Das Phänomen Harry Potter – wieso lieben wir die Geschichte um den Zauberlehrling?

Dieses Jahr, am 28. Juli ist Harry Potter und der Stein der Weisen in der deutschen Übersetzung erschienen. Trotz all der Zeit ist der Zauber immer noch da. Sei es durch den Kinostart von Phantastische Tierwesen 2 – Grindelwalds Verbrechen, durch das Theaterstück The Cursed Child, das im Frühjahr 2020 in Hamburg anlaufen wird oder durch die Fangemeinde mit seinen zahlreichen Fanfiction – die Geschichte lebt weiter. Wie ist dies möglich? Wieso lieben so viele Menschen auf der ganzen Welt, die Geschichte über den jungen Zauberer? Um die Frage nach der Faszination zubeantworten, habe ich euch auf Twitter gefragt, was ihr an dem Universum so liebt und was Harry Potter für euch bedeutet. Zusammen mit euren Antworten (Danke dafür!) werde ich dem Phänomen auf die Spur gehen.

Sich Harry Potter entziehen? Ein Ding der Unmöglichkeit. Man muss schon auf dem Mond leben, um nichts von dem Hype mitbekommen zu haben. „Er wird einmal berühmt werden. Wohin man auch kommt in unserer Welt, jedes Kind wird seinen Namen kennen“, sagt Dumbledore in Der Stein der Weisen. Und damit wird er recht behalten. Auch in der Welt der Muggel haben die meisten schon von Harry Potter, Hermine, Ron und dem bösen Zauberer Lord Voldemort gehört, dafür müssen sie weder die Bücher gelesen- noch die Filme gesehen haben.

An Harry Potter kommt man nicht vorbei, das hat Sarah vom Blog Books on Fire gut auf den Punkt gebracht.

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Woher kommt diese Anziehungskraft, die Millionen von Menschen fesselt?

Jonathan Engert nennt direkt drei Sachen.

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Bleiben wir zunächst beim ersten Punkt: Die zauberhafte Welt. Joanne K. Rowling hat eine Welt voller Magie erschaffen, wo es fantastische Tierwesen wie Hippogreife, Thestrale und Zauberwesen wie Dementoren und Kobolde gibt. Hexen und Zauberer können fliegen, oder wenn es schneller gehen soll apparieren und schon sind sie an einem anderen Ort (eine Fähigkeit, die ich als Kind immer gerne haben wollte). Trotz allem verliert die zauberhafte Welt nie ihren Bezug zur Realität, da sie im Gegensatz zu High Fantasy Werken wie Der Herr der Ringe eine Parallelwelt zur unseren darstellt. Ein magisches Bahngleis ermöglicht als Bindeglied den Übergang. Somit scheint die Welt nicht fern, wir müssen nur nach London, einmal durch Gleis 9 3/4 gehen und schwubs – wird sind da. Und selbst in der Zaubererwelt gibt es Parallelen: Hexen und Zauberer werden in einer Schule ausgebildet, es gibt ein Zaubereiministerium, die Regierung der britischen Zaubereigemeinschaft und das Gefängnis Askarban.

Rowling hat mit viel Details ihr Universum gestaltet, in dem es viel zu entdecken gibt. So unter anderem die Dementoren, die das Glück aus den Menschen heraussaugen und nur mit einem Patronus Zauber, einer glücklichen Erinnerung, besiegt werden können und der bei den Menschen individuell aussieht. Durch die Etablierung einer Vorgeschichte, einer geschichtlichen Komponente innerhalb der Welt, wird diese realistischer, lebendiger und gleichzeitig greifbarer.  Da im Fokus der Geschichte die Ereignisse um Harry Potter sind, werden nach und nach erst vergangenes erzählt. Von Dumbledores Vergangenheit und seinen Kampf gegen Grindelwald erfährt der*die Leser*in erst viel später und selbst da bleibt das Wissen noch lückenhaft. Dadurch wird mithilfe von offenen Fragen Interesse geweckt.

Die detaillierte Ausarbeitung des Universums beschrieb Schreibotter auf  Twitter als beeindruckend.

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Mir persönlich gefällt der Verlauf der weiteren Bänden und ich finde, dass auch diese zum Eintauchen einladen. Wenn ich die Bücher lese, bin ich sofort wieder mitten in der Welt und verliebe mich ein weiteres Mal aufs neue in die Charaktere, in Hogwarts und in die Geschichte. Umbridge macht mich immer aufs Neue wütend, vielleicht habe ich durch sie meine Abneigung gegenüber der Farbe pink entwickelt.

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Harry Potter hat Generationen geprägt. Viele sind mit der Geschichte aufgewachsen und haben die ersten Bücher noch von den Eltern vorgelesen bekommen. Für mich ist Harry Potter ein Teil meiner Kindheit. Erst durch die Reihe habe ich meine Liebe zum geschriebenen Wort entwickelt und sich der Gedanke gefestigt, irgendwann selbst ein Buch zu schreiben (veröffentlichen ist wieder ein ganz anderes Thema). Ähnliches wurde auch auf Twitter geäußert.

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Meine Geschichte mit Harry Potter hat mit neun Jahren begonnen, als ich meinen Arm gebrochen hatte. Da ich nichts tun konnte, weil der Gips bis zur Schulter reichte, hat mir meine Tante die Bücher vorbei gebracht. Ab diesem Moment hat mich die Geschichte nicht mehr los gelassen, ich habe in kürzester Zeit sämtlich erschienene Exemplare gelesen und ab dem vierten Teil alle im Kino gesehen. Vielleicht ist das der Grund, warum ich den vierten Teil subjektiv immer besser bewerte als er eigentlich ist, einfach weil ich damit viele Emotionen verknüpfe. Beim Schauen bin ich wieder zehn Jahre alt bin, sitze überglücklich umgeben von Erwachsenen im großen Kinosessel, da ich durch meine Tante meine Eltern überreden konnte, ihn sehen zu dürfen.

Jahr für Jahr bin ich am Erscheinungsdatum im Buchladen unseres Dorfes gegangen, beim siebten Band sogar um Mitternacht, verkleidet als Hexe versteht sich. Wie Harry in jedem Teil älter wurde, wurde auch ich älter. Ich konnte mich mit ihm identifizieren. Ebenso erkannte ich mich in Hermine und Ron wieder. Ich habe immer gerne gelesen wie Hermine und bin wie sie perfektionistisch. Ich bin dickköpfig wie Harry und verpeilt sowie oft unsicher wie Ron.

Dadurch, dass viele mit Harry Potter aufgewachsen sind, ist die Geschichte mit  Emotionen und Erinnerung verknüpft. Ich würde schon fast sagen, das damit eine gewisse Nostalgie einhergeht. Die Filme und Bücher über den Zauberlehrling Harry Potter begeistern nicht nur diejenigen, die mit ihm groß geworden sind. Es ist keine reine Jugendliteratur, sondern begeistert sämtliche Generationen durch seine fantastische Welt, den vielen Details, der spannenden Handlung und den Figuren, die man lieben und hassen lernt. Vielleicht spielt zur Identifikation die Thematik des Außenseiter seins eine Rolle. Harry gehört erst nicht zur Welt der Hexen und Zauberer zu, muss sich dort erst wie der Leser einfinden und seinen Platz finden. Trotz seiner Berühmtheit wird ihm häufiger eine Außenseiterrolle zugeschrieben. Dennoch schafft er es immer wieder anderen zu zeigen, was er kann.

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„Harry Potter ist für mich immer wieder wie nach Hause kommen“ ist ein schönes Schlusswort von Nicole und Julia. Es beschreibt das, was das Phänomen Harry Potter auszeichnet und in vielen auslöst.

Wird der Zauber jemals sterben? Noch drei Fortsetzungen warten auf uns, das Theaterstück geht um die Welt… Bisher sieht es nicht so aus. Die Magie der Geschichte bleibt bestehen, die Geschichte lebt weiter.

Ihr könnt wie ich nicht genug von Harry Potter bekommen? Dann schaut hier vorbei. Dort haben eine Freundin und ich uns einen ganzen Monat mit dem Thema beschäftigt. Sei es meine Meinung zu The Cursed Child oder unsere Lieblingscharaktere – ihr findet bestimmt etwas passendes.

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14 Kommentare

  1. Ein toller Beitrag ist am Ende daraus geworden, wo ich dir nur zustimmen kann. Die Verbindung zu unserer Welt und die Parallelen fand ich auch immer super, das hat das Leseerlebnis noch spannender gemacht.

    Der Hype wird glaube ich nie abreißen, mit Fantastic Beast lebt die Reihe nun ja weiter und begeistert auch Menschen, die vielleicht nicht ganz so viel mit Harry Potter anfangen konnten oder sorgt dafür das eine neue Generation die Reihe für sich entdeckt. Mit fünf Filmen wird sie uns ja noch lange Zeit im Kino erhalten bleiben. Dann natürlich noch das Theaterstück und hier gibt es ja das Gerücht, dass Warner da über eine Verfilmung nachdenkt. Das soll wohl anhaltend im Gespräch sein. Ob ich das gut finde, weiß ich noch nicht, weil ich das Stück nicht so berauschend fand und für einen Film das ganze doch etwas dünn ist. Aber es wurden schon einige Potter Darsteller gefragt, ob sie denn wieder an Bord wären und Tom Felton wäre schon mal zu haben :D.

    Ich bin mir auch sicher, dass bestimmt noch weitere Geschichten aus dem Potter Universum gibt, die irgendwann in Buchform erscheinen werden. Irgendwann erhält das ganze dann bestimmt ein Reboot, wie das bei allen großen Reihen der Fall ist.

    • Danke! Oh je eine Verfilmung des Theaterstücks? Man kann es auch übertreiben! Glaube nicht, dass der Stoff für eine Verfilmung reichen würde. Kann mir vorstellen, dass es als Theaterstück funktionieren wird (werde ich nächstes Jahr im März sehen), aber eine Verfilmung….? Ebenso gerne kann ich auf ein Reboot verzichten 😀

  2. Super schöner Beitrag! Ich lese gerade die Bücher nochmal Und höre parallel die Hörbücher 🙂 Harry Potter ist wirklich eine der wenigen Geschichten, die ich so oft nochmal hervorholen kann und immer noch mitreißend finde, obwohl ich eigentlich genau weiß, was passieren wird .

    Teilweise finde ich es etwas schade, dass die Geschichte so „unüberlegt“ ausgeschlaxhtet wird, finde fantastic beasts teilweise ein bisschen hingerotzt. Da hätte man sich mehr Mühe geben können beziehungsweise einfach mehr rausholen können. Gerade weil es sich ja jetzt auch an ältere Fans richtet. Aber andererseits bin ich auch froh, dass es immer wieder neuen Input aus der magischen Welt gibt!

    Liebste Grüße
    Celine

    • Vielen Dank. Ach ja die Hörbücher sind toll, die muss ich mir auch nochmal anhören 🙂

      Ja das finde ich auch. An meiner Rezension zum neuen Teil sieht man auch, dass ich da was zweigeteilt bin. Einerseits freue ich mich riesig auf weitere Einblicke in das Universum, anderseits gefallen mir viele Entwicklungen nicht.
      Liebe Grüße, Nadine

  3. Dankeschön für dein liebes Kommentar und mach dir keinen Stress. Der Beitrag ist ja doch recht arbeits intensiv ;). Vielleicht kannst du ja auch eine Kombination finden. Eine andere Bloggerin hatte auch „Coming-of-age“ als Genre definiert. Freut mich, dass wir beide durch die Jette Reihe an des Genre heran geführt wurden. Irgendwann lese ich da glaube ich aus nostalgischen Gründen mal weiter und auch um die Reihe mal komplett abzuschließen und zu erfahren, was dann noch so mit Jette passiert ist.

    • Entschuldige das ich die gerade zuspamme :D. Ich beantworte nur endlich mal wieder meine Kommentare.

      Dankeschön für dein Kommentar Nadine. Freut mich, dass wir da einer Meinung sind. Natürlich ist es am Ende perfekt, wenn ein Darsteller schauspielerisch gut ist und noch der Figuren-Beschreibung perfekt entspricht (gibt ja auch hier gelungene Beispiele: wie oben schon in einem anderen Kommentar Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen oder aber in meinen Augen auch Natalie Dormer als Anne Boley, aktuell ist da auch noch Kiernan Shipka als Sabrina zu nennen, die kommt den Comics ja auch extrem nahe), aber das ist halt auch mit Glück verbunden. Hat die favorisierte Darstellerinnen / Darsteller Zeit? Findet sich bei einem offenem Casting jemand der die passende Optik und das Talent mitbringt? Manchmal geht es halt nicht ohne Abstriche und manches kann ja auch noch angepasst werden, wie die Haarfarbe.

      Ich verfolge Shadowhunters ja noch, fand aber vor allem die zweite Staffel nicht so gut. Die dritte ist jetzt handlungstechnisch zumindest spannender geworden. Bin eher dran geblieben weil ich Matthe Daddario als Alec super finde sowie sein Gegenstück in der Serie Harry Shum als Magnus. Auch Simon finde ich super, weil er ne Figur ist die ich in Serien und Filmen sehr mag. Aber Teen Wolf finde ich auch um welten besser. Klar die Effekte sind am Anfang auch schlecht, wird aber dann je nach Storyline auch besser finde ich, die Darsteller in der ersten Staffel ebenfalls noch nicht der Knaller, aber: Sie entwickeln sich. Dylan hat so eine unglaubliche Wandlung hingelegt, genauso wie Holland Roden.

      Genau geht mir ähnlich. Ich bin wirklicih kein Fan von den Schweiger Filmen, bei Schweighöfer kommt es auf die Thematik an. Einige seiner Filme mag ich, andere nicht, aber das auch normal. Jedoch: Wie du schon sagtest: Es gibt noch mehr Produktionen. auch viele kleinere, die viele gar nicht so auf dem Schirm haben und gerade das letzte Kinojahr konnte sich echt sehen lassen ,da gab es einige tolle Filme. Bei den Serien denkt halt jeder nur an die RTL-Sitcoms, aber auch hier gibt es mittlerweile viel mehr Vielfalt. Babylon Berlin ist da ein toller Schritt in die richtige Richtung und Sky hat noch einige weitere spannende Projekte in Petto für die kommenden Jahre, genauso wie das ZDF. Die haben echt einige spannend klingende CoProduktionen.

      Wobei einige das ja auch mit den Dämonen entschuldigen, mit denen der arme männliche Prota zu kämpfen hat. Finde ich auch nicht besser, denn jeder hat mit Problemen zu kämpfen, aber es darf halt nie eine Entschuldigung sein deshalb andere schlecht zu behandeln. Gerade im Erotik Genre ist das so oft der Fall und da finde ich das mehr als bedenklich.

      • Apropos Hautfarbe, da fand ich die Diskussion bei The Cursed Child und der Darstellerin der Hermine echt unpassend und unangebracht.
        Ja Alec und Magnus sind super. Mir ist ihre Beziehung in der Serie nur etwas zu kitschig geraten (zumindest in den ersten eineinhalb Staffeln war das mein Eindruck)
        Ach ich finde die erste Staffel von Teen Wolf hat schon seinen Charme und Stiles hat mich oft zum Lachen gebracht 🙂
        Exakt!
        Oha im Erotik Genre wird (immer) alles mit seinen inneren Dämonen entschuldigt. Habe da durch Freundinnen ein paar Bücher gelesen und war schnell mit denen fertig, danach dachte ich mir nur: Bitte was habe ich da gerade gelesen??

  4. Pingback: Bücher und Filme für die Weihnachtszeit | Wörter auf Reise

  5. ich wollte dich auch nochmal wissen lassen, dass ich den Beitrag gerne gelesen habe und die Kommentare zu Twitter unterstützen deine Erläuterung nochmal zusätzlich. Harry Potter ist Zu Hause, da wird es niemals eine andere Ära geben, die mich mehr fasziniert als diese 🙂

  6. Anetts Bücherwelt

    Das ist ein toller beitrag und so gut geschrieben.
    Als Harry Potter aufkam, dachte ich mir, ich bin zu alt dafür. Aber irgendwann dachte ich mir, ich nehm mir mal den ersten Band und les das mal, einfach um mitreden zu können.
    Was soll ich sagen – das Virus hat mich ergriffen 😀
    Bis heute mag ich die Bücher und Filme so gern – weitergegeben habe ich das an meine mittlerweile 15jährige Tochter. Die ist total verrückt danach und will nun endlich mit mir nach London in die Harry Potter Studios 🙂 Ich bin begeistert!

    Liebe Grüße Anett.

    • Danke schön, dass freut mich! Die Studio kann ich nur weiter empfehlen, war da vor kurzem und war total begeistert die ganzen Kulissen zu sehen! Für jede Person, die Harry Potter liebt, eine Reise wert!

  7. Frühjahr 2020 =( … aber ein schöner Beitrag und ich werde jetzt so geduldig wie möglich warten, wann es mir möglich sein wird, dass Theaterstück ein mal live zu sehen

    • Wörter auf Reise

      Danke 🙂
      Kann das Stück sehr empfehlen, wenn die Karten in Hamburg was günstiger werden, werde ich es mir da vielleicht auch auf deutsch anschauen.

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