und Ben McKenzie entdeckt habe und dazu hatten einige Schauspieler da ihren Durchbruch. Ziemlich lustig die dort in ihren ersten Rollen zu sehen :D. Bei Lost ist es vilt. auch besser, wenn man das in einem Rutsch schaut, ich glaube man versteht dann zwar trotzdem nicht alles, aber bei mir war wie gesagt ein Problem, dass die Pausen bei der Free TV Ausstrahlung echt lange waren und man war dann komplett raus. Ich hatte die Serie jetzt nicht auf DVD – aber ja: Gerade im Zeitalter der DVDs war das mit den 22 Folgen ne schöne Sache, weil sie nicht billig waren und man dann doch viel für das Geld bekommen hat. Ich hatte meine Freude ja mit One Tree Hill, dass ich über die DVDs aufgeholt habe und komplett so geschaut habe, da war ich doch dankbar für die 22 – 23 Folgen pro Staffel, weil ich doch einiges zu gucken hatte und sich der Kauf gelohnt hat. OTH ist auch so ne Serie, wo man Füllerepisoden vergeblich sucht, da passten die Episoden auch erzählerisch.

    How I Met Your Mother habe ich auch nie komplett gesehen, habe ja so meine Probleme mit Comedy und irgendwie hat mich die Serie nie ganz abgeholt :D. Aber was ich auch gesehen habe: Türkische für Anfänger. Weiß aber nicht, ob ich die heute ebenfalls noch so positiv bewerten würde wie damals.

  3. Hallo Nadine,
    ich empfinde ähnlich wie du. Seit die Pandemie hier in Deutschland ihr Unwesen treibt, bin ich nur noch zu Hause bei meinen Eltern. Mein kleines Wohnheimzimmer reizt mich überhaupt nicht. Es ist eh niemand da. Das gesamte letzte Semester war ich nur 1x dort – schade um die Miete, aber psychisch ist es für mich kaum auszuhalten, dort allein herumzusitzen. Zwar bin ich gern allein und muss nicht unbedingt jeden Tag rausgehen, ich brauche keine Party am Wochenende, um es als „gelungen“ zu bezeichnen, aber…sobald ich alleine bin, weil es nicht anders geht, fällt mir die Decke auf den Kopf.

    Ich merke auch immer mehr, wie sehr mir die Kultur fehlt. Museen (schon im ersten Lockdown haben wir eine wunderbare Ausstellung verpasst, im zweiten nun genau das Gleiche), Konzerte oder wenigstens die Gewissheit, ich könnte auf eins gehen, wenn ich wollte; allein die (nicht stattfindenden) Aufführungen meiner Musikschule fehlen mir und es tut mir leid für all die Kulturschaffenden, die tolle Dinge in einer kleinen Nische machen und es nun schon seit Monaten nicht mehr können.

    Und gleichzeitig ist da diese Wut auf diese Quer“denker“, die alles, aber auch alles dafür tun, dass diese schlimme Situation noch möglichst lange anhält und noch mehr Existenzen zerstört werden. Es ist zum Verzweifeln.

    Ich hoffe, dass das alles bald wieder vorbei ist.

    Liebe Grüße,
    Isa

  4. Liebe Nadine,

    ich bin eher der introvertierte Mensch und bin lange gut klar gekommen. Kultur erfahre ich dank online Angeboten von Museen, meinen Büchern und Serien auch zu Hause. Was mir aber immer mehr zusetzt ist die Unzuverlässlichkeit des Morgen. Ich habe zwei Kinder in der Kita, eines in der Grundschule, eines auf dem Gymnasium. Nie weiß ich, ob alle Einrichtungen am nächsten Tag noch offen haben, ob meine Kinder gesund wieder nach Hause kommen, ob sich von einem auf den anderen Moment alles ändert. Dass mein Mann auch im Schulwesen arbeitet spielt da mit rein. Die Situation im März war vergleichsweise einfacher, da wir eben alle zu Hause geblieben sind. Jetzt sind wir alle täglich dem Risiko ausgesetzt und jedes Mal wenn es heißt, wir sollen doch vernünftiger sein und soziale Kontakte meiden, schüttle ich nur den Kopf. Das widerspricht dem, was wir machen müssen so dermaßen. Diese Zerrissenheit belastet sehr. Noch dazu gibt es immer wieder sich widersprechende Handlungen.
    Natürlich vermisse ich auch meine Freund:innen, das Rausgehen und die Spieleabenden, aber was mich wirklich fertig macht, ist es, ein Spielball zu sein. Dass die Leben meiner Kinder und meines Mannes für die Wirtschaft aufs Spiel gesetzt werden und meine eigene Arbeit quasi permanent auf dem Spiel steht.

  5. Hallo,

    ich verstehe dich sehr gut. Zwar bin ich nicht der Typ für Ausstellungen oder Theater und gehe auch sehr selten ins Kino, aber ich liebe, liebe, liebe Konzerte. Normalerweise bin ich im Durchschnitt auf 1-2 Konzerten pro Monat und es bricht mir das Herz, dass es so lange nicht mehr möglich war. Für mich ist das ein perfekter Ausgleich zum Alltag, weil man wirklich den Kopf komplett ausschalten kann und es nichts mehr gibt außer Musik und Bewegung. Man kann einfach mal alles rausschreien und ich bin nie so glücklich wie in einer verschwitzten Menschenmenge.
    Obwohl viele das nicht nachvollziehen können, ist das wirklich das, was mir dieses Jahr am meisten gefehlt hat. Momentan werden ja wieder vermehrt Konzerte angekündigt und ich hoffe so sehr, dass sie nächsten Herbst tatsächlich wieder ganz normal stattfinden können.

    Liebe Grüße!

  6. Wörter auf Reise

    Liebe Eva-Maria,
    danke dir für deinen langen Kommentar und deine Gedanken zu dem Thema. Wenn man im Berufsleben ist und dazu Kinder hat, ist es natürlich eine ganz andere Situation. Bei mir ist die Uni online, in dem Sinne habe ich Glück und bin privilegiert, mich zurückzuziehen zu können. Habe immer im Vorfeld gedacht, dass ich eher eine introvertierte Person bin, mittlerweile merke ich aber, wie stark ich auch einen Alltag und Abwechslung benötige, um nicht ins Grübeln zu haben. Die aktuelle Situation empfinde ich zunehmend als beängstigend und wenn man dann noch im Berufsleben diesem Risiko ausgesetzt ist, dann ist das scheiße. Ich hoffe, dass du jetzt im Lockdown mit geschlossenen Schulen wieder ein wenig Luft zum Atem bekommst und wünsche dir und deiner Familie, dass ihr trotz dieser aktuellen Pandemie eine schöne Weihnachtszeit habt.
    Alles Liebe
    Nadine

  7. Wörter auf Reise

    Danke dir für dein langen Kommentar. Kann dir da auch nur zu stimmen. Denke, dass Kultur Einrichtungen erst wieder im März anfangen werden zu öffnen, hoffentlich bekommen da die Beteiligten finanzielle Unterstützung. Kann mich ja über die Beträge der Autoindustrie und der Lufthansa ja aufregen, und Kultur geht, weil sie keine große Lobby haben, leer aus.

    Himym musste ich wegen einer Freundin schauen, die die Serie liebt, mochte sie aber dann auch 😀 Aber das mit Comedy kenne ich.

  8. Wörter auf Reise

    ja Winter ist dann noch mal eine andere Sache, außer Spazierengehen geht da nicht viel.

  9. Wörter auf Reise

    So wie dir geht es mir mit Konzerten auch, nirgendwo kann ich so gut den Kopf abschalten wie beim Abgehen in der Menschenmenge zur Musik. Irgendwie ist das ganze total surreal mittlerweile, so enger Kontakt, Körperflüssigkeit am Körper von fremden Menschen? Mittlerweile genügt mir schon der Kontakt beim Einkaufen. Ich hoffe sehr, dass nächstes Jahr im Herbst Konzerte wieder möglich sind!
    Alles Liebe
    Nadine

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