Corona Virus: persönliche Gedanke und Ängste

Eigentlich sollte heute ein Beitrag mit Sci-Fi Empfehlen online gehen oder ein Beitrag zu meinen Top 10 Serien aus den 2010ner Jahre, die Liste mit Ideen ist lang, allerdings habe ich gemerkt, dass meine Gedanken immer wieder zu einem anderen Thema gewandert sind: Corona. Ein omnipräsentes Thema. Schule und Universitäten schließen, Konzerte werden verschoben, das komplette Öffentliche Leben wird eingestellt. Corona betrifft mittlerweile jeden von uns. Um Risikogruppen zu schützen und das Gesundheitssystem zu entlasten, finde ich die Regelungen wichtig. Und doch: Nicht mehr das Haus zu verlassen und überschüttet zu werden mit dem Thema kann auch belasten sein. Um Ängste, Sorgen und Gedanken, die mich beschäftigen, darum geht es heute. Es wird also ein sehr persönlicher Beitrag werden. Nur vielleicht geht es ein paar von euch ähnlich? Lasst es mich gerne in einem Kommentar wissen.

Ich und meine Angsstörung

Vergangenes Jahr habe ich auf meinem Blog offen über meine Generalisierende Angststörung geschrieben, weil ich es für wichtig erachte, darüber zu reden, aufzuhören ein Tabu daraus zu machen und mit Vorurteilen aufzuräumen. Generalisierte Angststörung bedeutet ständig angespannt und die Sorge zu haben, dass etwas passieren könnte, sei es einem selbst oder Verwandte und Freunden, auch wenn keine tatsächliche Gefahr besteht. Der Gedanke, nicht alles im Leben kontrollieren zu können, ängstigt einen. So die Kurzversion. Wegen meiner Angststörung war ich auch für eine kurze Zeit in Therapie, dann wurde meine Therapeutin krank, ich fiel letztes Jahr verstärkt durch meinen Eisenmangel in kleines Tief und fand einfach keinen neuen Platz. Ich hätte ein Jahr später einen Platz bekommen können. Dort hätte ich zusagen sollen, doch war es für mich damals zu weit weg.

Aufschwung und Positivität

Der Sommer ging, mein Vitaminhausalt stieg und mein Wohlbefinden verbesserte sich. Klar, immer noch traten ein paar Tiefs auf, ausgelöst durch das Bachelor Arbeit und Wohnungstheater, doch hielten sie sich in Grenzen. Der große Aufschwung kam dann im neuen Jahr. Eine Person aus der Familie erhielt die Diagnose, kein Krebs zu haben und alle Anspannung löste sich und ich war einfach glücklich. Ich ging positiv an meine Bachelor Arbeit dran, freute mich darauf, sie bald zu beenden und endlich mich ans Schreibens meines Projekts zu setzen, ich genoss den Austausch mit lieben Menschen auf Instagram und auf den Blog, ich besuchte Konzerte, die mich mit Glückgefühlen beflügelten und es war alles wieder super, es gab nichts worüber ich mich beklagen konnte.

Die Aufkeimende Sorge

Dann ging die Corona Welle in China los. Besorgt verfolgte ich die Nachrichten und als es zu den ersten Fällen in Deutschland kam, wurde ich nervöser. Ich merkte, wie Ängste wieder hochkommen wollten, jedoch wollte ich mich von ihnen nicht einschränken lassen, ich wollte es ihnen zeigen! Und so ging ich nach langem Hin und Her überlegen aufs Starset Konzert in Köln, genoss das Konzert und war stolz, meiner Angst entgegengetreten zu sein. Dann traten immer mehr Fälle auf, Veranstaltungen ab 1.000 Menschen wurden abgesagt und meine Nervosität stieg wieder an. Das Thema war überall. Und dann machte ich den Fehler, statt das Internet auszumachen, saugte ich alles auf, las Artikel dazu, scrollte ewig durch meine Twitter-Timline, in der es um nichts anderes ging. Die Lage wurde doch ernster als gedacht, der Virus ist doch schlimmer…

Hallo alte negative Angewohnheiten

Die Sorge kam um Verwandte und die Sorge selbst zu erkranken und da bekam ich wiederum Schuldgefühle, da ich selbst ja nicht zu der Risikogruppe gehöre. Ich vertiefte ich mich immer hinein und schließlich tauchten die ersten Signale alter schlechter Angewohnheiten auf. Ich begann Dinge zu zehrdenken, machte mir Selbst Vorwürfe, mich nicht richtig an die Vorsichtmaßnahmen gehalten zu haben, mir zu oft ins Gesicht gepackt zu haben (ein Reflex, den ich nur schlecht unterdrücken konnte) und begann Angst zu haben, mich angesteckt zu haben. Das die Statistik gut aussieht für junge, gesunde Menschen war da egal, ich stürzte mich auf die Artikel, in denen stand, dass der Virus allgemein schlimmer ist als eine Grippe

Meine Angst verstärkte sich und begann, Freunde damit voll zutexten, sie mit meinen Ängsten vollzuschreiben und bei ihnen die Bestätigung reinzuholen, wie unwahrscheinlich es ist, dass ich mich angesteckt habe, auch wenn ich mit Kindern zu tun habe, und mit dem Öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren bin, nun landete ich auch hier in alte Muster. Eine Bestätigung reicht nicht aus, da ich bin ja der Meinung bin, mich angesteckt zu haben und das es einen schlechten Verlauf annehmen wird, ich brauche eine weitere Bestätigung und eine weitere und lande damit in einen Teufelskreis.

Willkommen zurück

Der nächste Anzeichen für Sachen, die ich gehofft hatte, hinter mich gelassen zu haben. Ich schlief wieder schlechter, ging spät ins Bett und wachte früh auf. Demensprechend fühlte ich mit morgens und war dazu mein erster Gedanke? Nicht, Mensch ich fühle mich fertig, weil ich so wenig geschlafen habe, sondern, ist Müdigkeit nicht auch Anzeichen? Ich steigerte mich immer mehr hinein bis zu einer Panikattacke. Mittlerweile habe ich mich wieder beruhigt (auch wenn sich mein Gemütszustand gerne im fünf Minutentakt ändert) und es bleibt die Angst vor der Angst. Dass meine Angststörung, die ich dachte in den Griff bekommen zu haben, wieder da ist. Ich bereue es mittlerweile, gedacht zu haben, dass ich es allein hin bekomme und die Situation zeigt, dass ich davon Meilenweit entfernt bin und ich nur dachte, meinen Hypochonderie mit möglichst gesunder Ernährung und meine Angststörung in Meidung wie von Fahrstühlen, überwunden zu haben.

Die Angst vor der Angst

Ausgelöst durch meine Angststörung habe ich Angst in ein Tief zu kommen, nachdem das Jahr so gut gestartet ist. Außerdem möchte ich meine Freunde nicht nerven. Ich habe es ihnen zurzeit wieder nicht einfach gemacht und bekomme da die Angst, sie damit vertrieben zu haben. Der Drang, ihnen wegen meiner Angst zu schreiben, kollidiert mit der Angst, sie zu nerven und dazu zu führen, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Dies geht mit Schuldgefühlen einher. Das ich es im Endeffekt verdient habe und das sie doch bitte den Kontakt mit mir abbrechen, weil ich es verdient habe, wenn ich mich so ätzend verhalte. Und auch hier lande ich wieder in einen alten Kreislauf, den ich dachte überwunden zu haben.

Zu viel Freizeit?

Ein weiterer Sorge dreh sich um das Finanzielle und keinen geregelten Tag mehr zu haben.
Findet Nachhilfe weiterhin statt, auch wenn die Schulen schließen? Ich hoffe. Denn sonst stehe ich plötzlich mit 300 Euro weniger da. Ich brauche Routine, das ist mir im Studium aufgefallen. Ich muss um 7 Uhr aufstehen, ich brauche feste Termine, ich brauche einen geregelten Tag. Was ist wenn, die Nachhilfe wegfällt, ebenso wie mein Ehrenamt? Ich freue mich immer auf das Ehrenamt und es wäre echt schade, wenn es donnerstags wegfallen würde. Ich habe Angst davor, dass die Routine weg fällt, denn so sehr ich auch gerne zu Hause bin, schreibe, lese, Filme und Serien schaue, kann ich es dennoch nicht 24 Stunden am Tag.

Auch brauche ich Zeit für mich. Ich kann nicht jeden Tag unterwegs sein. Ich liebe es Zeit für mich zu nehmen. Bewusst zu nehmen. Nur jetzt gar nichts mehr weg zu sein? Ich bin absolut kein Disko Mensch, doch ich liebe Konzerte, mich mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen, ins Kino zu gehen – was ist wenn das alles komplett wegfällt und nichts mehr geht? Keine Sozialkontakte für die nächsten Monate? Ausgleich habe ich vom Sport bekommen, beim Uni Sport konnte ich mich beim Yoga entspannen und beim Zumba den stressigen Tag rauslassen. Auch hier fällt alles weg.

Und jetzt?

Sport muss ich jetzt zum Ausgleich auf Joggen und Workout verlegen, nervig, aber eine Sache, die sich gut ändern lässt. Es ist auch mehr eine Begleiterscheinung, dass mein sorgsam aufgebautes Leben auseinanderfällt, ich nichts habe woran ich mich festhalte und das es meine Angststörung verstärkt und meine sozialen Kontakte einschränkt. Also was machen? Erst einmal einen Schritt angehen, den ich schon länger hätte machen sollen: Mir einen Therapieplatz suchen. Bis es so weit ist, muss ich dann versuchen es selbst erstmal hin zu bekommen.

Als nächstes werde ich schauen, wie es mit der Nachhilfe aussieht und wenn bis Ende April gar nichts mehr läuft, muss ich versuchen, irgendwie Routine in mein Leben zu bekommen, feste Schreibzeiten einplanen, um nicht in den Chaos eines ungeplanten Tages zu stürzen, in dem viel Platz für Gedankenkarusselle ist. Versuchen das Positive zu sehen, die Uni beginnt erst am 20. April? Endlich Zeit zum Schreiben! Wollte ich das nicht die ganze Zeit? Dann habe ich jetzt Zeit meinen SuB anzubauen, Serien zu schauen und wieder mehr Französisch zu lernen. Was Sozialkontakte betrifft, da werden sich Treffen wieder mehr auf Social Media und in Treffen zuhause verschieben, Zweiteres immer ein bisschen schwieriger wenn man nicht mehr zur Schule geht und alle verteilter wohnen und wenn man gerade eine Person kennenlernt, sind Öffentliche Räume wie Cafés eigentlich angenehmer, aber gut 😀

Die größte Angst bei Corona ist bei mir somit nicht nur der Virus selbst, sondern in altes Tief wieder zu stürzen, mit sämtlichen alten Verhaltensweisen, die dachte, hinter mich gelassen zu haben. Dem muss ich entgegenwirken und das ist mein Ziel für die nächste Zeit.

Wie geht es euch zurzeit?
Wie sehr schränkt Corona euer Leben ein?
Ich wünsche jedem von euch alles gute! 🙂

2 Kommentare

  1. Liebe Nadine,

    die Nachrichten am Donnerstag und Freitag waren doch schockierend. Was bahnt sich da an und wie lange dauert das Ganze? Ich bin doch beunruhigt und schwanke hin und her. Das Schlimme ist, dass niemand weiß, wie lange sein wird. Noch sind wir ja nicht in Quarantäne. Ich war als Erwachsene mal drei Wochen mit Windpocken zu Hause. Das war nicht schön!

    Wir sollten versuchen, uns abzulenken. Lesen, Musikhören, etwas Schönes kochen, Fernsehen, auf dem Blog schreiben und in die Zukunft schauen, auch wenn das manchmal schwer fällt.

    Liebe Grüße
    Renate

  2. Liebe Nadine,

    für mich läuft das alles gerade irgendwie wie ein Film ab. Ob der nun gut oder schlecht ist mag ich noch nicht sagen. Ich bin durch meinen Beruf stark eingebunden. Und komme kaum dazu mir Gedanken um mich zu machen.
    Ich stehe wie gewohnt morgens auf und fahre zur Arbeit. Dort findet jetzt jeden Morgen ein Briefing statt. Was war am Tag zu vor? Was steht heute an? Geht es allen gut? Dann werden kurz die Gruppen eingeteilt und unsere Apotheke öffnet die Türen. Und dann bin ich irgendwie im Tunnel in meiner Arbeit. Nehme den Kunden die Angst, kläre sie auf und versuche mit bestem Wissen und Gewissen die Belange des Kunden zu erfüllen.
    Und schwups ist der Tag an mir vorbei gezogen. Ich bin gespannt wie die nächsten Wochen werden. Können wir unser aktuelles Arbeitspensum halten oder müssen auch wir langsam aber sicher zurück fahren um die Ressourcen zu schonen. Es wird eine anstrengende, aber auch lehrreiche Zeit, die zum Nachdenken anregt. Ich hoffe, es wird sich wieder mehr auf das Miteinander besonnen und wie wichtig regionale und national Erzeugnisse sind, im Vergleich zu billig Produkten aus dem Fernen Ausland.

    Ich wünsche dir viel Kraft.

    LG Kerstin

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