Droht das Ende der Kinos?

Seit Montag sind die Kinos wieder geschlossen. Nichts mit Kajillionaire, den ich eigentlich diese Woche sehen wollte oder mit dem deutschen Film Und morgen die ganze Welt, der gerade erst seinen Start hatte und nur vier Tage lief, bevor im November die Kulturbranche in den Schlaf versetzt wurde. Und wie geht es im Dezember weiter? Werden die Kinos wieder geöffnet oder nicht? Auf jeden Fall wird es große Blockbuster erst einmal nicht geben. Der neue Bond-Film wurde auf den April 2021 verschoben und Dune wird sogar erst im Oktober auf der Leinwand zu sehen sein. Dazu kommt, dass Disney sich vermehr auf Streaming konzentriert. Wie schon Mulan wird auch der neue Pixar-Film Soul am 25 Dezember direkt bei Disney Plus starten – dieses Mal aber ohne Zusatzgebühren. Ist Streaming die neue Zukunft? In den USA sind die Filme des Hollywood-Studios Universal Pictures bereits 17 Tage nach Kinostart für 15 bis 20 Euro online leihbar. Was bedeutet diese Entwicklung für die Kinos?

Weniger Besucher*innen und große Verluste

Corona hat die Kinobranche hart getroffen. So gingen nach Angaben der Filmförderungsanstalt (FFA) im ersten Halbjahr die Ticketverkäufe um 51,7 Prozent auf 25,9 Millionen verkaufte zurück, der Kinoumsatz um 52,3 Prozent auf 220,1 Millionen Euro. Zwischen März und Juni sorgten Autokinos dafür, dass die Zahlen nicht noch weiter abfielen. Während es im vorherigen Jahr 21 Autokinos gab, die 900.000 Euro Umsatz machten, waren es dieses Jahr 485 Autokinos mit Einnahmen  von 14,4 Millionen Euro (FFA 2020). Mit Wiederöffnung der Kinos blieben die Besuchs- und Umsatzergebnisse hinter denen aus Januar und Februar zurück. Im Vergleich zum Vorjahr kamen 75 Prozent weniger Besucher*innen in die Kinos (Sterneborg 2020).

Die Zahlen im Ausland sehen nicht besser aus und so hat Cineworld, die zweitgrößte Kino-Gruppe der Welt auf unbestimmte Zeit in Amerika und Großbritannien 650 Kinos geschlossen. Ebenfalls sei für die größte Kinokette AMC, zu der in Deutschland die UCI-Kinos gehören, das Bestehen unter den aktuellen Bedingungen nicht über das Jahresende hinaus gesichert (Ebd.). Auch in Deutschland befürchtet der Kinoverband ein großes Kinosterben und es kam zu vereinzelten Schließungen wie dem Stuttgarter UFA-Palast. Zudem sei der Erfolg der Überbrückungsgelder nicht immer gewiss. Für den November sollen neue Hilfsmittel folgen. Die Landesregierung unterstützt den Medienstandort NRW mit dem Kino-Hilfsprogramm „Film ab NRW“ mit 15 Millionen Euro.

Ansteckungsgefahr im Kino ist gering

Viele Menschen haben Sorge, sich im Kino mit Corona zu infizieren. Doch wie hoch ist die Gefahr wirklich? Laut einer Untersuchung des Hermann-Kietschel-Instituts der Technischen Universität Berlin, die im Auftrag des Hauptverbandes Deutscher Filmtheater (HDF) erstellt wurde, ist eine Ansteckung im Büro wahrscheinlicher, die Aerosole sind in Kinosälen meist geringer (während des Films wird auch nicht geredet). Dies sei auch der Fall, selbst wenn 10 Prozent der maximal zulässigen Kinobesucher*innen infiziert sind

Eine ausführliche Recherche gibt es von Celluloidjunkie, dem Londoner Onlineportal für die internationale Film- und Kinowirtschaft, die zum folgenden Fazit kommen: „So let us repeat for clarity, despite over a hundred million visits to cinemas across the world since the start of the COVID-19 pandemic, not a single outbreak has been traced to any type of cinema„. Bisher gibt es keinen einzigen Corona Fall der auf einen Kinobesuch zurückzuführen ist, dennoch, eine 100 Prozentige Sicherheit gibt es nie, weswegen ich Unsicherheit verstehen kann, gerade wenn man zur gefährdeten Gruppe gehört.

Eigene Kinoerfahrung

Ich war seit der Wiedereröffnung sechs Mal im Kino und kann von keinen negativen Erfahrungen berichten – und ich bin eine ausgesprochen ängstliche Person. Bei Berlin Alexanderplatz war ich mit einem Freund im größten Saal fast alleine und die anderen zwei Personen saßen gefühlt „kilometerweit entfernt“ von uns. Auch bei den anderen Filmen waren nur wenige Leute im Saal. Einzige Ausnahme bildete da Tenet, weswegen ich mich hier für einen Platz in der letzten Reihe entschied, um niemanden im Nacken sitzen zu haben. Ich habe die Zeit vor der Leinwand jedes Mal genossen. Zwar wurden auch in der Öffnungsphase der Kinos viele Blockbuster verschoben, doch liefen viele kleinere interessante Produktionen, wie zum Beispiel Niemals Selten Manchmal Immer.

Tenet: Mehr als eine Millionen Besucher*innen in Deutschland

Dass der Wunsch nach Kinos da ist, hat – wie ich finde – Tenet gezeigt. Das weltweite Einspielergebnis liegt bei 207,5 Millionen Dollar (Stand 18. September). Damit sind es nun schon 250.000 Tickets als für Nolans vorherige Film Dunkirk (Filmstarts  2020). Der Film hat jedoch mehr als 200 Millionen Dollar gekostet und benötigt, um grüne Zahlen zu schreiben, etwa 500 Millionen Dollar. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass viele Kinos in der USA nicht geöffnet waren, so etwa keine in Los Angeles und New York (Filmstarts 2020). In Deutschland hingegen knackte er die eine Million Besucher Marke.

Streaming statt Kino?

Das Gefühl, dass Kinos liefern, kann Streaming nicht geben, daher betrachte ich die Entwicklung von Disney als negativ. Unter den erfolgreichsten Filmen der letzten Jahre waren viele Familienfilme wie beispielsweise die Eiskönigin 2.  Dennoch glaube ich nicht, dass Disney künftig auch sämtliche Marvel Filme nur noch auf ihrer Streaming-Plattform zeigen wird. Weiterhin hoffe ich, dass Filme in Deutschland nicht wie in der USA schon nach 17 Tage nach Kinostart online verfügbar sind. Ich finde den Zeitraum zu kurz. Nicht immer hat man Zeit, direkt in der ersten Woche ins Kino zu gehen. Und zeitweise brauchen Filme Zeit, um Besucher*innen anzulocken. Sind Kinobesuche im Vergleich zu Prime und co zu teuer?  2019 lag der durchschnittliche Kinoeintrittspreis in Deutschland bei rund 8,63 Euro. 2003 und 2004 betrug es noch 5,70 Euro. Also ja, Kinopreise sind gestiegen, dennoch kommt es aber auch immer drauf an, wann und wo man ins Kino gehen kann. Es gibt Programmkinos, bei denen sich der Eintritt zwischen 5 bis 7 Euro an speziellen Kinotagen befindet. Anders sieht es natürlich bei Familien und Menschen aus, die nur am Wochenende gehen können.

Mein Fazit

Droht das große Kinosterben oder nicht? Es ist nicht zu leugnen, dass die Zeit für Kinos schwer ist und Insolvenzen einiger Kinos nicht unwahrscheinlich sind. Dennoch habe ich die Hoffnung, dass dies mit Hilfsmaßnahmen verhindert werden kann. Daher glaube ich nicht an das von einigen Leuten prophezeite „Aus“ der Kinos. Eine Veränderung der Kinos ist gut möglich. Wie diese aussehen wird, werden wir in den kommenden Jahren sehen. Auch das Fernsehen hat Kino nicht wegbekommen und Kinos nicht das Theater. Es ist etwas anders, ein Theaterstück auf der Bühne zu sehen, einen Film im Kino zu schauen oder sich zu Hause Netflix anzumachen. Alles kann nebeneinander existieren.

Wer hat daheim einen riesigen Fernseher und eine große Soundanlage? In meinem kleinen WG-Zimmer ist dafür kein Platz. Und wenn ich ihn hätte – das Kinogefühl ist ein anderes. Fern von Ablenkung kann man dort sich ganz auf den Film konzentrieren, die dort einfach besser wirken. Nicht nur große Actionfilme, auch kleine Dramen versprühen ihre volle Wucht am besten auf großer Leinwand. Und vielleicht wäre das eine Idee, wenn die Kinos wieder geöffnet werden, sich nach kleineren Produktionen umzusehen und Filmen eine Chance geben, die man sich sonst vielleicht nicht angesehen hätte.

Ihr liebt Kino so sehr wie ich? Schaut auch gerne bei meinem Kino-TAGKino-TAG vorbei. Dort gibt es Fragen zu den schönsten und nervigsten Momenten, zum ersten Kinofilm uvm. Macht auch gerne mit 🙂

Nachtrag 11.11.2020: War ich zu optimistisch? Bei der Westdeutschen Zeitung ist ein Artikel erschienen, worin es darum geht, dass es um die Kinos in Wuppertal nicht gut steht.

Was ist eure Meinung zu dem Thema? 
Droht das Ende der Kinos oder nicht?
Ward ihr seid Corona wieder in den Kinos?

Lasst es mich gerne in einem Kommentar wissen.

2 Kommentare

  1. Ich bin ja ein großer Fan vom Kino. Und auch wenn ich selbst einen großen Fernseher habe, im Kino ist das trotzdem noch ein anderen Erlebnis.

    Aber das ganze ist ja nun mal ein Geschäft. Wenn sich die Kinoauswertung rechnet, wird sie auch bleiben, ganz einfach. Und ich glaube, dass ein Film, der im Kino ausgewertet wurde, zum einen dort schon weiterhin ordentlich Geld verdienen kann (wenn er erfolgreich läuft) und zum anderen auch im Nachgang, im Home Entertainment Vertrieb und danach in den nächsten Jahren (Jahrzehnten) auch in der TV-Lizenzierung noch mehr Geld einbringen kann, als wenn ein Film irgendwo auf einem Streaming-Anbieter landet. Der großen Kampagnen und Berichterstattung rund um die Kino-Premiere sei dank. Das ist ja bei den klassischen TV-Filmen auch so – die erwischen beim ersten Mal vielleicht noch ihr Publikum, aber danach sind sie auch schnell vergessen. Oder hat sich zuletzt mal jemand noch ein Netflix Original von 2016 oder 2017 angeschaut?

    Außerdem hoffe ich weiterhin, dass auch die Kreativen selbst darauf bestehen, Filme für die große Leinwand zu machen!

    Zu den aktuellen Kinoschließungen selbst: Den Kinobesuch halte ich auch für unproblematisch. So entspannt wie in den letzten Monaten war das Kinoerlebnis ja lange nicht mehr! Ob sich das in dieser Form für die Kinobetreiber und die Verleiher gelohnt hat, sei mal dahin gestellt. Das größere Problem ist wohl eher der Weg ins Kino und zurück – und solche Wege in der Freitzeit solle man sich zur Zeit ja leider besser sparen.

  2. Du weißt ja das ich auch nach der Öffnung der Kinos wieder im Kino war und mich da deiner Meinung anschließe: Ich, aber auch meine Eltern, wir haben uns durchweg sicher gefühlt und es wurde sehr auf die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geachtet. Dazu hatte ich auch im Kinosaal genügend Abstand zu anderen Besuchern. Aber interessant, dass das auch Studien belegen. Generell finde ich die erneute Schließung von Kinos auch schwierig und hätte mir da doch gewünscht, dass man sich da nach den Fakten richten, doch an das große Kinosterben glaube ich nicht. Ich denke, dass es eben für kleine Kinos schwierig sein wird, da werden wohl leider einige Insolvenz anmelden müssen, was ich schade finde, weil gerade solche Kinos immer ihren ganz eigenen Charme haben, während ich mich um große Ketten wie Cinemaxx nicht Sorge, die werden es durch die Krise schaffen. Jedoch denke ich auch, dass das Kino sich verändern wird, finde aber auch dass sowas ganz normal ist. Die Welt entwickelt sich immerhin konstant weiter und gerade wenn man sich die Mediengeschichte anbelangt, gab es da ständig „kulturelle Revolutionen“, bei denen immer pessimistisch behauptet wurde, dass das Fernsehen ja die Radiosender ablösen wird, das Internet Printmedien, Streaming das klassische lineare TV, E-Books die gedruckten Bücher usw. Ganz so radikal fiel der Wandel dann nicht aus, sondern die Branchen haben sich verändert und eben angepasst. Das Kino wird das auch tun müssen.

    Was ich aber auch nicht glaube, dass Marvel-Filme nicht mehr im Kino laufen. Allein wenn man sich „Avengers: Endgame“ anschaut und was für ein Erfolg das an den Kinokassen war, dürfte dieser Gedanke vom Tisch sein. Bei kleineren Filmen, kann ich mir aber schon vorstellen, dass Disney verstärkt auf Disney+ setzt, einfach weil die Gewinne dann ganz allein Disney gehören und am Ende ist das ganze eben ein wirtschaftliches Geschäft und jedes Unternehmen versucht das meiste für sich selbst rauszuschlagen. Bei Universal ist es aber auch so, dass nicht jeder Film direkt nach 17 Tagen angeboten werden muss, die können das nach Ablauf der Frist wohl selbst entscheiden welche Filme sie dann schon zum leihen anbietet und welche nicht. Kann mir nicht vorstellen, dass ein Jurassic World, der im Kino wsl super laufen wird, dann direkt nach 17 Tagen für 20€ geliehen werden kann. Schon allein, weil man mit so einem Film wohl im Kino dann auch wesentlich mehr Umsatz einfährt, wenn jeder ein Ticket kaufen muss und sich nicht als Gruppe zusammenschließt.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Nadine,
    ja das dachte ich mir auch. Wie schnell da mittlerweile die Entscheidungen getroffen werden, echt heftig. Habe die erste Staffel bisher nicht gesehen, kann also die Qualität nicht beurteilen, aber wenn das mit Cliffhanger endet, lohnt sich das nun ja auch nicht mehr.

    Danke für den Film-Tipp. Da werde ich dann wohl definitiv mal reinschauen. Gibt ja auch immer mal ein paar gute heimische Filme, ich kann wie gesagt „Der Vorname“ empfehlen und „Ballon“, die hatten mir in letzter Zeit sehr gut gefallen.

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