Serien-TAG: Die besten Serien des letzten Jahrzehnts

Streaming Dienste wie Prime und Netflix verändern unser Serienverhalten. Während es Anfang der 2000er noch üblich war, eine Woche auf eine Folge seiner Lieblingsserie zu warten, ist man heutzutage gewöhnt, eine Staffel in einem Rutsch schauen zu können. Während ich früher noch DVDs kaufen musste, ist dies nur noch selten der Fall. Statt dieselben Serien rauf und runter zu schauen, ist die Auswahl mittlerweile größer, als die uns zu Verfügung stehende Zeit. Wir leben im goldenen Zeitalter der Serien, wie man gerne sagt. Das Budget steigt – und damit die Qualität. Serien sehen immer hochwertiger aus und begeistern große Fangemeiden. Um meine Favoriten der letzten Jahre dreht sich der heutige Beitrag.

Eine Serie mit der besten Entwicklung: Teen Wolf

Teen Wolf habe ich damals im Fernsehen nur auf Empfehlung von Freunden angefangen und da die Auswahl damals nicht allzu groß war, schaute ich weiter. Und zugegeben, der ersten Staffel sieht man sein geringes Budget an. Wenn sich die Schauspieler in Werwolfe verwandeln, ihnen ein paar Haare wachsen, sieht es ziemlich lächerlich aus. Die Effekte sind nicht das, was man mittlerweile von den ganzen hochproduzierten Serien auf dem Markt kennt. Jedoch punktete Teen Wolf in Sachen Humor. Grund dafür war Dylan O`Brien als Stiles, dem eigentlichen Star der Serie, der als Scotts besten Freund immer einen witzigen Spruch auf die Lippen hat und immer ein bisschen verpeilt ist.

Die Qualität nimmt zur zweiten Staffel zu, die schauspielerische Leistung verbessert sich und man merkt das zunehmende Budget. Der Höhepunkt mündet in der dritten Staffel, in der die Leichtigkeit der High-School Geschichte hinter sich gelassen wird. Es wird düsterer und Dylan O´Briens liefert seine beste Leistung ab. Zudem tummeln sich in Teen Wolf, die mir in anderen Serien der Art nicht begegnet sind, wie Kanimas, Banshees, Nogitsunes und vieles Weiteres. Dazu sind in der Jugendserie Liebesdreiecke Fehlanzeige und falscher Männlichkeit wird Adieu gesagt. Gibt der Serie eine Chance und lasst euch von der ersten Staffel nicht abschrecken. Alle Staffeln sind bei Prime verfügbar.

Eine Serie, die am witzigsten ist: Rick and Morty

Von Rick and Morty habe ich in den letzten Jahren wiederholt eine Folge gesehen, immer mal wieder beim Essen oder wenn ich etwas Witziges benötigte. In der US-amerikanischen Zeichentrickserie folgt man dem exzentrischen Wissenschaftler Rick und seinem etwas dümmlichen Neffen Morty auf eine Reihe verrückter und schräger Abenteuer durch verschiedene Dimensionen, die voller Kreativität trotzen und zeitweise extrem abgedreht sind (ein Freizeitpark innerhalb eines Obdachlosen?!). Dazu gibt es eine Menge Popkulturelle Referenzen (Inception, Zurück in die Zukunft, Mad Max- The Fury Road). Rick and Morty ist eine Serie, die, wenn des Englischen mächtig ist, unbedingt sich im Original anschauen sollte, den Justin Roiland spricht beide Protagonisten so verdammt gut, dass die Synchronisation da einfach nicht mit halten kannIhr findet sie bei Netflix.

Eine Serie, die dein persönlicher Liebling ist:

Schwierig, schwierig, hier könnte ich einige nennen. Doch da ich auf einer meiner Lieblingsserien später zu sprechen komme, entscheide ich mich für Downtown Abby. Das Historiendrama über die englische Adelsfamilie Crawley habe ich letztes Jahr für mich entdeckt und mit meiner Begeisterung auch meine Eltern angesteckt, sodass wir verregnete Samstage mit einigen Folgen verbracht haben. Die Serie beginnt 1912 mit dem Untergang der Titanic und man begleitet die Adelsfamilie und ihre Dienstboten über elektrisches Licht, über den Ersten Weltkrieg und die Spanische Grippe in die Moderne. Dabei nimmt sich die Serie für jede Figur Zeit, sodass man ihre Beweggründe erfährt, und sie nicht als rein böse dargestellt werden. So gab es einige Figuren, die ich gleichzeitig gemocht habe und von denen ich gleichzeitig oft genervt war. Downtown Abby ist voller Dramen und Intrigen, gleichzeitig ist sie zu einer Wohlfühlserie geworden, die ich bestimmt noch öfter schauen werde. Maggie Smith hat als Violet Crawely Kultstatus erlangt, ihre Dialoggefechte mit Penelope Wilton als Isobel Crawley waren jedes Mal ein HighlightStaffel 1-6 sind nur noch bis zum 15. April in Prime erhalten. 

Eine Serie mit interessanten Figuren:

Hier hätte ich auch Downtown Abby nennen können, da ich sie oben schon erwähnt habe, fiel meine Wahl auf Orange is the New Black, obwohl ich hier immer noch nicht die letzte Staffel gesehen habe. Orange is the New Black spielt in einem Frauengefängnis und beleuchtet immer mal wieder die Hintergrundgeschichten der einzelnen Figuren und warum sie ins Gefängnis gelandet sind. Die Serie ist witzig, hat starke, vielschichtige Frauenfiguren und kritisiert an einigen Stellen auch das amerikanische System. Mit sieben Staffeln auf Netflix abgeschlossen.

Eine Serie, die dich schauspielerisch beeindruckt hat: True Detective

True Detective hätte ich auch als persönlicher Liebling auflisten können, denn die erste Staffel der Serie wird bei mir einmal im Jahr geschaut. Staffel 2 und 3 habe ich nie gesehen, weil ich Angst hatte enttäuscht zu werden, weil die erste Staffel so großartig ist. Es ist eine Anthologie Serie und somit stehen die Staffeln für sich. Dadurch fühlt sie sich auch mehr wie ein langer Film an und eignet sich perfekt zum Bingen. Die Serie verknüpft zwei Zeitebenen miteinander. Die Polizei von Louisiana befragt die beiden ehemaligen Polizisten Martin Hart und Rust Cohle zu einem alten Fall, da die Unterlegungen dazu fehlen und der Mord Parallelen zu einem neuen aufzeigt. Daneben gibt es die Ebene, wo beide versuchen, einen Serienmörder zu schnappen. Schauspielerisch brillieren McConaughey und Harrelson in ihren Rollen. Es gibt viel Dialog, der nie langweilt, sondern der einen packt. Die Serie lässt sich Zeit, um düstere Atmosphäre zu entfalten, dazu trägt die phänomenale Kameraarbeit und der Soundtrack bei. Neben dem Fall geht es gerade um die Freundschaft des ungleichen Teams, um die Beziehung der beiden und was vorgefallen ist, das sie in Zukunft zerstritten sind. McConaughey lässt hier seine seichten Komödien hinter sich und geht komplett im Nihilisten Cohle auf, der in den Gegenwartsszenen völlig fertig aussieht. Die beiden großartigen Darsteller ergeben zusammen mit der intelligent in ineinander verwobenen Ebenen, gut geschriebenen Dialogen und der packenden Atmosphäre eine perfekte Serie.

Foto von Nicole (Smalltownadventures), Urheberrecht: Warner Home Video

Eine Serie mit der schlechtesten Entwicklung: Game of Thrones

Bei keiner anderen Serie habe ich so hin gefiebert wie bei Game of Thrones. Lange Zeit war sie meine unangefochtene Lieblingsserie. Das Wordbuilding von George R. R. Martin war bis ins kleinste Detail ausgebaut und ich habe Hintergründe zur Welt und den Figuren aufgesaugt, die in Game of Thrones nie sicher waren. Hauptcharaktere starben am Fließband. Es gab Brutalität, Überraschende Momente, Actionszene und treffsichere Dialoge. Dann kam die siebte Staffel, die schon ein paar Schwächen aufwies und schließlich die achte Staffel. Während die zweite Folge mir Hoffnung gab, dass die Serie doch ein gutes Ende nehmen wird, wurde sie mit der großen Schlacht eine Folge später zerstört. Ab da ging es immer mehr den Bach herunter, Hollywood-Moves, ein Jon Snow ohne Persönlichkeit, Figuren Entwicklungen ohne Sinn, Handlungslöcher und als Höhepunkt das miserabelste Serien Ende. Dabei war Potenzial da, nur haben David Benioff und D.B. Weiss Game of Thrones in ein viel zu übereiltes Ende geführt.

Eine Serie mit der größten sozialen / gesellschaftlichen Relevanz: Crazy Ex Girlfriend

Über psychische Erkrankungen wurde lange Zeit nicht geredet. In den letzten Jahren hat es sich etwas geändert, jedoch ist es oft immer noch mit einem Tabu belegt und in einigen Köpfen liegen noch Vorurteile vor. Umso wichtiger ist es, dass Mental Health auch in Medien angesprochen wird und nicht nur in traurigen Dramen mit verzweifelten Protagonisten. In Crazy Ex Gilfriend zieht Rebecca, nach einer kurzen Begegnung mit ihrer Jugendliebe Josh Chan in New York, ihm hinterher nach West Covina. Dort versucht sie, wieder seine Liebe zu gewinnen.

Crazy Ex Girlfriend zeigt, wie unbemerkt am Anfang psychische Erkrankungen sind und wie schwer es ist, sich selbst einzugestehen, dass etwas nicht stimmt und man es nicht allein geregelt bekommt. So gibt es auch einen Song, der zeigt, wie sehr es helfen kann, eine Diagnose zu haben und zu wissen, was mit einem ist sowie in der letzten Staffel eine bunte Musicalnummer im Stil von La La Land zu Antidepressiva. Die Musicalnummern sind ein Highlight der Serie, egal ob ernst oder tierisch, sie sind Ohrwürmer. Daneben werden auch Themen wie Abtreibung und Alkoholismus angesprochen. Weiter ist die Serie voller queerer und diverser Charaktere. Besonders gefeiert habe ich den Song „I´m Getting Bi“. Crazy Ex Gilrfiend gibt es auf Netflix und ist mit vier Staffeln abgeschlossen

Now some may say,
“Oh you’re just gay!
Why don’t you just go gay all the way?”
But that’s not it,
‘Cause bi’s legit.
Whether you’re a he or a she,
We might be a perfect fit.
And one more thing, I tell you what,
Being bi does not imply that you’re a player or a slut.

Eine Serie, die visuell beeindruckend ist: The Expanse

Während ich am Anfang gebraucht habe, in The Expanse reinzukommen, mich in der Welt zu recht zu finden, hat sie mich visuell direkt beeindruckt. Es beginnt schon mit dem Intro, das die Expansion des Weltraums zeigt. Es sieht fantastisch aus und wird von der perfekt gewählten Musik abgerundet. Die technische Umsetzung kann man nur loben. Die Serie ist aufwändig inszeniert und die Weltaufnahmen, die Ausstattung der Raumschiffe sowie Raumstationen lassen sich sehen. Nach dem Lesen des dritten Buches habe ich mich gefragt, wie sie eine Sache bitte filmisch darstellen werden und als ich dann die Serie gesehen habe, war ich hin und weg. Es hat meine eigene Vorstellungskraft gesprungen. Doch auch abgesehen von der Visualität kann die Serie mit einer spannenden und komplexen Handlung punkten. Dran bleiben lohnt sich auch hier. Man hat das Gefühl, dass in nicht all zu naher Zukunft es sich so ereignen könnte. Die Erde hat den Weltraum kolonialisiert, zwischen den drei Parteien den Vereinigten Staaten, Mars und dem Astroidengürtel schnüren sich die Konflikte zu, als ein Raumschiff in die Luft gejagt wird. Die Geschichte nimmt immer mehr an Fahrt auf und nimmt einen spannenden Verlauf an. Aktuell gibt es vier Staffeln bei Prime. Die achtteilige Romanreihe von Daniel James Abraham und Ty Corey Frank verspricht ordentlich Stoff für viele weitere.

Eine Serie aus dem deutschsprachigen Raum: Babylon Berlin

Hier habe ich lange zwischen zwei Serien hin und her überlegt und da ich gesehen habe, dass Nicole meine andere Wahl in ihrem Beitrag erwähnt hat, nehme ich hier Babylon Berlin. Mit viel Liebe zum Detail wurden die Goldenen Zwanziger inszeniert und die Stimmung der damaligen Zeit, wilde Partys auf der einen Seite und Armut auf der andere sowie das langsame Aufstreben des Nationalsozialismus, gut rüber gebracht. Verwoben wird es in einer spannenden Krimihandlung. Kommissar Gereon wird von Köln nach Berlin versetzt und hat neben seinem Fall mit persönlichen Problemen zu kämpfen. Die erste Staffel ist ein politischer Krimi, weswegen man auch aufpassen muss, denn zumindest mir waren ein paar die geschichtlichen Verstrickungen nicht klar. Besonders fantastisch ist Liv Lisa Fries als aufgeweckte Charlotte Ritter, die Gereon bei seinen Ermittlungen hilft. Sie entspricht dem Typus der „neuen Frau“, sie ist unabhängig und selbstbewusst – in sämtlichen Lebenslagen. Ich bin sehr neugierig auf die dritte Staffel, die aktuell leider nur auf Sky läuft. Staffel 1 und 2 findet ihr bei der Mediathek vom Ersten.

Eine Serie, die mit einer Staffel abgeschlossen ist: Godless

Das Wunderbare an Miniserien? In sieben Episoden bekommt man einen abgeschlossen kleinen Film, im Fall Godless einen Westernfilm. Die Kleinstadt La Belle wird nach einem Minenunfall überwiegend von Frauen bewohnt. Dort strandet der verwundete Bandit Frank. Die Frauen leben selbstbestimmt und werden auch von einer Frau geleitet, Mary Agnes, die die Klamotten ihres verstorbenen Mannes, dem ehemaligen Bürgermeisters, trägt und eine Beziehung mit der einer Frau führt. Dazu kommt die andauernde Bedrohung, die über die Stadt schlummert und die für einen Western typisch herrliche Aufnahmen von weiten Steppen. Die erschaffene Western-Welt fesselt einen von Folge zu Folge mehr. Ein kleiner Geheimtipp zum Schluss.

Honorable Mention: Black Mirror, Dark, Stranger Things, Sherlock, Westworld (hier fand ich die erste Staffel großartig, weiter habe ich leider nie geschaut), Mindhunter, The Originals (die ersten drei Staffel habe ich geliebt und habe mir vor kurzem vier und fünf gekauft, um endlich weiterzuschauen) & The Last Kingdom

Der Serien-Tag ist zusammen mit Nicole von Smalltownadventures entstanden. Schaut auch ihrem Beitrag vorbei, um noch eine weitere Empfehlungen zu erhalten.

Was sind eure Lieblingsserien der letzten zehn Jahre?
Was ist euer Geheimtipp?
Und bei welcher Serie hat euch die Entwicklung am besten gefallen?

Teilnehmende Blogs:
Gedankenfunken
Kopf VS Herz

 

 

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