Die Bedeutung von Freundschaften in Geschichten & im Leben

Liebe auf dem ersten Blick, Seelenverwandtschaft, die erste Liebe, große Gefühle, Liebesdreiecke – romantische Beziehungen sind insbesondere in Jugendbüchern und Teenie-Serien omnipräsent. Durch sie rückt nicht nur oft eine spannende Weltenkonstruktion in den Hintergrund, sondern auch Freundschaften. Für Freundschaften oder Eltern-Kind-Beziehungen ist, wenn es um flatternde Schmetterlinge geht, nur wenig Platz. Dabei bieten sie gerade Platz für interessante Nebenschauplätze und schöne Momente. Was wäre beispielsweise Harry Potter ohne die Freundschafts des Trios oder Herr der Ringe ohne Frodo und Sam? Dann wäre Harry bestimmt schon im ersten Teil von Voldemort getötet worden und Frodo wäre dem Ring verfallen.

Aus diesem Grund haben die liebe Nicole vom Blog Smalltownadventure und ich beschlossen, uns näher dem Thema Freundschaft in Serien zu widmen, da es dort, unter anderem durch die Länge der Staffeln, viel Platz für platonische Beziehungen gibt, sei es zwischen Freunden, Eltern und Geschwistern. Dafür haben wir uns einen Tag überlegt, der in zwei Teilen, einmal am Sonntag, den 8. September  und einmal am Mittwoch, den 11. September online geht. Heute werde ich in einem ersten Schritt mich mit der Frage beschäftigen, was Freundschaft für mich persönlich ausmacht. Anschließend ziehe ich den thematischen Schlenker zur Literatur und Serien: Warum sind Freundschaften wichtig für eine Geschichte und was stört mich teilweise an ihrer Darstellung?

Was genau ist Freundschaft?

Wenn man beim Duden nachschaut, heißt es dort: „auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander“ (Quelle). Das ist sehr allgemein gefasst, gibt aber einen guten Startpunkt. Gegenseitige Zuneigung besagt, dass es keine Einbahnstraße ist und es beide Parteien betrifft. Erfahrungsmäßig liegt ein Bruch der Freundschaft an beiden Personen, teilweise entwickelt man sich in verschiedene Richtungen und nur weil man sich früher als Kind super gut verstanden hat, muss es nicht auch zehn Jahre später der Fall sein.

Für mich bedeutet Freundschaft trotz Schwierigkeiten dazubleiben, Macken der anderen Person zu akzeptieren und wissen, was man an dem Anderen hat. Zwar schüttelt man auch mal den Kopf über die Person, regt sich über sie auf, doch man bleibt befreundet, weil man viel Schätzenswertes an dem anderen hat. Es gibt nicht die eine Freundschaft, denn so unterschiedlich die Menschen sind, so unterschiedlich sind auch die Freundschaften. Die einen sind reservierter, reden weniger über persönliche Dinge, während andere einem eine 20-minütige Sprachnachricht über ihr Liebesleben machen. Dabei muss es nicht sein, dass Person A einen weniger mag, sie hat nur eine andere Persönlichkeit. Ähnliche Interessen sind schön, ein Pluspunkt. Allerdings ist es wichtiger, in den wesentlichen Dingen übereinzustimmen. Dies ist mir im Laufe der Zeit aufgefallen.

Ich persönlich fasse den Begriff Freundschaft eng und zähle nur wenige Menschen dazu. Der größte Teil sind für mich gute Bekannte, mit denen ich mich verstehe, mich hin und wieder treffe, die jedoch nicht alle Facetten über mich kennen. Mit der Zeit sieht man, ob daraus eine Freundschaft wird.

Gemeinsame Erinnerungen und Erlebnisse schweißen zusammen. Über die Zeit entstehen Anekdoten und Insider, die ohne eine nähere Erläuterung eine dritte Person nicht verstehen wird. Zumindest in meinem Freundeskreis gehört es auch dazu, sich gegenseitig zu necken und besonders mit einer Freundin betreibe ich diesen Sport auf Olypmia Niveau. Mit Freunden kann man seine eigene Eigenarten mit Humour nehmen.

Wozu Freundschaften?

Freundschaften sind von einem großen Wert. Besonders in Teenagerzeit ist die Beziehung zur Peer Group wichtig, da dort Ablösungsprozesse von den Eltern passieren und Anerkennung bei den Gleichaltrigen gesucht wird. Findet man diese nicht, kann es Schwierigkeiten in der Entwicklung geben. Sicherlich kann dies auch mit den falschen Leuten passieren, doch Abgeschnittenheit ist ebenso schlecht (wenn nicht schlechter, wie Studien sagen). Freundschaften geben im besten Fall Unterstützung und die Möglichkeit, mit anderen zu reden. Hätte ich damals während des Mobbings zuhause nicht eine beste Freundin gehabt, wüsste ich nicht, wie ich die Zeit so überstanden hätte, denn in der Schule hatte ich niemanden und wenn es außerhalb davon auch niemand gäbe? Dann würde man sich noch mehr als eh schon in sich zurückziehen. Wie eben schon erwähnt, gibt es auch toxische Freundschaften, Freundschaften, die eigentlich keine sind. Ich habe lange gebraucht, mich davon zu lösen und als ich es geschafft habe, war es ein Befreiungsschlag, ich hatte endlich das Gefühl, ich sein zu dürfen.

Freundschaft in Geschichten

Freundschaft zeigt sich in unterschiedlichen Facetten, keine Freundschaft ist wie eine andere und daher ist ihre Darstellungen in Büchern, Filmen und Serien so schön und interessant. Freunde, Familie und Geschwister können der Hauptfigur auf ihrer Reise helfen und das nicht nur im Sinne einer klassischen Heldenreise in einem Fantasyroman, sondern ebenso in Young Adult Büchern. Besonders in Coming of Age Geschichten spielen sie für die Entwicklung der Figur eine Rolle. Weswegen ich es gerade hier finde, dass diese oft ausgeklammert- und sich auf die Liebesbeziehung fokussiert wird. In Traumtänzerin war dies beispielsweise der Fall, wo nach der Etablierung der Liebesgeschichte eine zuvor wichtige Freundin zu einer Nebenfigur wurde.
Gleichzeitig bieten sie Potential für Konflikte. Eine Beziehung ist niemals komplett störungsfrei (würde ich mal behaupten) und dies kann für die Handlung genutzt werden. Freunde, die sich gegeneinander stellen, Geschwister, die wieder zu einander finden – es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten.

Dinge, die mich stören

Wenn es eine Freundschaft zwischen Mann und Frau gibt, ist es in einem großen Teil der Fälle so, dass ein Part sich in den anderen verliebt, der andere erst nicht und dann kommen sie doch zusammen. Scheinbar ist es total easy, dass aus Freundschaften mehr entsteht. Außerdem wird direkt suggeriert, dass eine platonische Freundschaft zwischen den Geschlechtern nicht möglich ist. Was ist da mit queeren, bisexuellen, pansexuellen Menschen? Vor uns ist keine Freundschaft sicher, nicht?

Hier kann ich wieder Scorpius und Albus erwähnen, wäre einer von ihnen eine Frau, wären sie am Ende von The Cursed Child zusammen gekommen oder es wäre zumindest in die Richtung eingeschlagen. Aber genug dazu, bevor es wieder ausartet: Dreiecksbeziehungen in Teenie Fantasyromanen, einfach Nein. Es ist genug.
Freunde, die keine eigene Persönlichkeit haben und quasi nur für die Protagonistin existieren – auch hier: Nein Danke. Ich brauche keine langweiligen Stereotypen.
Die Darstellung von Eltern: Entweder total lieb und super oder das genaue Gegenteil: egoistische fiese Wesen. Wie wäre es mit etwas dazwischen?

Positive Beispiele:

In Herr der Ringe ist Sam, der eigentliche Star der Reihe. Er bleibt bis zum Ende bei Frodo dabei, er unterstützt ihn, hilft ihm und treibt ihn voran. In Harry Potter steht die Freundschaft zwischen dem Trio im Vordergrund. Hier zeigt sich wunderbar die verschiedenen Aspekte von Freundschaften. Sie streiten sich, sind genervt von einander, wissen was sie von einander haben, haben Spaß zusammen, etzen sich für einander ein (weswegen mich die  Darstellung von Ron im Fim teilweise störrt) und halten zusammen. Besonders im fünften Band müssen Hermine und Ron einiges einstecken, denn Harry behandelt sie in seinem Kummer und Wut nach Cedrics Tod nicht freundlich und lässt seine Laune an ihnen raus, dennoch sind sie für ihn da. Beim Thema Freundschaft verdient Vampire Academy eine Erwähnung. Dort teilen zwei beste Freundinnen ein Band und es geht viel um ihre  Beziehung zu einander.

Es gibt noch viele weitere Beispiele, doch möchte ich es bei den drei belassen, denn am Sonntag, den 8, wird es viele schöne  Freundschaften in Serie geben. Ich hoffe, dass ihr dann dabei wieder dabei sein werdet. Schaut auch unbedingt bei Nicoles Beitrag vorbei.

Hier findet ihr beide Tags:
Serien Tag Teil 1
Serien Tag Teil 2 

Was bedeutet Freundschaft für euch und welche Beispiele fallen euch noch ein? Findet ihr auch, dass in Coming of Age Geschichten der Fokus zu sehr auf die Liebesgeschichte gelegt wird oder nicht

7 Kommentare

  1. Soo natürlich will ich auch gleich ein Kommentar bei dir hinterlassen, das etwas ausführlicher ist als meine Whats App Nachricht :P. Ich finde deinen Beitrag super gelungen und das tolle ist, dass wir beide den Fokus etwas anders gelegt haben. Ich gehe auf meine persönlichen Erfahrungen sehr intensiv ein, du intensiver auf den Punkt der Darstellung in Serien und Büchern, somit ergänzt sich das doch perfekt.

    Bei Elternteilen sehe ich es genauso. Gefühlt dominieren da ja auch etwas die toxischen Beziehungen, gerade in Teenie-Serien. Wenn ich da an „One Tree Hill“, „Pretty Little Liars“, „Riverdale“, „Gossip Girl“ oder „Vampire Diaries“ denke, dann waren da die familiären Beziehungen doch eher toxisch, wenn sie überhaupt vorhanden waren. Doch eltern sind nicht nur schwarz / weiß, man könnte da so schön mit dem Graubereich spielen. Eine sehr realistische Darstellung hat man da bei „This Is Us“, weshalb ich die Serie nur empfehlen kann.

    Die Liebesdreiecke sind grauenvoll. Ich habe da jetzt zwar nichts per se dagegen, aber das sie halt überall vorkommen nervt. Das ist dann to much und spiegelt die Realität nicht wieder. Also ich habe mich nicht konstant in einem Liebesdreieck wiedergefunden. Eigentlich nie. Aber betrachtet man die Teenie Serien, hat man das Gefühl, das wäre Alltag.

    Bei Büchern tue ich mir generell schwer da welche aufzuzählen, die Freundschaften in den Mittelpunkt rücken, habe deshalb auch „Harry Potter“ genannt, finde aber das Ron im Film auch nicht so gut wegkommt. Im Buch hat er mir besser gefallen.

    Jaa das mit den Insidern kenne ich, die haben wir in meiner Clique auch und ich habe sie vor allem auch mit meiner besten Freundin bzw. meinem Besten Freund, die kenen ich schon so lange, dass sich da viele schöne Momente angesammelt haben und man bei manchen Begriffen und Aussagen sofort weiß, was damit gemeint ist. Wir necken uns ebenfalls richtig gerne, das gehört in Freundschaften finde ich dazu und die andere Seite weiß ja auch das es nicht ernst gemeint ist. Das lustige ist, dass mein Bester Freund und ich auch ganz oft im gleichen Moment anfangen das gleiche Lied zu singen oder wir denken und sagen das gleiche. Für ihn bin ich ja eh ein offenes Buch :D. Was manchmal echt erschreckend ist xD. Ich bin aber echt froh, dass du deine Beste Freundin hattest, die dir in deiner schweren Phase beigstanden hat. Du weißt ja ,dass ich das null verstehen kann, wie man sowas macht :/ und es grauenvoll findest, dass du da durch musst. So ein Verhalten ist mit nichts zu entschuldigen und hinterlässt leider immer Spuren.

  2. Sehr, sehr schöner Blogpost! Ich bin auch der Meinung dass Freundschaften etwas mehr Aufmerksamkeit in Büchern, filmen und Serien bekommen sollten 🙂

  3. Habe zuerst Nicoles Beitrag gelesen und bin nun auf deinen gestoßen und finde beide Beiträge sehr gut und interessant. Es ist richtig, dass jede Freundschaft anders ist und gerade das ist ja das tolle daran 🙂 ich habe so viele unterschiedliche Freunde mit verschiedenen Charakteren, Macken, Geschlechtern (m/w) und Wurzeln und liebe alle davon, eben weil sie mein Leben dadurch bereichern. Ihre Ansichtsweisen, Ehrlichkeit, Offenheit und ihre Unterstützung schätze ich sehr. Da ich gerade ein Buch schreibe und ein bisschen feststecke, kamen mir außerdem dein Beitrag und Nicole’s, recht, denn ich habe gerade festgestellt, das ich definitiv zu wenig über Freundschaft in meinem Buch geschrieben habe aber das aufjedenfall einen Teil verdient!!!

    Bin auch schon gespannt auf die anderen Beiträge 🙂

    Liebe Grüße
    Jasmin von http://www.nimsajx.blogspot.de | Nachhaltiger Reiseblog mit Hippie Vibes

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